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Zu einem Priesteramtsverständnis nach dem Neuen Testament

Zu einem Priesteramtsverständnis nach dem Neuen Testament

durch Paul Wess

Auszüge aus seinem Buch EINMÜTIG. Gemeinsam entscheiden in Gemeinde und Kirche, Thaur in Österreich 1998.

1. Das Wesen des amtlichen Priestertums innerhalb des gemeinsamen und die Gründe für seine sinnvolle Aufgliederung in drei Stufen

Weil das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen nach dem Neuen Testament das grundlegende ist, kann es ein eigenes amtliches Priestertum in der Kirche nur innerhalb des gemeinsamen geben. Der Unterschied muß in einem sekundären (konsekutiven) Wesensmerkmal bestehen. Ein solcher ergibt sich aus der Notwendigkeit der Untergliederung der Kirche in Gemeinden bzw. Teilkirchen, weil in diesen authentische Verbindungsglieder eingesetzt werden müssen, die Zeichen und Werkzeug für deren Eingliederung in die Gesamtkirche und dadurch ihrer Gemeinschaft mit Jesus Christus sind. Das betrifft alle Bereiche des kirchlichen Lebens und Wirkens. Die Amtspriester bzw. Bischöfe verkörpern dabei nicht Jesus Christus im Gegenüber zur Gemeinde bzw. Teilkirche als deren »bleibendes Voraus«, sondern ihr »Geweiht-Sein« besagt, daß die Kirche in Jesus ihr »Voraus« hat. Ihnen ist daher auch die Leitung der sakramentlichen Feiern vorbehalten, die gesamtkirchliche Relevanz haben und Zusagen des Heils sind, das in Jesus Christus erschienen ist. Sie spenden nicht die Sakramente, sondern sind deren Diener, indem sie im Namen der Kirche und damit im Auftrag Christi Gott bitten, daß er durch seinen Geist das Heil wirkt. In dieser Sicht des Amtspriestertums kann auch der Diakonat als eine eigene Stufe desselben begründet werden, weil auch die Diakone für die Authentizität der Verkündigung sorgen sollen und als Leiter bestimmter sakramentlicher Feiern im Namen der gesamten Kirche handeln, also eine entsprechende Bevollmächtigung brauchen.

2. Die Differenz zwischen dem internen Leitungsamt und dem Amtspriestertum (auch wenn sie von derselben Person ausgeübt werden)

Das interne Leitungsamt in einer Gemeinde bzw. Teilkirche und in der Gesamtkirche kann und muß vom Amtspriestertum unterschieden werden (auch wenn beide von derselben Person ausgeübt werden):

– weil das Amt der Apostel im Neuen Testament – vorrangig die »Zwölf«, aber im weiteren Sinn alle Angehörigen der österlichen Urgemeinde und außerdem Paulus – nicht in der Leitung bestand (auch wenn einige diese innehatten), sondern darin, »Zeugen der Auferstehung« (Apg 1,22) zu sein. Diese fundamentale Funktion der Apostel ist unwiederholbar. Sie konnten daher auch keine Nachfolger im eigentlichen Sinn einsetzen, haben aber einzelne Glieder in den neugegründeten Gemeinden bzw. Teilkirchen beauftragt, authentische Verkünder und Interpreten des von ihnen übermittelten Evangeliums zu sein und in dieser Rückbindung an das Zeugnis der Apostel für die gesamtkirchliche Koinonia zu sorgen. Auch wenn sie dieses Amt sinnvollerweise den jeweiligen Leitern oder Ältesten übertrugen, ist es nicht identisch mit der Aufgabe der internen Leitung in bereits bestehenden Gemeinden bzw. Teilkirchen;

– weil die Mündigkeit der Gemeinden und Teilkirchen nicht ernst genommen würde, wenn ihnen der interne Leiter »vorgesetzt« würde;

– weil die Leiter nicht selbst ihr Amt in einem Weiheritus an ihre Nachfolger übertragen; das würde naheliegen, wenn der Sinn der Weihe die Weitergabe der Vollmacht zur internen Leitung wäre;

– weil die Kirche selbst bei einer Oberin (Äbtissin) in Frauenorden und bei Oberen in männlichen Laienorden sowie zumindest faktisch auf Grund des Priestermangels in Pfarrgemeinden das interne Leitungsamt personell vom Priesteramt trennt (was ein kollegiales Zusammenwirken der beiden Amtsträger erfordert);

– weil es keine Papstweihe gibt, obwohl es eine solche geben und es sich dabei um eine eigene Stufe des Amtspriestertums handeln müßte, wenn dessen Wesen die Vollmacht zur internen Leitung wäre;

– weil der Weihbischof, der Kooperator (Kaplan) und der Diakon zwar amtspriesterlich tätig sind, aber als solche keine Leitungsaufgabe haben (die Weihbischöfe nur in fiktiven Diözesen).

