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Priestertum der Frau?

Priestertum der Frau?
Einleitung

von Haye van der Meer. Herder, (Questiones Disputatae) 1969, pp. 9-14

see also the English translation

Die Verfasser van Dogmatikhandbüchern verwenden nicht viel Zeit für die These “Empfänger des Weihesakramentes ist allein der Mann”. Man bekommt den Eindruck, daß sie eigentlich meinen, die Sache sei ohnehin klar und überdies schon längst endgültig theologisch sauber bewiesen. Nicht aber our die vor vielen Jahren geschriebenen und bloß near aufgelegten Handbücher, sondern ouch neuverfaßte Arbeiten tun, als ob in diesem Punkte keine wirklich neuen Untersuchungen erforderlich wären. Wenn man z. B. die Dissertation van Joseph A. Wahl, “The Exclusion of Woman from Holy Orders’’(1) oder den Artikel van H. Rondet, “Éléments pour une théologie de la femme”(2) oder einige Abschnitte in dem Artikel van G. Philips, “La femme dans l’Église”(3) liest, bemerkt man, daß diese Autoren im Grunde nichts anderes tun als bloß: 1. einige Schriftstellen zitieren: 1 Kor 11, 3 - 16; 1 Kor 14, 33 - 36; 1 Tim 2, 11 - 15; und was die Haustafeln über die Unterwerfung der Frau sagen; 2. einige Väterstellen, einige alte Synoden und sonstige Dokumente, wie die Didascalia, die Constitutiones Apostolorum, die Statuta Ecclesiae Antiqua, zitieren; 3. die ratio theologica van Thomas (4) zitieren.

Es gibt zwar auch einige Ansätze zu tiefer suchenden Analysen; so z. B. der Artikel van E. Krebs, “Vom Priestertum der Frau” (5) oder der Artikel van A. M. Henry, “Le mystère de l’homme et de la femme”(6) oder die Untersuchungen van R. Laurentin im zweiten Tell seines Werkes “Marie, l’Eglise et le Sacerdoce”(7) oder F. X. Arnold in seinem. Bach “Mann und Frau in Welt und Kirche”(8); aber auch diese Autoren machen sich, wie es uns vorkommt, die Sache zu leicht.

Andere Beiträge über dieses Thema bleiben bloß im Historischen stecken, etwa bezüglich der Frage, ob die Diakonissinnen der ersten elf Jahrhunderte eine wirklich sakramentale Weihe erhielten; oder sie referieren nur verschiedene kirchliche Aussagen bezüglich der Frau(9).

Trotzdem scheint es wirklich notwendig zu sein, auch diese Frage wieder ganz near zu betrachten. Ein erster Grund dafür ist zweifelsohne das Gespräch mit den Mitchristen aus der Reformation. Es darf van katholischer Seite nicht mehr ignoriert warden, daß verschiedene protestantische Großkirchen die Frau zum geistlichen Amt zugelassen haben, wie die dänischen, norwegischen und schwedischen lutherischen Kirchen(10). Auch die größte der niederländischen kalvinischen Denominationen, die “Nederlandse Hervormde Kerk”, kennt ab 1958 völlig gleichberechtigte weibliche Pastoren (wenn auch ausnahmsweise und mit Dispens der Synode für jeden Fall). Zur weiteren Entwicklung van 1962 bis 1968 vgl. die Literaturangaben am Ende dieses Buches.

