Nederlands/Vlaams Deutsch Francais English language Spanish language Portuguese language Italiano
Catalan Czech Esperanto Greek Igbo Japanese Korean Latin Malay language Norwegian Polish Swahili Tagalog
Openingspagina!

Andrea Mayerhofer

Andrea Mayerhofer

Are we not equal in Christ?

Ich wurde 1962 in Wien geboren. Meine ganze Familie, väterlicher- wie mütterlicherseits, waren gläubige Menschen. Der Gottesdienstbesuch am Sonntag sowie ein Engagement in der Pfarre waren selbstverständlich. So wuchs auch ich von klein auf in unsere Pfarrgemeinde hinein mit der üblichen “Karriere”: Erstkommunionunterricht, Jungschar, später Führerin etc.

Leider war mir eines immer verwehrt: ich wäre so gerne Ministrantin geworden. Ich glaube nicht, daß ich diesen Wunsch jemals laut geäußert habe, denn es war sinnlos. Was hätte es genützt? Die Antwort kannte ich ja: Das geht nicht, das dürfen nur Buben usw. Von Mädchen am Altar war man damals noch weit entfernt. Es war mir dabei nicht wichtig, aus den anderen Kindern herausgehoben zu sein. Es war vielmehr eine schwer in Worte zu fassende Sehnsucht, hinter die Dinge zu blicken und dem Heiligen nahe zu sein. Ich beneidete die Buben in meinem Bekanntenkreis, die ministrieren durften - und verstand nicht, daß manche das gar nicht tun wollten!

Zwei Erlebnisse sind mir aus meiner Kindheit bzw. Jugend noch gut in Erinnerung. Das erste haste ich, als ich zehn oder elf Jahre alt war. Da durfte ich bei den Sternsingern mitgehen, und da nicht genug Untergewänder für die Könige da waren, steckte man mich in ein Ministrantengewand. Ich war überglücklich! Am liebsten hätte ich dieses Gewand nicht mehr ausgezogen. Noch lange Zeit träumte ich davon. In der Oberstufe dann ließ mich unser Kaplan bei einer Schulmesse unserer damals reinen Mädchenschule “richtig” ministrieren, wenn auch “nur” in zivil. Trotzdem war ich auch nach diesem Gottesdienst sehr froh.

Nach der Matura stellte sich die Frage nach einem Studienfach, und mangels einer für mich vernünftigen Alternative inskribierte ich Theologie an der Uni. Die Fachtheologie hätte mich am meisten interessiert, aber Pastoralassistentin wollte ich nicht und Priester konnte ich nicht werden. Außerdem hatte ich damals ein ziemlich konservatives Kirchen- und auch Priesterbild. Religionslehrerin zu sein schien mir vernünftig. Denn ich sah es als mein Lebensziel an, möglichst bald einen Ehemann und Kinder zu haben. Das war wohl auch eine Folge meiner katholischen Erziehung und Umwelt, in der es andere Lebensformen nicht gab - und als Lehrerin kann man schließlich Beruf und Familie optimal vereinbaren. Später wechselte ich von der Uni auf die Religionspädagogische Akademie, wo ich die Lehramtsprüfung für Volksschulen machte und die nächsten Jahre an verschiedenen Schulen unterrichtete.

