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Ludmila Javorová

Ludmila Javorová

Javorová: „Wir müssen mit Geduld für die Frauenweihe kämpfen"

KIRCHE INTERN-Interview mit der vom römisch-katholischen Bekenner-Bischof Felix Davidek während der kommunistischen Diktatur zur ersten römisch-katholischen Priesterin geweihten und von Davidek zu seiner Generalvikarin ernannten Tschechin Ludmila Javorová. Das Gespräch in Brunn führte RUDOLF SCHERMANN.

"The path will be difficult!"

KI: Frau Javorová, die KIRCHE INTERN-Exklusiv-Meldung, in der Sie sich im November 1995 zum erstenmal zu Ihrer Priesterweihe bekannt haben - man hat es bis dahin nur geahnt -ging um die Welt. Haben Sie durch diesen Bericht Probleme bekommen?

Javorová: Und ob. Es gab freilich nicht nur Negatives. Ich wurde aus aller Welt mit unzähligen Briefen und Einladungen überflutet, so daß ich es einfach nicht mehr bewältigen konnte. Ich mußte es schließlich aufgeben, auf all das einzugehen.

KI: Ich soll Ihnen die Einladung von Frauen in Österreich und Deutsch/and überbringen, doch einmal zu Ihnen zu kommen und aufgrund Ihrer Erfahrungen über die Zukunftsper-spektiven des Frauendiakonats. bzw. Frauenpriestertums zu sprechen.

Javorová: Ich nehme diese Einladung gerne an, sehe allerdings große Schwierigkeiten am Weg zum Frauenpriester-tum, da einfach der gesellschaftliche Hintergrund fehlt. Das ist die größte Schwierigkeit. Ich möchte nicht sagen, daß wir nicht für dieses Ziel kämpfen wollen, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, daß man mit der Zeit ausbrennt. Wie im Leben überhaupt, erzeugt Druck Gegendruck. Will man die Sache mit Gewalt erzwingen, wächst der Widerstand. Während meiner Amerika-Reise sah ich, daß die Frau dort eine andere gesellschaftliche Stellung hat. Dort kommt man in solchen Fragen schneller vorwärts. Bei uns in Europa sieht das anders aus. Vielleicht müßten sich auch die Männer noch stärker für diese Fragen einsetzen.

KI: Bischof Davidek hat mit der Weihe von Frauen zu Prie-sterinnen einen prophetischen Akt gesetzt, der dadurch noch eine enorme Authentizität und eine herausragende Zeichen-haftigkeit erfuhr, daß diese Weihe unter der Knute der gottlosen Unterdrückung geschah, wofür aber Rom - so müssen wir leider feststellen - blind ist. Sie können uns daher, als geweihte Priesterin und ehemalige Generalvikarin Bischof Davideks, mit Ihren Erfahrungen sehr viel helfen.

Javorová: Ich weiß von den Bestrebungen der diversen Gruppen. Ich glaube nur nicht, daß man mit Gewalt etwas durchsetzen kann oder gar außerhalb der Kirche. Das, finde ich, wäre der falsche Weg. Die Grundfrage ist: Wie akzeptiert die Kirche - sowohl die Führung als auch das Volk - das pastorale Engagement der Frauen? Werden die Frauen diesbezüglich bei Euch respektiert?

KI: Von einigen Ausnahmen abgesehen, gibt es eine weitge-hende Akzeptanz. Das Frauen-diakonat ist durchaus am Horizont, die Frauenordination dauernd im Gespräch. Wir müssen einfach den Weg weitergehen.

Javorová: Natürlich können wir nicht nur warten. Das Problem sehe ich bei der Akzeptanz. Theoretisch geht vieles, die Praxis sieht anders aus. Als wir geweiht wurden, hat man das einfach akzeptiert. Dreißig Jahre lang hatte niemand etwas dagegen. Als wir dann endlich die Freiheit hatten, haben viele ihre Meinung geändert.

