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Der Bischof als Diener des Evangeliums Jesu Christi

Der Bischof als Diener des Evangeliums Jesu Christi – Für die Hoffnung der Welt

Anmerkungen zur X. Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode, 2001

Der Fragebogen zur kommenden Bischofssynode listet 22 Themen auf, die lediglich als Randfragen gelten können: Verhältnis des Bischofs zu seiner Diözese, Spiritualität, individuelle Präferenzen des Bischofs, Verkündigungsprobleme. Demgegenüber bleiben theologisch, ekklesiologisch und ökumenisch wichtige Fragen völlig ausgeklammert. Diese – und nicht die in den Lineamenta genannten Fragen – sollten im Mittelpunkt der römischen Beratungen stehen und einer Lösung zugeführt werden.

Theologische Klärung des bischöflichen und des priesterlichen Amtes

Eine Unterordnung der Priester unter den Bischof gibt es erst im 2. Jahrhundert. Der sakramentale Unterschied bzw. die Zuordnung von Bischofs- und Priesterweihe ist bis heute theologisch nicht geklärt und aufgearbeitet (vgl. II. Vatik. LG 21).

Apostolische Sukzession

In der katholischen Lehre gab es bis zum II. Vatikanum keine amtlichen Aussagen zur Frage der Gültigkeit bzw. Nichtgültigkeit der Ämter in der lutherischen Kirche. Traditionellerweise ging man jedoch von der Ungültigkeit aus. Das II. Vatikanum spricht von einem „defectus" im Weihesakrament bei den aus der Reformation hervorgegangenen Kirche (UR 22). Es hat jedoch nicht erklärt, in welchem Sinn das für die einzelnen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften gilt, „die untereinander nicht wenige Unterschiede aufweisen" (UR 19).

In dem seither geführten Dialog stellt sich zunehmend die Frage, ob ein „defectus" im Sinne eines Mangels, nicht aber des völligen Fehlens vorliegt. In diesem Zusammenhang ist die Tatsache erwähnenswert, daß es auch in der katholischen Kirche Ordinationen von Priestern durch Priester (und nicht durch Bischöfe!) gegeben hat (vgl. Päpstliche Bullen von Papst Bonifatius IV: DS 1145-46; Papst Martin V.: DS 1290. Dazu: Gemeinsame römisch-katholische evangelisch-lutherische Kommission, Das Geistliche Amt in der Kirche, Paderborn/Frankfurt 31982, Nr. 75 und 76). Im Hinblick auf die Ökumene darf daher wohl nicht mehr als eine presbyteriale Sukzession gefordert werden.

Faktische Amtsstrukturen

Im ältesten lateinischen Rituale der Weihen aus dem 8. Jahrhundert findet sich bei der ‚ordinatio‘ kirchlicher Amtsträger keine Erwähnung der Handauflegung. „Obwohl die Handauflegung bei der ‚ordinatio‘ eine offenkundige Traditionsgegebenheit ist, wird sie nicht als das Wichtigste angesehen; wesentlich ist das kirchliche Mandat oder die kirchliche Sendung zum Amt, nicht die konkrete Form, in der diese Berufung und Sendung Gestalt erhält [...] Kirchlicher Amtsträger ist derjenige, der von der ganzen Kirchengemeinde (Volk mit seinen Leitern) als solcher anerkannt und in eine bestimmte Gemeinde gesandt wird, wie Leo I. es ausgedrückt hat: wenn der Kandidat vom Klerus gewählt und vom Volk gewünscht wird (Leo I. Ep. ad Rusticum: PL 54,1203" (E. Schillebeeckx, Das kirchliche Amt, Düsseldorf 1981,81-83).

