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Das Priestertum Mariens

Das Priestertum Mariens

von John Wijngaards

veröffentlicht in The Tablet, Bd. 253, 4. Dezember 1999, S.1638 – 1640.

Die christliche Liebe zu Maria schloss all die Jahrhunderte unter den Päpsten, den Theologen und dem Volk die Überzeugung mit ein, dass sie eine Musterpriesterin sei. Die Tradition riskierte es, diese Sicht zu verlieren, weil sie im Gegensatz zur Frauenpriesterweihe stand. Hier sollte das nun eingehend vom Direktor des Housetop Centers für Kommunikation in London erforscht werden.

Mit unserer kurzen kirchlichen Erinnerung haben wir fast schon vergessen, dass in der Begeisterung der dogmatischen Definition der Unbefleckten Empfängnis im Jahre 1854 diese oft deshalb begründet wurde, dass Maria eine Priesterin sei. Die Tradition berief sich häufig auf die Stelle des Hebräerbriefs 7, 26: „ Ein solcher Hoherpriester war für uns in der Tat notwendig: einer, der heilig ist, unschuldig, makellos, abgesondert von den Sündern und erhöht über die Himmel." Der Prior der Benediktiner Jacques Biroat schrieb 1666, dass sich Paulus´ Begründung im Heb.7,26 auf die Mutter Christi bezog. Sie hat Teil am Priestertum ihres Sohnes und ist der Ursprung unserer Versöhnung mit Gott. Deshalb musste sie vollkommen unbefleckt und abgesondert von den Sündern sein. Sie musste von der Erbsünde ausgenommen sein. Maria wurde unbefleckt empfangen, weil sie ein Priester ohne jeden Makel sein musste.

Maria hat die Phantasie der Christen mehr als jede andere Person außer Jesus Christus für sich eingenommen. Generation für Generation sah in ihr die höchste Reflexion der Heiligkeit und Liebe. Katholiken verehren Maria, weil sie die Mutter Jesu ist. Sie verehren sie aber auch als seine engste Verbindung in der Erlösung, als seinen ersten Priester.

Eine Pastoralarbeiterin in Holland erweckte erst kürzlich meine Aufmerksamkeit auf ein Mosaik aus dem 6. Jahrhundert, auf welchem Maria mit Stola und Kasel dargestellt ist. Sie stieß zufällig auf diese Darstellung, als sie das Thema von Marias Besuch bei Elisabeth bearbeitete. Während des Sommers planten sie und ihr Gatte ihre Ferien. Diese führten sie in die alte Pfarrkirche von Parenzo in Kroatien und tatsächlich zeigte das Mosaik hinter dem Altar Maria in priesterlichen Gewändern, als sie die schwangere Elisabeth segnete. Aus verschiedenen Gründen, die noch später in diesem Artikel behandelt werden, wurde ihr – wie den meisten Katholiken heutzutage – die Beziehung zwischen Maria und dem Priestertum nicht klar. Jean-Jacques Olier (1608-1657), der Gründer des berühmten Seminars von St. Sulpice in Paris, hätte ihr erklären können: „Die Begrüßung der heiligen Jungfrau hatte die Wirkung der sakramentalen Taufe des Johannes im Leib der Elisabeth, sie heiligte ihn vermittelte ihm die Fülle der Gaben des Heiligen Geistes........So heiligte die gesegnete Jungfrau, als Bischof der Kirche, firmte den Sohn des hohen Priesters Zacharias, machte ihn heilig und rief durch die Ausnutzung ihrer Macht den Heiligen Geist auf ihn herab.

Alle christlichen Gläubigen haben Teil am Priestertum Christi, aber die priesterliche Rolle, die wir Maria zuschreiben, geht weit über das allgemeine Priestertum aller Gläubigen hinaus. Ferdinand Chirino de Salazar SJ (1575-1646) betete Jahrhunderte um Jahrhunderte nach, als er schrieb: „Christus, der Gesalbte, ergoss die Fülle seiner Salbung über Maria und machte sie zu einer Heiligen, einer Königin, einer Priesterin für immer. Maria empfing das Priestertum tiefer, vorzüglicher als jemals irgendjemand anderer. Denn gemeinsam mit den Priestern, die die heiligen Mysterien durchführen und zusammen mit Christus und auf dieselbe mystische Art wie er, bietet sie immer in der Eucharistie das Opfer an, gerade so wie – eins mit ihm – sie das Opfer am Kalvarienberg angeboten hatte." Die Tradition konzentrierte sich auf Maria als Opferpriesterin, ein Glaube, der in der frühen Kirche einsetzte.

Die Kirchenväter wiesen darauf hin, dass Maria einer priesterlichen Familie angehörte, wie ihre Verwandtschaft zu Elisabeth zeigt. Sie war „Arons Stab, der weiter Knospen hervorbrachte als Garantie für ein ewiges Priestertum" (Hl. Methodius). Der Legende nach hatte Maria ihre Kindheit im Allerheiligsten verbracht, wo nur die Hohenpriester einmal im Jahr Zutritt hatten. „Wer hat jemals gesehen oder davon gehört, dass eine Frau ins Allerheiligste Zutritt hatte, einem Ort, der selbst Männern verwehrt wird?" (Hl. Germanus von Konstantinopel). Die Väter nannten Maria gerne „das Heiligtum", die "Arche des Bundes", „das goldene Weihrauchsfaß" und den „Altar des Weihrauchs", um ihre priesterliche Würde anzudeuten. „Heiligste junge Frau, Opferpriesterin, weltweite Versöhnerin der Sterblichen, durch die von Ost bis West der Name Gottes verherrlicht werde unter allen Nationen und die an jedem Ort ein Weihrauchopfer seinem Namen darbringt wie der heilige Malachi sagt" (Theodore The Studite)

