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Ist die Berufung einer Frau ebenso 'authentisch' wie die eines Mannes?

Ist die Berufung einer Frau ebenso 'authentisch' wie die eines Mannes?

Niedrigere Motive?

Read here who I am!

"Das Priesteramt kann nicht Ziel eines sozialen Aufstieges sein; auch der bloße menschliche Fortschritt der Gesellschaft oder des Einzelnen kann aus sich selbst nicht den Zugang zum Priestertum eröffnen. Es ist von anderer Art."
Inter Insigniores

Dies ist eine Aussage im Zusammenhang mit dem Problem der Frauen, die sich zum Priestertum berufen fühlen. Ich habe ein Problem damit. Es mag sein, daß die Frauenordination vielfach lediglich unter dem Titel des sozialen Aufstieges der Frauen unterstützt wird. Tatsächlich spielt dies bei allen Befürwortern in gewissem Maße eine Rolle. Aber wenn ich eine Frau wäre, die sich zum priesterlichen Dienst berufen fühlt, so würde mich diese Äußerung auf das Tiefste verletzen. Denn sie impliziert, daß ich deswegen Priesterin werden wolle, weil ich (so wie auch andere Frauen) eifersüchtig sei, daß es mir nicht so wie den Männern erlaubt ist.

Ein Recht auf die Priesterweihe?

Wenn niemand einen Rechtsanspruch auf die Priesterweihe hat (wie in diesen Dokumenten immer wieder betont wird), warum wird dann die Weihe von Männern nicht in Frage gestellt? Wenn jemand sagt: "Ich als Schwarzer habe nicht die gleiche Chance, ein öffentliches Amt zu erreichen wie ein Weißer", so würde das Argument "Niemand hat ein Recht auf ein öffentliches Amt" den Kern des Problems völlig umgehen.

Ich möchte das näher ausführen. Ein 'Recht' auf das Priestertum gibt es nicht. Aber gibt es dann auch kein 'Recht' auf ewiges Leben und was auch immer? Wenn also jemand behauptete "Frauen können keine Christen sein und das Argument der Gleichheit von Mann und Frau sei eine Umgehung der Frage, weil niemand das Recht habe, Christ zu werden", so ist damit nicht beantwortet, warum dies nur Männern erlaubt ist.

Dieses Beispiel mag an den Haaren herbeigezogen erscheinen, aber es folgt dem gleichen Muster wie das Beispiel des Schwarzen, der nach einem politischen Amt strebt, ebenso wie tausend weiteren Beispielen, die ich hier anführen könnte (und die nicht alle rein 'weltlich' wären). Wenn ich auf meine Frage "Warum können Frauen nicht Priesterinnen sein?" die Antwort erhalte "Weil niemand ein Recht auf das Priestertum hat", so ist meine Frage damit nicht beantwortet. Die Frage erfordert eine spezifische Antwort, die auf die priesterlichen Intentionen von Frauen eingeht. Eine allgemeine Antwort, die nicht einmal begründet, warum Männer Priester sein können, ist für die Frage der Frauen völlig unzureichend.

Auch wenn man anerkennen muß, daß es ein 'Recht' auf Priestertum nicht gibt, so gibt es aber offensichtlich ein Recht auf Prüfung der Berufung. Daher ist die Frage zu stellen, warum die Kirche nur die Berufung von Männern prüft, nicht aber von Frauen.

Siehe auch die Diskussion über das Verbot der Frauenordination und Diskriminierung.

Nur eine Frage der Gefühle?

"Eine Berufung innerhalb der Kirche besteht nicht allein und in erster Linie in der Tatsache, daß jemand sein Verlangen nach einem Amt oder sein Hingezogensein aus einem inneren Antrieb heraus kundtut ..."
Kommentar der Heiligen Kongregation für die Glaubenslehre zu Inter Insigniores

Wenn nun Gefühle keinerlei Rolle in der 'authentischen' Berufung zu diesem Dienst spielen (wie in diesen Dokumenten immer wieder festgestellt wird), wie geschieht dann eigentlich eine Berufung? Abgesehen von den Gegenden und Zeiten, wo Buben frühzeitig in Seminaren zusammengefangen und zum Priestertum bestimmt wurden (viele Priester meiner Zeit waren mit elf Jahren ins Seminar geschickt worden), scheint es mir - ich könnte mich auch irren – daß das 'Gefühl, zu diesem Dienst berufen zu sein' der wesentliche Antrieb eines jungen Mannes auf seinem Weg zum Priestertum ist. Eine Aussage "Wenn einer sich wie ein Doktor fühlt, so bedeutet das nicht, daß er dazu auch fähig ist" macht einen Sinn; aber die Verdrehung "Das Gefühl, zum Doktor berufen zu sein, ist letztlich belanglos", wäre unrecht. Niemand wird ein Ziel verfolgen, wenn er nicht das Gefühl hat, dazu berufen zu sein.

Ist eine Berufung nur dann authentisch, wenn sie von der Kirche bestätigt ist?

