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„Ich habe gerade bei Aristoteles herausgefunden, warum einige Leute als Frauen geboren werden!"

Kann eine Frau Christus repräsentieren?

Nach der römischen Amtstheologie handelt ein Priester in persona Christi. Da Jesus ein Mann war, könne nur ein Priester Christus in der Eucharistie zeichenhaft darstellen. Was soll man mit diesem Anspruch anfangen? Werfen wir zuerst einen Blick auf den Urheber des römischen Arguments: Thomas von Aquin, und dann auf die weiteren Ausformulierungen.

Thomas von Aquin

Thomas von Aquin und mit ihm andere mittelalterliche Theologen glaubten, Frauen könnten Christus nicht repräsentieren, „da das weibliche Geschlecht keine hochrangige Stellung anzeigen kann". Dieses Argument ist hinfällig, denn es beruht auf Unwissenheit und Vorurteil.

  1. Frauen wurden für biologisch geringerwertig gehalten. In Anlehnung an die Zeugungsvorstellung des Aristoteles war Thomas der Ansicht, eine Frau komme zur Welt aufgrund eines Defektes im Zeugungsvorgang. Eine Frau sei ein „defizienter Mann". Der biologisch zweitrangige Status der Frau ergibt sich auch aus dem Glauben, dass allein der männliche Same Zeugungskraft enthalte. Die Mutter stelle lediglich ihren Schoß zur Verfügung, der dem Samen bzw. Embryo Nahrung spendet. Diese Ansicht war bei den Vätern allgemein verbreitet.
  2. Frauen standen auf einer sozial tieferen Stufe. Man war der Meinung, die Frau sei von Natur aus dem Manne unterlegen, da die menschliche Vernunft, wenn auch beiden in bestimmten Umfang gemeinsam, im Manne stärker ausgeprägt sei.
  3. Man war der Ansicht, Frauen seien in Abhängigkeit vom Mann geschaffen worden. Der Mann wurde ja als erster erschaffen. Obwohl beide, was ihre Geistnatur betrifft, Gottes Abbild seien, betrachtete Thomas den Mann doch in einem besonderen Sinne als Abbild Gottes.

Da all diese Überlegungen heute nicht mehr beweiskräftig und somit überholt sind, können Frauen ebenso wie Männer eine „hochrangige Stellung anzeigen" und also gleichermaßen Christus repräsentieren.

Kann eine Frau einen Mann repräsentieren?

In seinen jüngsten Erklärungen hat Rom den Kern seiner früheren Argumentation geändert. Nun wird betont, das Problem liege im Geschlechtsunterschied als solchem. Jesus sei ein Mann, maskulin, gewesen. Also könne nur ein Mann ihn symbolisch darstellen und anzeigen. Dieses Argument hält jedoch einer näheren Prüfung nicht stand.

  1. Zeichen Christi zu sein bezieht sich in Schrift und Tradition nicht auf eine Geschlechtsähnlichkeit, sondern auf die Person Christi als Kind Gottes. Da Frauen ebenfalls Kinder Gottes sind, können sie auch Zeichen Christi sein.
  2. Auch eine Frau kann in persona Christi handeln, denn Frauen und Männer sind in Christus gleich.
  3. Christus hat sowohl weibliche wie männliche Charakterzüge. Eine Frau kann Christus in seinen weiblichen Eigenschaften und in der weiblichen Symbolik seiner lebensspendenden Sendung besser repräsentieren.
  4. In Taufe und Eheschließung repräsentieren Frauen Christus in vollem Sinne. Als Spenderinnen dieser Sakramente handeln Frauen bereits als „alter Christus".
  5. Das Wesentliche in Christi Priestertum verlangt, Zeichen seiner Liebe, nicht seines männlichen Geschlechts zu sein. Eine Frau kann ebenso wie jeder Mann Christi Liebe anzeigen, die das Wesentliche seines Priestertums ist.

Als Schluss ergibt sich also: eine Frau kann Christus ebenso umfassend, gültig und bedeutungsvoll repräsentieren wie ein Mann.

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Übersetzung aus dem Englischen: Franz Schmalz, 76532 Baden-Baden.


 

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