Es handelt sich also nicht mehr bloß um einen Schritt der kleineren Kirchen oder der ausgeprägt spiritualisierenden Sekten, sondern um fast hochkirchliche Richtungen. Im allgemeinen findet man zwar bei den hochkirchlichen Richtungen (Anglikaner (11), Orthodoxe (120, Altkatholiken (l3)) am wenigsten eine Geneigtheit, die Frau zum Amt zuzulassen (l4). Aber das sollte man nicht allzu leicht als einen Grund betrachten, sich nicht auch selber mit der Frage befassen zu müssen. Man könnte unter Umständen vielleicht der Meinung sein, daß die Hochkirchlichen einen besseren Sensus für die Sakramente bewahrt haben als die übrigen getrennten Brüder. Man sollte sich jedoch wirklich fragen, ob die Hochkirchlichen in diesem Fall nicht zwei verschiedene Probleme verwechselt haben, nämlich die Auffassung, daß die Gemeinde die absolute Trägerin der kirchlichen Gewalt ist, und die Frage nach der Möglichkeit der Zulassung van Frauen zu der apostolischen Sukzession. Eine Akzeptierung des zweiten bedeutet ja nicht, das erste bejahen zu müssen. Es ist jedenfalls noch nie bewiesen warden, daß das Priestertum der Frauen genau dasselbe ist wie die Leugnung der apostolischen Sukzession oder daß es diese implizieren würde. Viele Befürworter des Frauenpriestertums haben zwar in diese Richtung gedacht (l5), aber trotzdem ist es nicht dasselbe.

Wenigstens in den skandinavischen Kirchen gibt es jetzt Frauen, denen van Bischöfen die Hände aufgelegt warden und denen das Meßgewand überreicht wurde (l6). Das bedeutet, daß jetzt auch bei den Christen, die genauso wie wir das Bestreben haben, die Traditionen ihrer Kirchen unverkürzt zu handhaben (und nicht nur wie etwa bei den Quäkern, der Heilsarmee, den Kongregationalisten, also bei jenen Kirchen und Gemeinschaften, bei denen die Gemeinde unnuanciert als Trägerin alter Gewalt betrachtet wird (17)), sich die Meinung durchgesetzt hat, daß das weibliche Amtspriestertum dem Wesen des Christentums nicht widerspricht.

Das darf der katholische Dogmatiker nicht übergehen, sondern er sollte sich neu mit diesem theologischen Problem auseinandersetzen. Sonst entsteht eine Lücke im Gespräch mit seinen christlichen Mitbrüdern.

Man kann auf katholischer Seite auch nicht meinen, daß die übliche These kein Problem geworden sei. Schon unabhängig von den Entwicklungen bei den Protestanten könnte die einfache Tatsache, daß Frauen jetzt viele Berufe und (was wichtiger ist) Ämter erfüllen können, die ihnen bis vor kurzem verschlossen waren, ihre Konsequenzen für den religiösen Bereich haben. Die Frage, ob sie nun auch Priester werden können, stellt sich von selber, wie, um nur ein Beispiel zu erwähnen, Edith Stein es tatsächlich tut (18).

Auch kann sich ein heutiger Dogmatiker wirklich nicht mehr zufriedengeben mit der Methode der theologischen Beweisführung, die noch immer von sehr vielen bei unserem Problem angewendet wird. Das bloße Zitieren von einigen Stellen, wenn es auch viele sein mögen, bringt uns, nach unserm Empfinden, nicht weiter. Die Texte sollten genau analysiert werden und die Zeitumstände, die zu bestimmten Äußerungen Anlaß gaben oder ihren Hintergrund bildeten, sollten mitberücksichtigt werden. Wenn z. B. ein Epiphanius von Salamis energisch gegen die Frauenpriester, die in einigen Häresiengemeinschaften amtierten, reagiert, kann man diese Texte nicht ohne weiteres als “Beweis aus den Vätern” gelten lassen; denn wenn man weiterliest, merkt man, daß er einen engen Zusammenhang sehen zu müssen glaubt zwischen dem weiblichen Priestertum und der Anbetung (cultus latriae) Marias. Das erwähnen die zitierenden Autoren aber nicht. Dieser Umstand macht die ablehnende Haltung aber zu einem zeitgebundenen Faktor.

