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Die allzu lange Geschichte der Diskriminierung der Frauen um ihres Geschlechtes willen –

Sie ist bis heute nicht überwunden und hat schwer wiegende negative Folgen in der röm.-katholischen Kirche!
Abkehr vom Patriarchalismus ist dringend vonnöten!

Ida Raming, Dr. theol.

In diesem Überblick werden exemplarische Entwicklungen anhand von Textbeispielen aufgeführt, die die lange Geschichte der Diskriminierung der Frauen beleuchten.
Dabei wird aufgezeigt, dass die Folgen dieser Diskriminierung bis heute nicht überwunden sind und zum Schaden der Menschheitsentwicklung fortwirken.
Der noch anhaltende Ausschluss der Frauen von der Ordination (zu Diakonat und Priesteramt) in der röm.-katholischen Kirche ist Ausdruck dieser Abwertung und Degradierung der Frau in ihrem Menschsein.

Degradierung von Frauen in biblischen Texten

Bestimmte biblische Texte (aus AT und NT) trugen wesentlich zur Negativ-Wertung der Frau bei. Diese Texte sind vom damaligen patriarchalischen Umfeld tief geprägt, was aber bei ihrer Interpretation und Weitergabe lange Zeit, z.T bis heute, völlig unbeachtet blieb. So wurden aus den biblischen Erzählungen über die Schöpfung des Menschen und über den Sündenfall der ersten Menschen (Gen 2-3) schon in Texten des NT schwer wiegende negative Folgerungen für die Wertung und Stellung der Frau in Gesellschaft und auch in der christlichen Gemeinde gezogen:

1 Tim 2, 8-15:
„Ich (der Apostel) will, … dass die Frauen (überall beim Gebet) sich anständig, bescheiden und zurückhaltend kleiden; nicht Haartracht, Gold, Perlen oder kostbare Kleider seien ihr Schmuck, sondern gute Werke; so gehört es sich für Frauen, die gottesfürchtig sein wollen.
Eine Frau soll sich still und in aller Unterordnung belehren lassen.
Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht; sie soll sich still verhalten.
Denn zuerst wurde Adam erschaffen, danach Eva. Und nicht Adam wurde verführt, sondern die Frau ließ sich verführen und übertrat das Gebot.
Sie wird aber dadurch gerettet werden, dass sie Kinder zur Welt bringt, wenn sie in Glaube, Liebe und Heiligkeit ein besonnenes Leben führt.“ (Einheitsübersetzung)

Die Frau wird hier als „sekundär“ in der „Schöpfungsordnung“ – aber als Urheberin der Sünde dargestellt. Der Verfasser des Timotheus-Briefes (aus der 1. Hälfte des 2. Jh. n.Chr.) stützt sich dabei auch auf außerbiblische, apokryphe Schriften, um die Frau als Schuldige darzustellen und ihre Stellung in der Kirche zu beeinträchtigen. Er benutzt die Autorität des Apostels Paulus, um seinen diskriminierenden Anweisungen Nachdruck zu verleihen.
Diese richten sich vor allem gegen die Frauen als Amtsträgerinnen im frühen Christentum: Ihr Einfluss und ihre Bedeutung sollten mit patriarchalen Methoden zurück gedrängt werden.
Der Text zieht eine zweitausendjährige negative Wirkungsgeschichte nach sich, die zumindest unterschwellig noch bis heute fortwirkt.
(vgl. dazu: Helen Schüngel-Straumann: Die Frau am Anfang. Eva und die Folgen, 2. Aufl., Münster 1997, 26f; auf diese Untersuchung stütze ich mich z.T auch im Folgenden.)

Ein weiterer für die Frau diskriminierender Text ist 1 Kor 11, 3-16 (ein echter Paulustext):

„Ihr sollt aber wissen, dass Christus das Haupt des Mannes ist, der Mann aber Haupt der Frau und Gott das Haupt Christi. Wenn ein Mann betet oder prophetisch redet und dabei sein Haupt bedeckt, entehrt er sein Haupt. Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder oder prophetisch redet und dabei ihr Haupt nicht verhüllt….
Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen, weil er Abbild und Abglanz Gottes ist; die Frau aber ist der Abglanz des Mannes. Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann. Der Mann wurde auch nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau für den Mann. ….

