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UlrikeMurr

UlrikeMurr

1968 geboren

ledig

Studium der Biologie, Chemie und Katholischen Theologie in München Lehrerin an einem Gymnasium

Jahrelanges ehrenamtliches Engagement in derkirchlichen Jugendarbeit (unteranderem als Gruppenleiterin, Pfarrjugendleiterin, Firmhelferin).

Ein zurückgewiesenes Geschenk an die Kirche

Mein Name ist Ulrike Murr, ich bin 29 Jahre alt und Lehrerin für Biologie, Chemie und katholische Religionslehre. Ich wäre gern Priesterin. Warum? Nicht deshalb, weil mir mein derzeitiger Beruf keinen Spaß machen würde; nicht deshalb, weil ich die letzten Bastionen stürmen wollte, die noch ausschließlich Männern vorbehalten sind; auch nicht deshalb, weil ich eine besondere soziale Stellung oder Machtposition anstrebte. Der Grund ist ein anderer: Ich fühle mich zum Priestertum berufen.

Es ist mir bewußt, daß der Begriff der Berufung nicht unproblematisch ist. Er darf nicht leichtfertig herangezogen werden, um eigenen Ideen und Vorstellungen gewissermaßen eine “höhere Weihe” zu verleihen. In dem Heft “Wege zum Priesterberuf”, das von der Diözesanstelle Berufe der Kirche in München herausgegeben wurde, lese ich (S. 7): “Berufung ist nicht einfach wie ein Blitzschlag. Da rührt sich plötzlich etwas in mir: Der Wunsch nach einem geistlichen Beruf taucht auf; ich könnte mir vorstellen, einen solchen Beruf zu ergreifen. Situationen oder Menschen, die mir begegnen, lösen diese Vorstellung aus oder verstärken sie. Weil er manchesmal so leise, so indirekt kommt, ist es oft ein Problem, den Ruf Gottes zu hören.”

Wenn ich im folgenden über meinen Lebensweg und meine Berufung berichte, möchte ich genau diese Begriffs bestimmung zugrunde legen - in ähnlicher Weise nämlich hat sich meine Uberzeugung herausgebildet, zum Priestertum berufen zu sein.

Mein Elternhaus war nicht besonders konfessionell-katholisch geprägt. Meine Eltern, beide Naturwissenschaftler, übten mit mir und meinen beiden jüngeren Brüdern zwar gewisse religiöse Traditionen ein (Abendgebet, Adventssingen, Feier der Hochfeste etc.), standen der Kirche aber eher distanziert gegenüber. Erst als ich etwa 9 Jahre alt war, legten meine Eltern darauf Wert, daß ich sonntags in die Kirche ging - bisweilen unter großem Protest meinerseits. Langsam wurde mir die Pfarrgemeinde vertrauter, besonders ab dem Zeitpunkt, als meine Brüder Ministranten wurden und ich durch ihre Erzählungen Blicke “hinter die Kulissen” werfen durfte. Mädchen waren damals noch vom Ministrantendienst ausgeschlossen. Als die Diskussion darüber begann, ob Ministrantinnen eingeführt werden sollten, nahmen mir meine Brüder das Versprechen ab, daß ich nicht in diesen bisher ihnen vorbehaltenen Bereich vordringen würde - so bin ich nie Ministrantin geworden.

Durch den Gottesdienstbesuch lernte ich andere Kinder kennen (wir saßen meistens alle nebeneinander in den ersten Bankreihen und freuten uns, daß wir uns trafen), und irgendwann ging ich dann freiwillig und gerne in die Kirche. Auch in das sonstige Gemeindeleben wurde ich nach und nach mit einbezogen; ich muß ungefähr 12 Jahre alt gewesen sein, als ich das erste Mal bei einer Kinderbibelwoche mithalf. Meine Heimatgemeinde habe ich sehr positiv erlebt, und das war vielleicht der wichtigste Faktor für meinen religiösen Werdegang - und wahrscheinlich mit ausschlaggebend dafür, daß mir das Engagement in der Gemeinde sehr wichtig wurde und dies auch nach wie vor ist.