KI: Dieses Problem der Akzeptanz, das eher ein psychologisches Problem ist, gibt es auch in der profanen Gesellschaft. Auch dort ist die Frau noch lange nicht als mit dem Mann gleichwertiger Mensch überall akzeptiert. So hatte auch die anglikanische Kirche große Schwierigkeiten mit der Frauenweihe. Viele anglikanische Priester suchten um Asyl bei der römisch-katholischen Kirche an, als letztem Hort der Furcht vor der Frau. Inzwischen haben viele ihre Meinung revidiert und eingesehen, daß die Weihe nicht vom Geschlecht eines Menschen abhängig gemacht werden kann.

Javorová: Was die Akzeptanz an der Basis, vom Volk Gottes betrifft, habe ich keine Bedenken. Die Schwierigkeiten liegen eher bei der Hierarchie.

KI: Wie lange hatte sich doch gegen die Frauen als Altardienerinnen gewehrt, obwohl sie vom Volk schon längst akzeptiert waren! Aber durch beharrliche Diskussionen ist es wenigstens soweit gekommen, daß nunmehr selbst bei Papstmessen Mädchen geduldet werden. Immerhin gelangten die Frauen so selbst in der römisch-katholischen Kirche wenigstens bis zu den Altarstufen. So müssen wir auch für die Frauenweihe konsequent weiterkämpfen.

Javorová: Das ist richtig und gut so. Bei uns muß erst das Bewußtsein erweckt werden, daß wir alle die Kirche sind, daß sich ein jeder einbringen muß. Wir sind hier, bei uns, noch weit vom Ziel.

KI: Was hat Bischof Davidek dazu motiviert, Frauen zu Priesterinnen zu weihen?

Javorová: Es war die Notwendigkeit. Bischof Davidek sah die Not und sah keine Schwierigkeiten, warum Frauen nicht geweiht werden könnten. Er sah darin ein Zeichen der Zeit. Die Kommunikation mit Rom war nicht möglich. Er handelte nach seinem Gewissen.

KI: Woher kommt es, daß in der Freiheit plötzlich selbst von ehemaligen Untergrundbischöfen Kritik an dieser Vorgangsweise Davideks laut wurde?

Javorová: Als Bischof Davidek 1970 eine Pastoralsynode einberufen hat und dort die Frauenweihe zur Diskussion stellte, haben sich manche von ihm getrennt. Interessanterweise hatte es vorher, im vorbereitendem Gremium, keine Gegenstimmen gegeben. Als es zur Abstimmung kam, wandten sich einige ab und arbeiteten mit Bischof Davidek nicht mehr zusammen. Ich versuchte zu vermitteln. Davidek gab Hirtenbriefe heraus und suspendierte zunächst diese von ihm geweihten Bischöfe, die ja nur Weihbischöfe waren, nahm allerdings die Suspension nach drei Monaten wieder zurück. Die Gruppe, hinter der Peter Dubo-vsky stand, wollte aber mit Davidek nicht mehr zusammenarbeiten. Sie haben Davidek bis zu seinem Tod auch nicht mehr besucht.

KI: Es ist jüngst ein Buch von Ondrej Liska über die tschechoslowakische Untergrundkirche erschienen. Wie beurteilen Sie es?

Javorová: Liska ist ein junger Politologie-Student. Er war kurz bei mir, hatte aber kein Interesse an Detailfragen. Ihm wurden alle Archive geöffnet, so daß er Einblick nehmen konnte in Dokumente, die selbst die Betroffenen noch nicht sehen konnten. Einige Vorgänge sind richtig dargestellt. Aber er zieht voreilige Schlußfolgerungen mit einer quasi hundertprozentigen Sicherheit. Viele Details fehlen oder sind unrichtig dargestellt. Das Buch - das übrigens allen Priestern zugeschickt wurde - ist insgesamt irreführend.

KI: Sie waren doch Generalvi-karin Bischof Davideks.

Javorová: Ja. Es war eine sehr interessante Tätigkeit. Natürlich kann man das nicht mit heutigen Verhältnissen vergleichen.

KI: Wie ist Ihr Verhältnis zum Bischof von Brunn?

Javorová: Positiv. Das ist freilich auch schon alles, was man zu diesem Punkt sagen kann.

KI: Frau Javorová, wir danken für das Gespräch.

Übersetzung: Dipl.-Dolm. Hanna Paul

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