Doch im Herrn gibt es weder die Frau ohne den Mann noch den Mann ohne die Frau. Denn wie die Frau vom Mann stammt, so kommt der Mann durch die Frau zur Welt. Alles aber stammt von Gott…“

Eindeutig leitet Paulus hier aus der angeblichen „Zweiterschaffung der Frau“ (vgl. 1Tim 2) eine „Zweitrangigkeit“ ab sowie „eine Verwiesenheit der Frau auf den Mann“ (a.a.O. S.31).
Paulus steht hier in der frühjüdisch-rabbinischen Interpretation und Tradition, die wiederum vom hellenistischen Zeitgeist bestimmt ist. „In der absteigenden Hierarchie von 1 Kor 11 ist nur noch das oberste Glied, nämlich der Mann, Bild Gottes im Vollsinn.“ (ebd. S.34).
Die negative Wirkungsgeschichte „gerade dieser Stelle ist … enorm. Durch das ganze Mittelalter hindurch wurde die Gottebenbildlichkeit der Frau diskutiert, sie wurde ihr ganz oder teilweise abgesprochen“ (ebd.).
Trotz der Selbstkorrektur, die Paulus in V.11-12 anfügt, hat der obige Text in 1 Kor 11 das negative Bild der Frau im Christentum wesentlich geprägt. Darüber hinaus ist das in diesem Text betonte theologische Symbolsystem, das die Priorität des Mannes hervorhebt, auch auf die göttliche Dimension übertragen worden: Die männliche Symbolsprache für Gott dominiert bis heute, z.B. in der Liturgie (vgl. ebd. S.35).

In weiteren neutestamentlichen Stellen (Kol 3,18; Eph 5,22; 1 Tim 2, 11-15; Tit 2,5) wird die Unterordnung der Frau unter den Mann gefordert. Mit dem Geist Jesus Christi hat dieses Gebot allerdings nichts zu tun. Ein Gegengewicht zu den genannten, die Frau abwertenden Bibeltexten bildet die befreiende Botschaft des Galaterbriefs:

„Ihr seid alle durch den Glauben Söhne und Töchter Gottes in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid ‘einer’ in Christus Jesus“ (Gal 3,26f).

Allerdings findet gerade dieser positive Text in der kirchlichen Tradition kaum Beachtung – er wartet bis heute auf seine Verwirklichung – im Hinblick auf die Frauen!

Die Beachtung des geschichtlichen kulturellen Kontextes der oben genannten, die Frau abwertenden Bibelstellen ist deshalb ein dringendes Erfordernis! Nur so lassen sich falsche, dem Geist Jesu Christi widersprechende Folgerungen vermeiden.

Diskriminierung der Frauen bei den Kirchenvätern und Kirchenlehrern

In den Schriften der „Kirchenväter“ (Augustinus, Hieronymus, Tertullian u.a.) und der Kirchenlehrer (Thomas v. Aquin u.a.) lassen sich ebenfalls zahlreiche abwertende Aussagen über Frauen finden, wobei die oben genannten neutestamentlichen Aussagen die Grundlage bilden.
Exemplarisch für diese Denkweise steht der folgende Text des sog. Ambrosiaster (ca 3.-4. Jh.), der den Kirchenvätern Ambrosius bzw. Augustinus zugeschrieben wurde und in das Corpus Iuris Canonici (eine Grundlage auch des heutigen Kirchenrechts) aufgenommen wurde:

„Die Frau muss ihr Haupt verschleiern, weil sie nicht Gottes Ebenbild ist. Damit sie als (Gewalt)Unterworfene sichbar ist und weil die Sünde durch sie ihren Anfang genommen hat, muss sie dieses Zeichen tragen und soll in der Kirche aus Ehrerbietung vor dem Bischof das Haupt nicht frei, sondern verschleiert tragen; ebenso soll sie keine Redevollmacht haben, weil der Bischof die Person Christi verkörpert. Wie also vor Christus, dem Richter, so verhalte sie sich vor dem Bischof, weil er der Stellvertreter des Herrn ist; um der Ursünde willen muss sie sich unterwürfig zeigen.“ (Corpus Iuris Canonici, ed. Friedberg, I 1255f. Zur Analyse des Textes s. I. Raming: Der Ausschluss der Frau vom priesterlichen Amt – Gottgewollte Tradition oder Diskriminierung? Köln/Wien 1973, 61f).