Doppelte Unfehlbarkeit

Nach der Auffassung des Zweiten Vatikanischen Konzils gibt es eine doppelte „Unfehlbarkeit" der Gesamtkirche (vgl. LG 25). „Unfehlbar" ist

Das Konzil hat allerdings versäumt, klar zu bestimmen, wer darüber zu entscheiden hat und auf welche Weise festzustellen ist, wann und ob überhaupt „eine bestimmte Lehre" von der Gesamtheit der Bischöfe „übereinstimmend als endgültig verpflichtend vorgetragen" wird. Welche Bedingungen müssen erfüllt sein – von der Heiligen Schrift selbst, von der Tradition, vom Glaubenssinn der Gesamtheit der Gläubigen, von der Form der Verkündigung, vom Umfang der Übereinstimmung? Hier ist dringender Klärungsbedarf gegeben (vgl. die Irritationen bei den jüngsten, von der Glaubenskongregation als „unfehlbar" markierten Aussagen zur Frauenordination).

Anerkennung der Ämter

Neuere bibeltheologische, dogmen- und theologiegeschichtliche Erkenntnisse zeigen eine Vielfalt von kirchlichen Ämtern im Neuen Testament angesichts sich wandelnder geschichtlicher Situationen. „Als Amtsträger von der Kirche anerkannt zu werden und dadurch für eine bestimmte Kirchengemeinde gesandt zu sein (durch ihre Leiter mit ausdrücklicher Billigung der gläubigen Gemeinde oder umgekehrt) ist der eigentliche Wesenskern der ‚ordinatio‘" (E. Schillebeeckx, Das kirchliche Amt, Düsseldorf 1981,82).

Kollegialität der Bischöfe

Die Texte des II. Vatikanums zur Kollegialität der Bischöfe (LG 22 und 23) stecken voller Uneindeutigkeiten, zueinander gegenläufiger Bewegungen und ungelöster Spannungen. Es ist deutlich erkennbar, daß hier zwei unterschiedliche Kirchenbilder in den Text eingebaut sind. Eine genaue Verhältnisbestimmung zwischen Bischofskollegium und Papst wird nicht gegeben. Der Feststellung, daß das Ökumenische Konzil die feierliche Weise darstellt, wie das Bischofskollegiumn seine volle und höchste Macht über die Gesamtkirche ausübt, folgt meist unvermittelt und unmittelbar eine Anmerkung über die Kompetenz des Papstes. „Hier bleiben noch viele Fragen offen, auch solche, die eine praktische Bedeutung für die Verfassungswirklichkeit (nicht bloß für die Verfassungstheorie) der Kirche haben" (K. Rahner, Kommentar zu LG 22, in: LThK, Erg.Bd. I, Das zweite Vatik. Konzil, Freiburg/Basel/Wien 1966, 223).

Darüber hinaus wurden dem Text der Dogmatischen Konstitution „Lumen gentium" über die Köpfe der Konzilsväter hinweg vom Generalsekretär des Konzils noch „Bekanntmachungen" angefügt, welche die Vollmachten des Papstes sogar über die Definitionen des Ersten Vatikanums hinaus festlegen: „Der Papst kann seine Vollmacht jederzeit nach Gutdünken (‚ad placitum‘) ausüben." Der Kommentator Joseph Ratzinger (!) merkt dazu an: „Das ‚ad placitum‘ bleibt (trotz der nachfolgenden Einschränkung) eine unglückliche Formulierung" (ebd., 357). Hier ist dringend Klärungsbedarf gegeben.

Gesamtkirche und Ortskirche

Das II. Vatikanum spricht von „Teilkirchen, in denen und aus denen die eine und einzige katholische Kirche besteht" (U.a. LG 23 und 25, CD 11). In den Ortskirchen ist die Gesamtkirche akzentuiert gegenwärtig. Man gehört zur Gesamtkirche, weil man zu einer Ortsgemeinde gehört.

Zu diesem Thema haben sich unlängst die beiden Kardinäle Walter Kasper und Joseph Ratzinger öffentlich einen heftigen Streit geliefert. W. Kasper schreibt (1999 in einer FS für Bischof Homeyer), daß „die eine Kirche von Anfang an ‚in und aus‘ Ortskirchen" bestand. Er beklagt Tendenzen, nach denen „die eine universale Kirche unter der Hand mit der römischen Kirche, de facto mit Papst und Kurie, identifiziert wird". Das bedeutet die „Verabschiedung von der Communio-Ekklesiologie" des II. Vatikanums und ist zu verstehen als „Versuch einer theologischen Restauration des römischen Zentralismus." Ratzinger antwortete in der FAZ (22.12.2000), es gäbe Theologen, die es geradezu für ihre „Pflicht" hielten, „Dokumente der Glaubenskongregation negativ zu bewerten". Er beklagt, daß die „theologische Tiefe" des Kirchenbegriffs „außer Sichtweise kommt", wenn er sich „auf die empirisch erscheinenden Gemeinden reduziert".