Andere Faktoren kamen dazu: Religionslehre war stets eines meiner Lieblingsfächer; gerne las ich auch in der Kinderbibel, die mir meine Eltern zur Erstkommunion geschenkt hatten. Als ich begann, die Einheitsübersetzung von vorn nach hinten durchzulesen, war ich gerade 12 Jahre alt Sehr wichtig war für mich das Abendgebet, und früh löste ich mich von den auswendig aufgesagten Kindergebeten: Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich im Alter von 7 Jahren, nachdem mein heißgeliebter Opa gestorben war, nach dem “offiziellen” Abendgebet im Beisein meiner Mutter heimlich aus dem Bett stieg, mich hinkniete und Gott mit der ganzen Kraft meines Herzens bat, meinen Opa wieder lebendig werden zu lassen.

Von existentieller Bedeutung war das Gebet für mich in der Zeit der Pubertät; in der Schule war ich damals vor allem deshalb Außenseiterin, weil ich die gängigen Moden (Kleidung, Schminken, Tanzparties usw.) nicht mitmachte - ich konnte ihnen einfach nichts abgewinnen. Da ich naturgemäß in dieser Zeit auch mit meinen Eltern Schwierigkeiten hatte, blieb mir oft nur das Gebet, um das, was mich (teilweise sehr heftig) bewegte, loszuwerden. Erst später lernte ich, vielleicht in Zusammenhang mit der eucharistischen Anbetung am Gründonnerstag (die mir sehr wertvoll wurde), daß Gebet auch heißen kann, sich einfach der Gegenwart Gottes auszusetzen, sich von ihm anschauen zu lassen.

Mit meiner Firmung im Alter von 13 Jahren war für mich der Einstieg in die Jugendarbeit meiner Heimatpfarrei verbunden, zunächst als Mitglied einer Jugendgruppe und gelegentliche Helferin, z.B. bei Kinderbibelwochen. Mit 17 wurde ich selbst Gruppenleiterin, später auch Pfarrjugendleiterin und Firmhelferin. In unseren damaligen Jugendseelsorgern (Pastoralreferenten / Kaplänen) begegnete ich Menschen, die durch ihre Persönlichkeit starken Eindruck auf mich machten und die mich auf der Suche nach mir selbst ganz wesentlich unterstützten. Immer wieder durfte ich feststellen, daß ich mit meinen eigenen Gedankengängen und Uberlegungen (nicht nur) religiöser Art, aber auch mit meinen Glaubenserfahrungen nicht allein dastand, sondern daß sich diese auch bei anderen Menschen in ähnlicher Weise finden ließen. So erfuhr ich ganz praktisch, daß Kirche Gemeinschaft der Glaubenden ist - eine Gemeinschaft, die Halt gibt und der ich sehr viel verdanke.

Zu Ausdrucksformen religiösen Lebens wie Exerzitien im Alltag, Jugendwallfahrten, Stundengebet usw. fühlte ich mich stark hingezogen; sehr wichtig war für mich auch mein erster Aufenthalt in Taizé. Die Erfahrung einer so großen Gemeinschaft junger Glaubender gab mir ungemein Auftrieb und Rückendeckung - hatte sich doch in der Schule durch mein kirchliches Engagement und mein Bekenntnis zum christlichen Glauben meine Außenseiterposition eher noch verstärkt.

Während meiner letzten Schuljahre setzte ich mich sehr intensiv mit meinem Glauben auseinander: in Gesprächen, im Nachdenken, aber auch in Gebet, Schriftlesung, Meditation und Gottesdienst. Je mehr ich mich damit auseinandersetzte, desto größer wurde der Wunsch, die entdeckten Zusammenhänge, die mich in ihren Bann zogen, auch existentiell zu bezeugen. Die Wahl meiner Studienfächer Biologie / Chemie einerseits und Theologie andererseits war ein Schritt in diese Richtung. (In der Tat fragen mich Schüler immer wieder, wie ich das naturwissenschaftliche Denken mit dem Glauben vereinbaren könne.) Dennoch bin ich der Auffassung, daß das (Amts-) Priestertum für mich die tiefste Form dieses Zeugnisses wäre.