Einen besonderen Höhe- oder besser: Tiefpunkt der Abwertung der Frau bildet die Lehre des
Thomas von Aquin (1225-1274) über die Frau.
Weil er als maßgebende theologische Autorität weit über seine Lebenszeit hinaus – bis heute anerkannt wird, sind die negativen Folgen seiner Auffasssung über das Wesen der Frau besonders gravierend und bis heute im Ergebnis nicht überwunden.
Thomas übernimmt die biologische Theorie über die Zeugung menschlicher Wesen von Aristoteles (griech. Philosoph und Naturkundler).
Dementsprechend ist auch nach Thomas innerhalb der species Mensch der Mann der vollkommene, vollwertige Vertreter der Art (perfectum); das Weib das unvollkommene, minderwertige (imperfectum) Menschenwesen. Er behauptet eine dreifache Minderwerigkeit der Frau: eine Minderwertigkeit im Werden (biogenetische Minderwertigkeit), im Sein (qualitative M.) und im Tätigsein (funktionelle M.).
Der Mann allein ist das wirkursächliche Prinzip der Zeugung; das Ziel ist immer die Zeugung eines Knaben, also ein dem „Erzeuger“ Mann ebenbürtiges Wesen. Durch hemmende Umstände, widerliche Zufälle (occasiones) entsteht ein Mädchen (= Ersatzbildung der Natur: mas occasionatus; die Frau = ein missratener, misslungener, somit vereitelter Mann); die qualitative Minderwertigkeit der Frau besteht nach Thomas darin, dass sie nicht dazu imstande ist, das Gebärmutterblut bis zum (männlichen) Sperma zu verarbeiten.
Ihre funktionelle Minderwertigkeit besteht weiter darin, dass der Mann nicht nur im Zeugungsprozess der Aktive ist, sondern auch im übrigen Leben; die Frau ist dagegen die Passive: sie vermag lediglich den „Stoff“ (das Gebärmutterblut) für das Wachstum des männlichen Sperma zur Verfügung zu stellen. Im Gefolge von Aristoteles räumt Thomas allerdings ein, dass die „Mißbildung Weib“ für die Fortpflanzung notwendig und somit nach dem Plan des Schöpfers letztlich gewollt ist.
Nach Thomas bedarf die Frau des Mannes sowohl zur Zeugung neuen menschlichen Lebens als auch zu ihrer Leitung und Führung (regimen); der Mann hingegen bedarf der Frau nur zur Zeugung; denn alle anderen Tätigkeiten werden nach seinen Worten besser von Männern verrichtet. (Die gleiche Ansicht vertritt auch der Kirchenlehrer Augustinus!).

So wird dem Mann eine vollkommene Gottähnlichkeit zugeschrieben, die der Frau nicht in dem Maße zukommt. Thomas formuliert: „Kommt die vernünftige Natur in Betracht, so hat sowohl der Mann wie das Weib das Bild Gottes … Mit Bezug auf etwas Zweitrangiges aber findet sich das Bild Gottes nur im Mann und nicht im Weibe; denn der Mann ist Ursprung und Ziel des Weibes, wie Gott Ursprung und Endziel der ganzen Schöpfung ist.“
Thomas kann sich bei diesen unerhörten Behauptungen auf 1 Kor 11,8f (s. oben ) sowie auf Eph 5,22f berufen: „Die Frauen seien ihren Männern untertan…“.

Freilich steht die Auffassung des Thomas v. Aquin über die Zeugung des Menschen in diametralem Gegensatz zu den heutigen Erkenntnissen der Naturwissenschaft!
Erst l827 wurde die weibliche Eizelle durch Dr. Karl E. v. Baer entdeckt, so dass dadurch der mindestens(!) gleichwertige Beitrag der Frau zur Zeugung neuen menschlichen Lebens erwiesen war.
Diese Entdeckung hat nach Albert Mitterer allerdings „nur geringe Aufmerksamkeit“ gefunden. Mit Recht betont er: Es „konnte gezeigt werden, welcher Umsturz in den biologischen Vorstellungen und Begriffen sich seit Thomas vollzogen hat. Ich weiß aber nicht, was mehr erstaunlich ist, dieser Umsturz oder die geringe Aufmerksamkeit, die diesem Umsturz im allgemeinen geschenkt wird. Während Thomas die zeitgenössische Biologie (s. Aristoteles) voll und ganz in Philosophie und Theologie einbaute, sind wir noch, wie mir scheint, recht weit davon entfernt.“ (A. Mitterer: Mann und Weib nach dem biologischen Weltbild des hl. Thomas, in: Zeitschrift kath. Theologie Jg. 57 (1933), 491-556, hier: 506. A. Mitterer wurde noch i. J. 1949 wegen seiner unbestechlichen Analyse der Anschauungen des Thomas v. A scharf kritisiert!)