3. Der wechselseitige Zusammenhang zwischen der Theologie des Amtspriestertums und der Existenz von verbindlichen Gemeinden

In einer dem Neuen Testament entsprechenden Sicht des Priesteramtes repräsentiert nicht der Amtspriester Christus, sondern die Gemeinde bzw. Kirche ist der Leib Christi. Das setzt allerdings voraus, daß es verbindliche Gemeinden von im Glauben mündigen Christen gibt (die nicht erst dahin geführt werden müssen, so daß der Amtspriester ihnen noch voraus und »Gemeindeersatz« sein muß). Dafür genügen eine Säuglingstaufe und eine Kinderfirmung nicht. Daher kann das oben dargelegte Verständnis des Amtspriesters nur verwirklicht werden, wenn sich entsprechende Gemeinden bilden, die sich unter den Anspruch der Einmütigkeit im Inneren und mit der Gesamtkirche (und dadurch mit Jesus Christus) stellen. Damit wird die »Forderung« des Kirchenvolks-Begehrens nach einer »geschwisterlichen« Kirche einerseits positiv aufgegriffen (sie entspricht Mt 23,8f), andererseits zu einer »Rückforderung« an das Kirchenvolk. Beide Seiten in diesem Konflikt müssen die Rechtsfiktion aufgeben, daß alle Getauften Gläubige sind, und sich auf den mühsamen Weg einer Erneuerung der Kirche durch die Bildung entsprechender Gemeinden und – im wechselseitigen Zusammenhang – durch die Einführung einer Erwachsenentauferneuerung nach einem nachgeholten Katechumenat einlassen. Dann wird das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen als das grundlegende sichtbar werden, in dessen Dienst das besondere Amtspriestertum steht.

Das amtliche Priestertum in der Struktur der Kirche

Nach dem 2. Vaticanum:

Kirche als egalitäre Communio nur auf der jeweiligen Ebene, nicht universal.
Zusammenhalt durch die hierarchische Leitung an Christi bzw. Gottes Statt (pyramidale Struktur).
Identität von Amtspriestertum und dem Amt der internen Leitung von Gesamtkirche, Teilkirchen, Gemeinden.
Amtspriester repräsentieren Christus bzw. Gott (nach KatKK 1589 vergöttlichte Vergöttlicher).

Nach dem Neuen Testament (Mt 23,8 f):

Kirche als universale verbindliche Communio auf einer Ebene [von oben gesehen].
Zusammenhalt durch Einmütigkeit (Amtsträger deren Zeichen und Werkzeug) unter der Herrschaft Gottes.
Sachliche Unterscheidung zwischen internem Leitungsamt und Amtspriestertum [dieses hier dargestellt].
Amtspriester als authentische Verbindungsglieder zur Gesamtkirche und durch diese zu Jesus Christus.

Dr. Paul Weß,
A-6020 Innsbruck

Paul Weß, Ihr alle seid Geschwister. Gemeinde und Priester. Mainz 1983.

Paul Weß, Gemeindekirche – Ort des Glaubens. Die Praxis als Fundament und als Konsequenz der Theologie. Graz 1989, 661–668.

Paul Weß, ‘Repräsentant Christi oder Repräsentant der Gemeinschaft mit Christus? Überlegungen zum Amtsverständnis des Priesters’. In: Heiliger Dienst 45 (1991) 67–74; abgedruckt in Paul Weß, Und behaltet das Gute. Beiträge zur Praxis und Theorie des Glaubens. Mit einem Geleitwort von Kardinal Franz König. Thaur 1996, 279–286.

Paul Weß, ‘Die Stellung der Gemeinde in der Meßfeier’. Überlegungen zu AEM Nr. 62. In: Bewahren und Erneuern. Studien zur Meßliturgie Festschrift Hans Bernhard Meyer. Hg. R. Meßner – E. Nagel – R. Pacik. Innsbruck 1995 (Innsbrucker theol. Studien 42), 336–350; abgedruckt in Paul Weß, Und behaltet das Gute (s.o.), 161–177.

Paul Weß, Einmütig. Gemeinsam entscheiden in Gemeinde und Kirche. Thaur 1998, 313–506.

Paul Weß, ‘Das Taufversprechen nachholen. Ein Diskussionsanstoß’. In: Gottesdienst 32 (1998) 12f.


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