Die Aufgabe, die diese Arbeit sich stellt, ist also: alle Beweise der Dogmatiker bezüglich dieser These kritisch zu überprüfen. Es wird nicht behauptet werden, daß diese üblichen Beweise gar keinen Wert haben. Nur Fragezeichen werden zu den verschiedenen Punkten gemacht; und es wird jeweils darauf hingewiesen, welche Momente in ihrer Beweisführung unvollständig sind, welche Doppeldeutigkeiten vorhanden sind, welche Sprünge in der Gedankenentwicklung gemacht werden, die nicht motiviert werden, wo man vorschnell zur gewünschten Konklusion greift, usw.

Diese Arbeit will also nicht über die Richtigkeit der These selber urteilen; noch viel weniger über die Richtigkeit der Praxis der Kirche; sondern bloß über die Schlüssigkeit der bis jetzt vorhandenen theologischen Reflexionen. Es wird nicht auf die Frage eingegangen, ob die Praxis der Kirche richtig war, denn früher war sie das wohl. Aber auch auf die Frage wird nicht eingegangen, ob die Praxis der Kirche vielleicht geändert werden könne, geschweige denn ob sie das müßte. Ebenso wird nicht untersucht, ob in dieser heutigen Praxis eine genuine Intuition der Kirche aufleuchtet, die etwas über ihr Wesen oder über das Wesen ihres hierarchischen Amtes aussagen würde, was an und für sich ganz gut möglich wäre, auch wenn die theologischen Reflexionen unzureichend sind. Es wird in der Schwebe bleiben, ob die heutige Verschließung des Amtes für die Frau eine faktische Nützlichkeitsmaßnahme ist (wie etwa Bestimmungen über die Kommunion sub una specie oder die früheren Bestimmungen über die Einmaligkeit der Rekonziliation) oder ob sie “iure divino” zum Wesen des Amtes gehört. Es wird also außer Betracht gelassen, ob eine bessere theologische Reflexion vielleicht möglich wäre; und es werden auch keine Ansätze dazu gemacht.

Wir versuchen weder zu beweisen, daß eine Frau jetzt zum Priester geweiht werden könne noch daß sie das in alle Ewigkeit nicht könne. Denn eine theologische Antwort auf diese Fragen würde den Rahmen dieser Arbeit überschreiten. Dazu würde man

1. eine eingehende Untersuchung über das Wesen des sacramentum ordinis und über das Bischofsamt machen müssen;

2. dasselbe über die Kirche und über Maria;

3. dasselbe über den wahren Schrift- und Vätergebrauch in der Theologie;

4. die ganze Metaphysik, Psychologie und Soziologie des Mannes und der Frau einbeziehen müssen.

Was diesen vierten Punkt betrifft, können wir also nicht Karl Barth beipflichten, wenn er (über die Aufgaben des Mannes und der Frau im allgemeinen redend) erklärt, entschlossen auf alle Phänomenologie und Typologie der Geschlechter verzichten zu wollen, weil wir kein Recht hätten, wenn wir nach Gottes Gebot fragen, die spezifische Verschiedenheit der Geschlechter als solche anzugeben. Die spezifische Verschiedenheit könne uns, ihm zufolge, auch wenn wir dies und das über sie zu wissen meinen, kein Vorgegebenes sein, weil wir sonst den Inhalt des Gebotes Gottes, nach dem die Ethik ja nur präzis fragen wollen kann, schon im voraus zu kennen vorgeben würden(19).—Da dies aber viel zu weit führen würde, müssen wir es dahingestellt sein lassen.

Diese vier Punkte werden immer wieder zur Sprache kommen; aber weder alle noch auch nur einer wird erschöpfend herausgearbeitet werden. Unsere Methode wird folgende sein; es wird jeweils bei den einzelnen Momenten der Beweisführung, wie sie von den Dogmatikern vollzogen wird, Material aus diesen vier Punkten herbeigezogen werden, um aufzuzeigen, daß ihre Beweise wenigstens der Ergänzung oder bisweilen auch ernsthafter Korrektur bedürfen. Dadurch wird der eigentliche Zweck dieser Arbeit erreicht: nämlich der Beweis wird erbracht, daß dieses Problem noch längst nicht erledigt ist, daß es eine neue Untersuchung benötigt, m. a. W.: daß die katholischen Dogmatiker nicht meinen dürfen, es sei nach dem heutigen Stand der Theologie schon (oder: noch immer) wissenschaftlich feststehend, daß das Amt de iure divino den Frauen verschlossen bleiben soll. Vielleicht ist es de iure divino den Frauen verwehrt; aber eine befriedigende wissenschaftliche Reflexion darüber gibt es bis jetzt (noch) nicht. Man hat sich bequem auf Schrift- und Väterstellen zurückgezogen, ohne die Notwendigkeit zu spüren, die Frage selber durchzudenken und die Stellen kritisch zu prüfen; und wo man das versucht hat, hat man nicht tief und kritisch genug gearbeitet. Nur diesen Fehler werden wir darlegen.