Diese sehr zutreffende Feststellung von A. Mitterer zeigt sich besonders im Hinblick auf die röm.- kath. Amtskirche und ihre Lehren bezüglich der Stellung und Wertung der Frau: denn die Folgerungen aus den neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen hinsichtlich der Geschlechter (im Zeugungsprozess und darüber hinaus) wurden bis heute nicht gezogen. So diente das (von Thomas) entwickelte Gegensatzpaar: aktiv (= männlich); passiv (= weiblich) sowie der Gegensatz: Geist (männlich) – Materie/Stoff (weiblich) noch weit bis in das 20. Jahrhundert – auch nach meiner eigenen Erfahrung im Theologie-Studium der 50er und 60er Jahre – zur Begründung des Ausschlusses der Frau vom Priesteramt.

Wie nicht anders zu erwarten, spricht sich Thomas von Aquin dezidiert auch gegen ein Priesteramt für Frauen aus: Er argumentiert:
„Das männliche Geschlecht … ist für den zu Weihenden durchaus notwendig, so dass, wenn eine Frau auch alles erhielte, was in der Priesterweihe getan wird, sie doch nicht geweiht wäre. Denn wie in der letzten Ölung (Krankensalbung) erfordert wird, dass der Art und Weise des Bezeichnens genügt werde, dass also der Betreffende krank sei, wird hier ebenfalls erfordert, dass der Art und Weise des Bezeichnens genügt werde, also dass die Person, welche geweiht wird, fähig sei, vorzustehen oder eine leitende Gewalt zu haben. Die Frau aber hat kraft ihres Geschlechtes den Stand der Unterwürfigkeit, und so ist sie nicht fähig, geweiht zu werden“ (zititert nach G. Heinzelmann, Wir schweigen nicht länger! Frauen äußern sich zum II. Vatikanischen Konzil, Zürich 1964, S. 40f).
Thomas fährt fort: „Öffentlich vor der ganzen Gemeinde zu sprechen, gebührt der Frau nicht: 1. weil sie aufgrund ihres Geschlechtes bereits dem Manne untertan sein soll, wogegen das Lehren Sache der Vorgesetzten ist; 2. weil die Gefahr droht, dass eine Frau die Hörer zur Begierlichkeit fortreisst (Thomas führt eine Bibelstelle aus dem AT als Beleg dafür an); 3. weil gemeinhin die Frauen in der Weisheit nicht vollendet sind, so dass ihnen die öffentliche Lehre nicht übertragen werden kann.“ (ebd.)
Diese Auffassung wurde von Thomas zu seiner Zeit (13. Jh.!) geäußert, als Frauen noch von Schulbildung und Studium ausgeschlossen waren!

Und heute?
Lob und Schmeichelreden von Päpsten für die Frauen – aber weiterhin keine gleichen Rechte!