Während meiner Lehrtätigkeit war ich eigentlich nie mit ganzem Herzen in der Schule, meine Liebe galt vielmehr der Pfarrgemeinde. Ich hatte - und habe - das Glück, in einer lebendigen und aufgeschlossenen Gemeinde zu Hause zu sein, der seit über 30 Jahren ein sehr guter, allseits anerkannter und beliebter Pfarrer vorsteht. Die Gemeinde ist offen für jedermann und jedefrau, für verheiratete Priester ebenso wie für Geschiedene-Wiederverheiratete, für Evangelische wie für Flüchtlinge oder “Sandler”. Diese Gemeinde ist meine “zweite Familie”, hier wurde ich auch spirituell geprägt, und hier habe ich sehr viel gelernt. Hier habe ich auch meinen Mann kennengelernt, und obwohl wir einige Kilometer außerhalb des Pfarrgebiets wohnen, sind wir nach wie vor dort beheimatet und tätig. Bis zu meinem ersten Kind, das 1990 kam, arbeitete ich in vielen verschiedenen Bereichen der Pfarrgemeinde mit und suchte insgeheim nach einer beruflichen Tätigkeit in einer Pfarre. Meine Berufung als Priesterin wurde mir erst später bewußt. Einmal hatten wir eine Pfarrgemeinderatsklausur mit dem Thema “Mein Glaubensweg”. Als ich in einer Kleingruppe erzählte, wer alles meinen Glauben geprägt hatte, meinte einer: “Das sind ja lauter Priester.” Das stimmte, es war mir noch nie vorher aufgefallen. Einige Zeit später besuchte ich ein einwöchiges Seminar über Organisationsentwicklung und Gemeindeberatung, und mir fiel auf, daß ich fast jeden Abend in gemütlicher Runde mit zumindest einem der wenigen anwesenden Priester zusammen saß.

Als ich einigen Studienkolleginnen davon erzählte, daß ich einen Kurs für Begräbnisleitung besuchte, meinten sie: “Du solltest lieber Pfarrer werden als Religionslehrerin”. Kurz darauf meinte mein Nachbar, ein ehrenamtlicher Diakon, beiläufig in einem Gespräch: “Schade, daß du nicht Pfarrer werden kannst!” Da machte es in meinem Hirn “klick”. Ja, das war es, was ich eigentlich schon lange wollte: Priesterin sein.

Zuerst machte ich mich selber langsam mit diesem verbotenen Gedanken vertraut, und erst später vertraute ich das auch anderen Menschen an, von denen ich wußte, daß sie mich verstehen würden. Inzwischen erzähle ich es bei sich bietender Gelegenheit, aber die meisten Menschen - so ist meine Erfahrung - haben sich über Frauenpriestertum noch keine Gedanken gemacht und stehen ihm deshalb aus guter katholischer Tradition eher ablehnend gegenüber. Viele meinen, man will sich nur wichtig machen, was bewirkt, daß ich ein “Geständnis” meist mit einem etwas trotzigen Unterton ablege. Einige Male ist es mir schon passiert, daß in einer Runde jemand sagt: “Frauen wollen ja gar nicht Priester werden” und ich darauf sage: “Doch, ICH will!” Die Antwort ist meistens: “Na ja, Sie, sie sind ja eh schon Theologin, aber die anderen (“normalen”) Frauen wollen das nicht," - was einer gewissen Unlogik und Komik nicht entbehrt.

Manche Menschen halten mich wegen meines Wunsches, Priesterin zu werden, für etwas verrückt, für realitätsfremd (was ich wirklich nicht bin), für opportunistisch, für ketzerisch oder einfach für eine Person, die sich gerne interessant machen möchte. Ich bin inzwischen so weit, daß ich mir zugestehe, diesen Wunsch zu haben.Ob eine Berufung echt ist, kann ohnehin nur die Kirche entscheiden; aber mich ärgert, daß die “Amtskirche” nicht bereit ist, die Berufung von uns Frauen zu prüfen, wie sie es bei Männern tut. Ich bin ziemlich sicher, daß ich Priesterinnen in der katholischen Kirche nicht mehr erleben werde, aber wenn ich mich irre, will ich vorbereitet sein. Ich habe z.B. im Bereich der Liturgie alle Kurse absolviert, die Frauen zugänglich sind. Im Bereich der Liturgie, in dem ich mich sehr engagiere, habe ich die Erfahrung gemacht, daß Frauen sehr gut aufgenommen werden, wenn sie Gelegenheit haben, eigenständig zu gestalten. Ich leite zweimal im Jahr einen Schülerinnengottesdienst, der immer sehr gut besucht ist, was bei Jugendlichen nicht selbstverständlich ist. Auch als Aushilfe in einem Seniorenheim habe ich gute Erfahrungen gemacht: Als ich das Kultkleid anzog, haben einige Damen etwas ängstlich gefragt: “Ist das heute evangelisch?” Aber als ich antwortete: “Nein, das ist katholisch, und ich habe vom Erzbischof die Beauftragung, Wortgottesdienste zu leiten”, waren alle zufrieden und meinten nachher: “Schön haben Sie’s gemacht!” Das erachte ich für sehr wichtig: Daß Frauen selbstbewusst, ohne falsche Bescheidenheit auftreten und auch nach außen hin demonstrieren: Das, was ich mache, hat denselben Stellenwert, als würde es ein Mann / Priester machen. Auch bei meinem bisher einzigen Begräbnis waren die Angehörigen sehr zufrieden.