"Eine Berufung innerhalb der Kirche besteht nicht allein und in erster Linie in der Tatsache, daß jemand sein Verlangen nach einem Amt oder sein Hingezogensein aus einem inneren Antrieb heraus kundtut. Auch wenn dieser spontane Schritt getan ist und auch wenn man daran glaubt, in tiefster Seele den Ruf zu hören, so ist die Berufung erst von dem Augenblick an authentisch, da sie durch den äußeren Ruf der Kirche bestätigt wird."
Kommentar der Heiligen Kongregation für die Glaubenslehre zu Inter Insigniores

Dieses Dokument sagt im Wesentlichen, daß der 'innere Antrieb' bloß 'spontan' ist, d.h. er könnte hervorgerufen sein durch irgend ein Wort, das jemand zu dir gesagt hat, oder durch das, was du gestern abend gegessen hast. Ich liebe diesen Satz: "Auch wenn dieser spontane Schritt getan ist und auch wenn man daran glaubt, in tiefster Seele den Ruf zu hören ..." – das erscheint mir fast höhnisch: 'Du kleiner Narr, dein Gefühl, zum Priester berufen zu sein, ist doch nur eine Marotte. Es ist die Kirche, die darüber entscheidet, ob du Priester sein sollst oder nicht. Bleib also auf dem Teppich.'

Die Kirche bestätigt Berufungen in dem Ausmaß, als die Gemeinschaft der Gläubigen eine Rolle spielt bei der Einschätzung neuer Kandidaten. Aus diesem Grunde fragt der Bischof bei der Priesterweihe nach der Beurteilung der Würdigkeit des Weihekandidaten. Heute wird diese Frage üblicherweise durch den Rektor des Priesterseminars beantwortet, aber auch er spricht im Namen der versammelten Gläubigen. Mit dem Entgegennehmen der Antwort drückt der Bischof in gewisser Weise eine institutionelle Anerkennung aus. Aber die Feststellung, daß Berufungen nur aufgrund des 'äußeren Rufes der Kirche' echt seien, macht keinen Sinn.

Wenn es die Kirche ist, die Berufungen bestätigt, und wenn Berufungen nur dann authentisch sind, wenn ihnen ein 'äußerer Ruf durch die Kirche' folgt, was würde geschehen, wenn ein Bischof unfähig oder gar korrupt wäre? Gäbe es da nicht zahllose Fälle von wahrhaftigen Berufungen, die ignoriert oder sogar bekämpft werden? Wenn aber eine Berufung nur dann 'wahrhaftig' ist, wenn sie von der Kirche ausgeht, dann wären diese mißachteten Berufungen nicht echt und der Bischof wäre logischerweise in seiner Ignoranz nicht einmal angreifbar.

Weiters: Was ist mit einem Priester, der nicht wirklich berufen ist? Bis herauf zum Zweiten Vatikanischen Konzil habe ich von vielen Leuten die Vorstellung gehört, der Priesterberuf (so wie auch der Beruf der Ordensfrau) sei eine Zuflucht für Menschen mit psychischen Problemen oder mit Schwierigkeiten, sich in die Gesellschaft oder in eine Ehe ganz normal einzufügen. Wenn in den alten Katechismen gewöhnlich drei verschiedene Arten von Berufung betont wurden, nämlich zum geistlichen Leben, zur Ehe und zur Ehelosigkeit, wieviele waren tatsächlich überzeugt von der Löblichkeit des ehelosen Lebens und einer echten Berufung dazu? Gab es da nicht manche mangelhafte Berufung, auch Fälle von Bequemlichkeit oder Persönlichkeitsdefiziten? Wenn es also Priester gibt, die nicht von Gott berufen sind und daher eigentlich nicht Priester sein sollten (besser, sie hätten einen anderen Beruf gewählt) - und wer kann sagen, einem solchen Priester nie begegnet zu sein? – wie ist das vereinbar mit der Vorstellung, daß jede priesterliche Berufung erst durch den Ruf der Kirche ihre Authentizität erhält? Bedeutet das, daß die Kirche im Unrecht war? Hat die Kirche ihre Macht mißbraucht durch die Bestätigung von Berufungen an der falschen Person?

Ich glaube das nicht. Ich glaube vielmehr, daß das System, durch das ein Mensch Priester wird, nicht ausschließlich in den Händen der örtlichen Kirchenhierarchie liegt. Wenn sich daher eine Berufung als nicht echt herausstellt, so ist das nicht der Fehler – oder besser: nicht nur der Fehler – dieser Hierarchie.

Noch eine Bemerkung zum Schluß: Wenn es allein die Kirche ist, die Berufungen authentifizieren kann, warum hat sie dann nicht "die Macht, Frauen zu ordinieren"? Das Dokument stellt fest, daß nicht Gott, sondern die Kirche die alleinige Urteilsgewalt über die Echtheit von Berufungen hat. Ich glaube nicht, daß diese Argumentation haltbar ist, denn die Kirche sagt auch, daß sie nicht die Macht hat, Frauen zu weihen. Wenn sie nun die alleinige Entscheidungsträgerin ist, wieso fehlt ihr dann gerade diese Autorität?

Ich glaube aber auch nicht, daß dies die wirkliche und wahre Position der Kirche ist. Nach allem, was ich gehört und gesehen habe, ist es nicht die Kirche allein, sondern Gott, der Berufungen ihre Echtheit verleiht.

John Wijngaards

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Übersetzung aus dem Englischen: Michael Mayr, A-4020 Linz.