Was wie ein unerhebliches Theologengezänk aussieht, hat erhebliche kirchenpolitische Konsequenzen. Die ökumenische Zielvorstellung ist nicht die uniformistische Einheitskirche, sondern die eine Kirche in versöhnter Verschiedenheit. Eine einseitig universalistische Sicht wirkt ökumenisch abschreckend. Die Frage hat auch pastorale Konsequenzen, wie sie etwa im Streit zwischen Rom und der Deutschen Bischofskonferenz um die Schwangerschaftskonfliktberatung: manifest wurden. Hier scheinen Kardinal Ratzinger und der „römische Zentralismus" gesiegt zu haben. Aber das Problem ist damit nicht gelöst.

Wahl des Bischofs

Die alte Kirche kannte den Grundsatz, daß keiner Gemeinde ein Bischof wider Willen aufgezwungen werden darf. Das Amt ist eine Angelegenheit der Ortsgemeinde. „Man zwinge dem Volk keinen Bischof auf, den es nicht will" (Cyprian, Epist. 4,5: PL 50,434). „Wer allen vorstehen muß, muß von allen gewählt werden" (Papst Leo I., Ad Anast.: PL 54,634). Noch zu Beginn des 15. Jahrhunderts schreibt Makarios von Ankyra, daß die Wahl einer Gemeinde jemand zum Bischof macht. Die Wahl des Bischofs durch das Volk entspricht also einer langen kirchlichen Tradition. Sie ist heute angesichts weit verbreiteter demokratischer Strukturen und insbesondere aufgrund einer vertieften Einsicht in das Wesen der Kirche geradezu geboten.

Gehorsamspflicht der Bischöfe gegenüber dem Papst

Der Bischof hat „die ihm zugewiesene Teilkirche als Stellvertreter und Gesandter Christi durch Rat, Zuspruch und Beispiel" zu leiten. Die beständige tägliche Sorge für seine Diözese ist ihm „im vollen Umfang anvertraut." Er darf sich nicht als Befehlsempfänger des Bischofs von Rom verstehen, „denn er hat eine ihm eigene Vollmacht inne und heißt in voller Wahrheit Vorsteher des Volkes, das er leitet." (vgl. II. Vatikanum, LG 27). Zur „apostolischen Aufgabe" des Bischofs gehört es, sich „mit ganzem Herzen auch jenen zu widmen, die irgendwie vom Weg der Wahrheit abgewichen sind oder die die Frohbotschaft Christi und sein heilbringendes Erbarmen nicht kennen" (II. Vatikanum, CD 11).

Papst Alexander III. (1159-1181) räumte den Bischöfen ausdrücklich das Recht ein, in bestimmten Fällen bei ihm vorstellig zu werden und ihn über mögliches Unbehagen anläßlich bestimmter päpstlicher Entscheidungen zu informieren. Dieses Recht fand Aufnahme in die Dekretalen Papst Gregors IX. (1227-1241) und auch in die offiziöse Sammlung kirchlicher Rechte, die bis zum Erscheinen des Corpus Juris Canonici (1917), das Recht der Kirche widerspiegelte. Der spanische Theologe Francisco Suárez (1548-1619) sieht bei Konflikten zwischen Papst und Bischöfen die Möglichkeit der sogenannten „Supplikation". Er meint damit eine Art von „sanftem" Recht auf Widerspruch, ein Recht inständigen Bittens oder Flehens. Suárez begründet dieses Recht mit der Vielfältigkeit der Kirche und ihrer Teilkirchen. Leider wurde dieses Supplikations- oder Remonstrationsrecht in den CIC 1917 nicht aufgenommen.