In meiner Pfarre darf ich öfters predigen, und da habe ich bisher auch nur positive Reaktionen gehabt; die einzigen negativen Reaktionen bezogen sich lediglich auf den Umstand, daß eine Frau predigt, aber nie auf den Inhalt. Diese Erfahrungen zeigen mir, daß die meisten Menschen gegen Frauen im priesterlichen Dienst keine Einwände haben (sofern sie nicht vorher gefragt werden, ob Frauen zugelassen werden sollen), wenn diese Frauen ihre Arbeit bzw. ihren Dienst ordentlich verrichten. Und dasselbe gilt schließlich auch für Männer: Priester, die sich keine Mühe geben, werden auch kein besonders hohes Ansehen erlangen.

Bei meinen Predigten habe ich gesehen, daß viele Menschen, besonders Frauen, dankbar sind für einen “weiblichen” Zugang zum Evangelium. Das ist auch etwas, das ich mir von Priesterinnen erwarte bzw. erhoffe:

Im Frühjahr 1996 erhielt ich einen Anruf, in dem ich gebeten wurde, als Seelsorgerin der Katholischen Frauenbewegung im Dekanat meines Wohnortes zur Verfügung zu stehen. Da sich kein Priester des Dekanats bereit erklärt hatte, diesen Dienst zu übernehmen, hatten die Frauen die Gelegenheit ergriffen und sich eine Frau für diese Funktion gewünscht. Wie ich zu dieser Ehre kam, weiß ich bis heute nicht genau, aber daß hier Gottes Geist gewirkt hat, dessen bin ich mir sicher. Ich habe diese Aufgabe gerne angenommen, doch leider ist es bis dato (Früh jahr 1998) noch zu keiner offiziellen Bestellung gekommen, weil sich der Dechant aus nicht näher erklärten Gründen querlegt. Aber ich bin zuversichtlich und habe mit meiner Arbeit für die Frauen schon begonnen. Ich denkedieser Fall ist beispielhaft für die Stellung der Frauen in unserer Kirche.

Wir werden in unseren Fähigkeiten, mit unserer Spiritualität von vielen Menschen in der Kirche geachtet und mit unterschiedlichen Aufgaben betraut, von den Gemeinden in unserer Berufung bestätigt, aber die Kirchenleitung ist nicht bereit, uns als gleichwertige Menschen zu akzeptieren. Doch wir sind nicht aufzuhalten, und eines Tages werden uns auch Papst und Bischöfe als gleichwertige und gleichberechtigte Schwestern sehen und achten.

Übersicht

Zeichen einer Berufung

Der Weg zum Ziel

Schritte nach der Berufung

Umgang mit Kritikern

Deine persönliche Berufungsgeschichte


Klicken Sie hier, wenn Sie meine Kampagne für Priesterinnen unterstützen wollen.

Deutscher Sprachbereich

Dieses Dokument kann frei verwendet werden. Wir ersuchen jedoch um die Quellenangabe www.womenpriests.org.

Links zu Websites in Ihrem eigenen Land! Mache diese Website einen Favorit Empfehle diese Website zu einem(r) Bekannten Schreibe uns! Mache einen Link zu unserer Site von Ihrem Homepage Women's Ongoing Internet Consultation 'Freunde' unterstützen uns Wir brauchen Hilfe!