Diese Arbeit wird also mehr eine Synopsis von all demjenigen sein, das für den Beweis der These untersucht und mitberücksichtigt hätte werden müssen, als ein eigener Beweis pro oder contra.

Nacheinander werden also die üblichen Beweise aus der Schrift, aus den Vätern und aus dem Magisterium zur Sprache kommen und zum Schluß die ratio theologica.

Noten:

1. Joseph A. Wahl, The Exclusion of Woman from Holy Orders (Washington 1959) (The Catholic University of America, Studies in Sacred Theology, 2nd Series, Number 110).

2. H. Rondet, E Éléments pour une théologie de la femme: NRTh 79 (1957) 915 bis 940.

3. G. Philips, La femme dans l’Église: EThL 37 (1961) 597—603.

4. Suppl. 39,1 (übernommen aus: in 4 Sent. d. 25, q. 2, a. 1).

5. E. Krebs, Vom Priestertum der Frau: Hochland 19 (1922) 196 - 215.

6. A. M. Henry, Le mystère de l’homme et de la femme: Vie Spirituelle 80 (1949) 463 - 490; vgl. auch A.M. Henry, Pour une théologie de la féminité: Lumière et Vie 8 (1959) 100—128.

7. R. Laurentin, Marie, l’Église et le Sacerdoce 2, Étude théologique (Paris 1953) vor allem 69—83.

8. F. X. Arnold, Mann und Frau in Welt und Kirche (Nürnberg 1959).

9. Vgl. die Literatur zum 3. und 4. Kapitel: de Labriolle, Daniélou, Gillmann, Giner Sempere, Lafontaine usw.

10. Vgl. J. E. Havel, La question du pastorat féminin en Suède: Archives de sociologie des religions 4 (1959) 116 - 130; interessantes Tatsachenmaterial gibt auch D. Zähringer, Die Frau am Altar und auf der Kanzel?: Erbe und Auftrag 36 (1960) 304 - 315.

11. M. E. Thrall, The Ordination of Woman to the Priesthood (London 1958); L. Magistra, The Ministry of Woman: Theology 63 (1960) 281—285; vgl. ebd. 377 f., 378f., 472 f.; E. L. Mascall, Woman and the Priesthood of the Church (London 1960).

12. P.Evdokimov, La femme et le salut du monde (Paris 1958).

13. P.J. Jans, Mann und Frau in ihrem Verhältnis zum kirchlichen Amt: IKZ 52 (1962) 145 - 156.

14. Vgl. J.Daniélou, L’ordination des femmes en Suède: Études 305 (1960) 398 f.

l5. E. Hertzsch, Das Problem der Ordination der Frau in der evangelischen Kirche: ThLZ 81 (1956) 379 f.; vgl. ouch Zähringer, a. a. O.

16. Zähringer, a. a. O. 304.

17. Charlotte van Kirschbaum, Der Dienst der Frau in der Wortverkündigung (Zürich 1951) 3 (Theologische Studien 31).

18. Edith Stein, Die Frau, Ihre Aufgabe nach Natur und Gnade (Freiburg-Louvain 1959) 42f.; vgl. 105f. (Edith Steins Werke 5).

19. Karl Barth, Kirchliche Dogmatik III/4 (Zürich l951) 167 f.

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