Wann ich zum ersten Mal den Wunsch in mir verspürte, Priesterin zu werden, kann ich nicht mehr genau rekonstruieren. Heute jedenfalls bin ich der Meinung, dazu berufen zu sein, und das hat mehrere Gründe. Zum einen verstehe ich mein inneres Hingezogen-Sein zum Priesterberuf als Teil meiner Berufung. Als Priesterin glaube ich zutiefst das verwirklichen zu können, was in mir angelegt ist, der Mensch sein zu können, der ich eigentlich bin und zwar in einer Weise, die über das allgemeine Priestertum aller Getauften hinausgeht. Zum anderen haben mir andere Menschen die Gewißheit geschenkt, daß ich nicht irgendwelchen Hirngespinsten erliege, wenn ich im Priestertum meinen Weg sehe; sie haben mit dazu beigetragen, daß ich diese Vorstellung als meine Berufung erkennen konnte. Solche “objektiven” Momente sind, denke ich, sehr wichtig, um auszuschließen, daß eine vermeintliche Berufung lediglich dem eigenen Wunschdenken entspringt. Zusammengenommen stimmen diese beiden Aspekte mit dem eingangs erwähnten Berufungsbegriff genau über ein.

Zunächst einige Anmerkungen zu dem ersten der beiden genannten Gesichtspunkte: Zum Priesterberuf fühle ich mich mit allen Fasern meines Daseins hingezogen. Was mich vielleicht am meisten anzieht, ist die Tatsache, daß hier wie in keinem anderen Beruf die gesamte Existenz des Menschen das bezeugt (bzw. bezeugen soll), was er verkündet. Die - von allen Christen geforderte - Einheit von Wort und Tat gipfelt in der Feier der Eucharistie, wenn “in persona Christi” die Einsetzungsworte gesprochen werden. (Da die imitatio Christi allen Christen aufgetragen ist, auch den Frauen, ist m. E. nicht einzusehen, warum nur Männer “in persona Christi” sprechen können sollten. Auf die theologische Diskussion um das Frauenpriestertum möchte ich hier jedoch nicht weiter eingehen; dazu verweise ich auf das von Walter Groß herausgegebene Buch “Frauenordination” [Wewel-Verlag], in dem namhafte Theologen zu Wort kommen und das zeigt, daß die gegen das Frauenpriestertum vorgebrachten Argumente zumindest relativiert werden müssen.)

Aus den verschiedenen Gründen, warum mir die Eucharistie sehr wichtig ist, möchte ich noch einen weiteren herausgreifen: In ihr vollzieht sich die Inkarnation immer wieder aufs Neue - Gott steht der Welt nicht nur gegenüber, sondern er begibt sich gleichsam “von unten her” in sie hinein, um seiner Schöpfung die Heimkehr zum Schöpfer zu ermöglichen. Dieser heilsgeschichtliche Prozeß ist dem der Evolution gleichgerichtet, ein Gedanke, der für mich als Naturwissenschaftlerin eine große Rolle spielt, weist er doch darauf hin, daß sich naturwissenschaftliche und theologische Aussagen keineswegs widersprechen müssen. Insofern die Eucharistie Vorwegnahme des endzeitlichen Heils ist, das die gesamte als Schöpfung begriffene Natur umfaßt, fließen in ihr als dem gemeinsamen Ziel Evolution und Heilsgeschichte zusammen.

In der Eucharistie wird also im Grunde genommen in besonderer Weise sichtbar, was zu verkündigen mir ein wesentliches Anliegen ist: Daß sich naturwissenschaftlich-technisches Denken mit dem Glauben vereinbaren läßt - und das scheint sich bei viele Zeitgenossen noch nicht herumgesprochen zu haben. Hintern diese Botschaft möchte ich mich mit meinem ganzen Dasein stellen. Einen ganz besonders tiefen existentiellen Bezug zur Eucharistie sehe ich dabei im Priesteramt gegeben.