Für uns heutige Menschen ist es daher un-fassbar, dass die verantwortlichen Amtsträger im Vatikan, die die Lehre der röm.- katholischen Kirche auslegen und verkünden (sollen), über die Auffassung des Thomas von Aquin hinsichtlich des Ausschlusses der Frau vom Priesteramt im Ergebnis bis heute nicht hinausgekommen sind!
Die Päpste (Johannes Paul II., Benedikt XVI. und auch Papst Franziskus) haben wiederholt die „gleiche Würde“ der Frau, ihren hohen Wert mit blumigen, überschwänglichen Worten betont; aber daraus folgern sie keineswegs auch die „gleichen Rechte“, d.h. ihren Zugang zu allen kirchlichen Ämtern und Diensten!
In seinem Brief an die Frauen (29. Juni 1995) verspricht Papst Johannes Paul II. gegenüber den Vereinten Nationen: „Auch die Kirche will ihren Beitrag zur Verteidigung der Würde, der Rolle und der Rechte der Frauen anbieten“ (….). „Die Kirche möchte der Heiligsten Dreifaltigkeit Dank sagen für das ‘Geheimnis der Frau’ … für das, was das ewige Maß ihrer weiblichen Würde ausmacht.“ Mehrfach preist der Papst den „Genius der Frau“. Er räumt zwar ein: „Wir sind leider Erben einer Geschichte enormer Konditionierungen, die zu allen Zeiten … den Weg der Frau erschwert haben, die in ihrer Würde verkannt … oft ausgegrenzt und sogar versklavt wurde.“ Der Papst bedauert „aufrichtig“, „wenn es dabei … auch bei zahlreichen Söhnen der Kirche zu Fällen objektiver Schuld gekommen ist.“
Dennoch hält er am Ausschluss der Frau vom Priesteramt unverrückbar fest, – mit folgender fadenscheiniger, unhaltbarer Begründung: Es „ist möglich, ohne nachteilige Folgen für die Frau auch einen gewissen Rollenunterschied anzunehmen, insofern dieser Unterschied … sich aus der besonderen Eigenart des Mann- und Frauseins ergibt… Wenn Christus … nur den Männern die Aufgabe übertragen hat, durch die Ausübung des Amtspriestertums ‘Ikone’ seines Wesens als ‘Hirt’ und als ‘Bräutigam’ der Kirche zu sein, so tut das der Rolle der Frauen keinen Abbruch…“
Papst Franziskus übernimmt weitgehend die Argumentation seiner Vorgänger, besonders von Johannes Paul II. Auch er preist den „weiblichen Genius“. Er spricht von einem ‘neuen Paradigma’: „Gegenseitigkeit in der Gleichwertigkeit und in der Unterschiedlichkeit“; aber das „den Männern vorbehaltene Priestertum“ steht auch bei diesem Papst „nicht zur Diskussion“. Sein Trost für die Frauen: Die Gottesmutter Maria, eine Frau, ist „bedeutender als die Bischöfe…“

So ist das Ergebnis auch heute noch:
Unter dem Deckmantel der sog. „Andersartigkeit“ der Frau, ihres weiblichen und angeblich so „andersartigen“ Wesens wird der untergeordnete, benachteiligte, minderberechtigte Status der Frauen in der Kirche bis heute aufrecht erhalten, so wie Thomas v. Aquin und andere Kirchenlehrer ihn aus ihrer Vorstellung vom genetischen und moralischen Minderwert der Frau ableiteten. Entlarvend ist dabei, dass von kirchenamtlicher Seite regelmäßig betont wird, dass dieser Ausschluss der Frau keine Diskriminierung oder Benachteiligung der Frau darstelle!
Das sagen die Herrschenden zur Beschwichtigung der Unterdrückten – zur Verschleierung des von ihnen verursachten Un-Rechts! Wahr dagegen ist aber: Nur die von diesem Un-Recht und Ausschluss Betroffenen – die Frauen – können ausdrücken, was sie als Diskriminierung empfinden, nicht aber die Herrschenden (Männer)!

Somit haben sich die Begründungen für den fortwährenden Ausschluss der Frauen vom Priesteramt zwar geändert, aber das Ergebnis bleibt gleich: Ausschluss von Diakonat und Priesteramt um des Geschlechtes willen! Das ist ein großer Skandal, ein schweres Un-Recht den Frauen gegenüber!

Der berechtigte Vorwurf gegenüber den verantwortlichen kirchlichen Amtsträgern lautet: Bis heute wurde die lange Geschichte der schweren Diskriminierung der Frauen von ihnen nicht ehrlich aufgearbeitet und damit nicht überwunden. Das ist eine Schande!
Gottes Gebot der Gerechtigkeit ruft nach Überwindung dieses schweren geisttötenden Unrechts, das den Frauen in der Kirche bis heute angetan wird, – das die von Gottes heiliger Geistkraft den Frauen geschenkten Gnadengaben (vgl. 1 Kor 12, 10f) nicht zur Entfaltung kommen lässt, zum Schaden für die Gemeinden und die Kirche im ganzen!

Gottes Geist der Wahrheit und der Freiheit ruft die Verantwortlichen auf zu entschiedener Um-Kehr, zur Abkehr vom unheilvollen, gegen den Geist Jesu gerichteten Patriarchat.
Zugleich ruft Gottes Geistkraft aber auch die von dem anhaltenden Ausschluss betroffenen Frauen zum Widerstand auf, gegen ihre fortdauernde, mit verschleiernden Worten verbrämte Unterdrückung!
Sie sind damit aufgerufen zum Einsatz für die Anerkennung der Menschenrechte für die Frauen – auch in der Kirche!

Ida Raming, Dr. theol.