Zehn Jahre nach Beendigung des II. Vatikanums vertrat der deutsche Kirchenrechtler Hubert Müller die Ansicht, daß dieses Recht ohne Zweifel im Rechtsgefüge der katholischen Kirche seinen legitimen Platz habe. Dennoch wurde es auch 1983 in den von Papst Johannes Paul II. herausgegebenen CIC nicht aufgenommen. Immerhin findet sich in diesem Rechtsbuch ein Canon, der wenigstens das Recht der freien Meinungsäußerung zugesteht: „Entsprechend ihrem Wesen, ihrer Zuständigkeit und ihrer hervorragenden Stellung haben alle Gläubigen das Recht und bisweilen sogar die Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, den geistlichen Hirten mitzuteilen und sie unter Wahrung der Unversehrtheit des Glaubens und der Sitten und der Ehrfurcht gegenüber den Hirten und unter Beachtung des allgemeinen Nutzens und der Würde der Personen den übrigen Gläubigen kundzutun" (CIC, can 212, §3).

Knut Walf, Kirchenrechtler in Nijmegen, ist der Überzeugung, daß „das Recht der Bischöfe auf Widerspruch gegen Anordnungen des Papstes und der römischen Kurie für die Kirchenrechtler unbestreitbar, ja eine Selbstverständlichkeit und Notwendigkeit" darstelle (K.Walf, Kirchenrecht, Düsseldorf 1984,52).

Zeitgemäße Kleidung und Titulatur

Im Jahre 1905 veröffentlichte Papst Pius X. ein Schreiben, mit dem er die Privilegien der Prälaten regeln will. Darin heißt es unter anderem: „Die Prälaten Erster Klasse können bei den heiligen Handlungen die Prälatenkleidung (nämlich die Strümpfe, das Kollar, die Soutane, das seidene, links herabhängende Zingulum mit zwei ebenfalls seidenen Troddeln, den Mantel oder die Mantelletta über dem Rochett) in violetter Farbe tagen; dazu das schwarze Birett mit einer amarantroten Quaste; der Hut hat auch schwarz und von einem seidenen Band eingefaßt zu sein, das mit einer Borte im selben Rot verziert ist. Von derselben Farbe und ebenfalls aus Seide haben auch die Knopflöcher, die Knöpfe, die kleine Litze, die den Hals und die Kanten der Soutane wie des Mäntelchens schmückt, das Futter dieser beiden Kleidungsstücke sowie die Ärmelaufschläge, selbst die des Rochetts, zu sein" (Motuproprio Inter multiplices vom 21.2.1905). Diese Kleiderordnung ist bis heute offiziell gültig.

Doch damit nicht genug. Auch die Sucht nach Titeln und Ehrenzeichen vielfacher Art in der katholischen Kirche weit verbreitet. Da gibt es noch immer die „Monsignori" und die „päpstlichen Thronassistenten", die „Protonotare" (davon gibt es wiederum solche 1., 2., 3. und 4. Klasse) und die Purpurträger, die Kardinäle, die „hochwürdigen" und die „hochwürdigsten Herren", die Exzellenzen und Eminenzen. Und schließlich „Seine Heiligkeit", den „Heiligen Vater". An der Kurie sind noch überraschendere und kuriosere Titel anzutreffen. Dort finden sich „Quasten-Prälaten" (so genannt, weil sie früher das Vorrecht hatten, ihr Pferdegeschirr mit violettseidenen Quasten zu schmücken), „Palatin-Prälaten", Substituten und Signatare (zit. nach: L. Hofmann, Art. „Prälat", in: LThK Bd.8, Freiburg 21963, 86 f.).

Bei offiziellen Anlässen tragen die Bischöfe die Mitra, ursprünglich eine phrygische Zipfelmütze, die bis zur konstantinischen Wende im 4. Jahrhundert zum Ornat der höchsten Würdenträger des römischen Imperiums gehörte.

Eine Reform der römischen Kleider- und Titelordnung wäre dringend angebracht und könnte viel dazu beitragen, die Kirche und ihre Amtsträger weniger anachronistisch erscheinen zu lassen.

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