Neben diese sehr knappen und wahrscheinlich etwas theoretisch anmutenden Uberlegungen, die für mich aber von ganz unmittelbarer Bedeutung sind, tritt ein weiterer Gesichtspunkt, warum ich mich stark zum Priestertum hingezogen fühle. Ich denke, dieses Amt kommt meinen mir von Gott geschenkten Begabungen, Fähigkeiten und Neigungen in idealer Weise entgegen. Das wage ich deshalb zu behaupten, weil ich sowohl während meines Studiums als auch als Lehrerin und während meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in verschiedenen Pfarrgemeinden viele Erfahrungen gemacht habe, die in diese Richtung weisen. (So schrieb mir einmal ein Ordensbruder: “Sie haben die Gabe, die Kirche für andere zur Heimat zu machen”.) Das Priesteramt erscheint mir als die tiefste Möglichkeit der Verwirklichung dessen, was Gott in mir angelegt hat. Sicherlich kann ich meine Fähigkeiten auch anderweitig zur Geltung bringen - aber jeder, der diese Zeilen liest und sich für das Priesteramt entschieden hat, frage sich doch einmal, warum er selbst diesen Weg einem anderen vorgezogen hat

Ubrigens bin ich zwar nicht der Ansicht, daß das Priestertum unbedingt mit dem Zölibat verknüpft sein muß, aber ich selbst würde sehr wahrscheinlich den zölibatären Lebensstil wählen. Daß Gott mich ganz in seinem Dienst haben will, weiß ich - dieser Gewißheit liegt ein besonderes Erlebnis zugrunde, auf das ich hier jedoch nicht näher eingehen möchte. Jedenfalls stellt die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen nochmals eine besondere Möglichkeit dar, sich mit seiner ganzen Existenz hinter die christliche Botschaft zu stellen, was mir ja ein besonderes Anliegen ist.

Die bisher genannten Aspekte sind jedoch nur der eine Teil dessen, was ich als meine Berufung ansehe. Einige Begegnungen mit anderen Menschen haben mich in meiner Ansicht wesentlich bestärkt: Als wir in einer Gruppenstunde über ein religiöses Thema sprachen (an den genauen Zusammenhang kann ich mich nicht mehr erinnern), sagte ein Mädchen ganz unvermittelt zu mir: “Schade, daß du nicht Pfarrerin werden kannst.” Damals war der Gruppe noch nicht bekannt, daß ich mich zum Priestertum hingezogen fühlte - ein anderes Gruppenmitglied fragte dann auch prompt, ob ich Priesterin werden würde, wenn ich könnte (diese Frage beantwortete ich mit ja). Vielleicht spielte damals auch die Tatsache eine Rolle, daß sich immer wieder einzelne Gruppenmitglieder mit ihren Sorgen und Problemen an mich wandten und wir oft sehr tiefe und gehaltvolle Gespräche führten.

In meinem theologischen Examen wurde mir die Frage gestellt, wie ich über die Frauenordination denke. Nachdem ich einige Argumente vorgebracht hatte, fragte mich der Zweitprüfer, ob ich Priesterin werden würde, wenn es möglich wäre. Als ich daraufhin mit ja antwortete, entgegnete er, das habe er sich schon gedacht. Dieser kurze Satz traf mich in meinem Innersten, und es gelang mir nur mit Mühe, Fassung zu bewahren - wissend, daß es eben derzeit in der römisch-katholischen Kirche nicht möglich ist, zur Priesterin geweiht zu werden.

Natürlich führte und führe ich auch mit Seelsorgern (darunter einige Priester), die mich kennen, zahlreiche Gespräche. Läßt man einmal das Argument beiseite, Gott könne nicht berufen, wen die Kirche nicht zur Weihe zulasse, zweifelte niemand an der Echtheit meiner Berufung. Zwei Seelsorger, die zunächst die Frauenordination strikt ablehnten, meinten im Verlauf des Gesprächs, daß sie ihre Position nochmals überdenken wollten. Oft begegneten mir auch Äußerungen wie diese: Es sei schade, daß ich nicht Priesterin werden könnte, der Beruf würde ganz und gar zu mir passen; mit der strikten Weigerung der vatikanischen Kirchenleitung, Frauen zur Welhe zuzulassen, müßte ich mich jedoch realistischerweise abfinden und mir andere Möglichkeiten suchen, meinen Weg zu gehen; mit der Einführung der Frauenordination sei zumindest in den nächsten Jahrzehnten nicht zu rechnen. Auch in Gesprächen mit Kollegen, Bekannten und Freunden bin ich durchweg auf Zustimmung zu meinem Ansinnen gestoßen - sie könnten sich mich als Priesterin gut vorstellen.

Um so härter treffen mich die jüngsten amtlichen Verlautbarungen zur Frage der Frauenordination. Ich fühle mich zutiefst verletzt und nicht ernstgenommen, wenn versucht wird, die Diskussion um das Priestertum der Frau durch ein Machtwort zu unterbinden (siehe das Apostolische Schreiben “Ordinatio Sacerdotalis”). Schließlich empfinde ich meine Berufung als echt, und ich denke, sie würde relativ problemlos als solche anerkannt werden, wenn ich ein Mann wäre.

In dem bereits zitierten Heft “Wege zum Priesterberuf” lese ich im Geleitwort des Kardinals: “Die Berufung zum Priester ist so kostbar, daß wir ihr gar nicht genug Aufmerksamkeit widmen können.” Ich komme mir vor wie jemand, der ein kostbares Geschenk - die Berufung - mit sich herumträgt. Dieses Geschenk ist für die Kirche bestimmt, der ich viel verdanke (ein gutes Stück meines Glaubens nämlich) und zu der ich trotz mancher Kritik nach wie vor stehe. Aber ich werde abgewiesen wie ein verschmähter Liebhaber, schlimmer noch: Mit “Ordinatio Sacerdotalis” wird die Tür vor meiner Nase zugeschlagen und zusätzlich von innen verriegelt (siehe die “Antwort der Kongregation für die Glaubenslehre auf den Zweifel bezüglich der im Apostolischen Brief ‘Ordinatio Sacerdotalis’ enthaltenen Lehre”). Von nun an habe ich es als Glaubenssache zu betrachten, daß die Kirche nicht die Vollmacht habe, Frauen die Priesterweihe zu spenden. Muß ich daraus den Schluß ziehen, daß meine Berufung per definitionem gar nicht echt sein kann? Wäre ich ein Mann, würde die Kirche meiner Berufung ein hohes Maß an “Aufmerksamkeit und Sorge” (vgl. oben) schenken da ich aber eine Frau bin, stehe ich alleingelassen da mit meinem Geschenk, das doch für die Kirche bestimmt ist.

Natürlich kann ich mich auch außerhalb des Priesterberufes engagieren und - so Gott will - einiges bewirken. Natürlich kann ich das gemeinsame Priestertum aller Getauften zu verwirklichen suchen. Aber das Amtspriestertum ist eben eine besonders tiefe Möglichkeit existentieller Bezeugung der Glaubenswahrheiten, insbesondere auch - wie keine andere - des Geheimnisses der Eucharistie.

Dank meines Geschichtsoptimismus’ bin ich der festen Uberzeugung, daß sich die Wahrheit letztlich durchsetzen wird - auch jene, daß es Frauen gibt, die zum Priestertum berufen sind und denen infolgedessen die Priesterweihe nicht vorenthalten werden kann. Wann der Zeitpunkt dafür gekommen ist, weiß ich nicht; vielleicht erlebe ich ihn auch überhaupt nicht mehr. Wenn der Augenblick aber da ist, möchte ich dazu bereit sein, das Priesteramt zu übernehmen. So lebe ich in einer Zeit des Wartens und der Vorläufigkeit. Ich bleibe, im Bild gesprochen, geduldig vor der verschlossenen Türe stehen. Aber ich möchte ab und zu anklopfen, mich und meine Berufung in Erinnerung bringen. Deshalb habe ich auch diese Zeilen geschrieben.

Das Warten erfordert viel Geduld und Kraft. Mitunter überkommt mich eine große Traurigkeit - und dennoch bleibe ich der Kirche treu, die mein Geschenk nicht annehmen will. In meinem Beruf und im ehrenamtlichen Engagement in der Kirche erfahre ich viel Schönes, das mich vor Mutlosigkeit bewahrt - sie würde alle meine Kräfte lähmen. Außerdem übersteigt die Kraft der Frohbotschaft alle Traurigkeit, und so bin ich trotz allem ein fröhlicher Mensch - wie gerne würde ich die Freude des Evangeliums, die mich erfüllt, als Priesterin an unsere Welt weitergeben!

Ulrike Murr

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