Marias Priestertum wurde während des Mittelalters noch viel detaillierter ausgearbeitet. Punkte der Abweichung gab es in Texten der Schrift, in welchen man Maria zuschrieb, Opferfunktionen ausgeübt zu haben. Bei der Aufopferung im Tempel z. Bsp., fungierte Maria als „eine geweihte Jungfrau, die Jesus für unsere Erlösung als annehmbares Opfer Gott anbot" wie es Bernhard von Clairvaux (1090-1153) formulierte. Ubertino von Casale (1259-1330) fügte hinzu, dass es keinen anderen Priester gäbe. Nur sie konnte Jesus anbieten und sie war, nach Jesus selbst, die größte aller Priester. Es wurde ein vertrautes Thema. „Wenn die heilige Jungfrau zum Altar kam, kniete sie nieder, erfüllt vom Heiligen Geist mehr als die Seraphine und hielt ihren Sohn in den Armen, sie bot ihn als Geschenk und für Gott annehmbares Opfer an und betete so: „Nimm allmächtiger Vater, die heilige Gabe, die ich dir anbiete für die ganze Welt. Nimm nun aus den Armen deiner Magd dieses heilige Morgenopfer an, welches dir später erneut von den Armen des Kreuzes als Abendopfer angeboten werden wird." (Hl. Thomas von Villanova, 1486 – 1555).

Viele Theologen kommentierten die Tatsache, dass Maria unter dem Kreuz stand, mit der Stellung eines Opferpriesters. Darunter finden wir den Hl. Antonius von Florenz, einen Kirchenlehrer (1389-1459). „Maria ist die Königin, die in goldener Kleidung zur Rechten Gottes steht." (Ps. 45, 14). Sie ist auch die gerechte Priesterin, weil sie ihren eigenen Sohn nicht verschonte, sondern bei seinem Kreuz stand, nicht als Gesegnete, wie Ambrosius sagt, sondern als Zeuge des Leidens und des Todes ihres Sohnes, um die Erlösung der Menschen zu erlangen, damit betraut, den Sohn Gottes für die Erlösung der Welt anzubieten." Wie F. W. Faber 1857 feststellte: „Maria war Priesterin der Menschwerdung. Sie hatte so wenig Recht vom Kalvarienberg herabzusteigen wie ein Priester das Recht hat, den Altar während des Messopfers zu verlassen."

Es ist nicht möglich, hier mehr als nur einen Vorgeschmack des Reichtums und der kontinuierlichen Tradition, die Marias Priestertum verehren, zu geben.. Ausführliche Dokumentationen von mehr als hundert repräsentativen Theologen, Bischöfen und geistlichen Autoren über 16 Jahrhunderte hinweg sind bis jetzt ins Englische übersetzt und im Internet verfügbar gemacht worden (www. womenpriests.org). Sie bewegen sich von Epiphanus II. „Ich nenne die Jungfrau Priesterin und Altar; sie, die „Tisch-Trägerin", die uns Christus geschenkt hat, das göttliche Brot zur Vergebung unserer Sünden" (8. Jahrhundert) bis zu Papst Pius IX., der schrieb: „Von seiner jungfräulichen Empfängnis bis zu seinem grausamen Tod, vereinte Maria selbst so eng verbunden mit dem Opfer ihres göttlichen Sohnes, dass sie von den Kirchenlehrern die jungfräuliche Priesterin genannt wurde." (1873). Aber wenn man Maria so beständig und zuversichtlich eine Priesterin nannte, wie steht es dann mit der Komplikation ihres weiblichen Geschlechts? Es war ein Problem, dessen sich die Tradition wohl bewusst war.

In der griechisch-römischen Kultur, die das Denken der Kirchenväter nicht weniger beherrschte wie die mittelalterlichen Theologen, war es unvorstellbar für eine Frau mit der Führungsrolle, die das Priestertum in sich trägt, betraut zu werden. Frauen wurden als den Männern unterlegen betrachtet, sowohl intellektuell als auch emotionell. Als unvollständige menschliche Wesen, konnten sie keinen öffentlichen Gottesdienst halten. Folgedessen betrachtete man sie für unfähig, geheiligte Macht auszuüben oder Christus zu repräsentieren, der, als Mann, ein vollkommenes menschliches Wesen war. Wegen ihrer monatlichen Periode waren Frauen auch ein rituelles Risiko, das man aus Angst vor Verunreinigung am besten vom Allerheiligsten fernhielt. Der theologische Rationalismus fügte noch weitere Maßnahmen dazu: Christus hatte keine Frau unter seinen Aposteln; Gott wies die Frauen als Strafe für ihre Teilhabe an der Erbsünde in Schranken; Paulus hatte den Frauen verboten zu lehren, usw.. Wie bezog sich das alles auf Maria?

Während der ersten 10 Jahrhunderte wuchs die Tradition von Marias priesterlichem Status ohne offenen Konflikt mit dem Bann gegen die Frauen, obwohl es Spannungen gab. Im 4. Jahrhundert betonte Epiphanus von Salamis, dass, wenn Maria Priesterin gewesen wäre, Jesus von ihr getauft worden wäre und nicht von Johannes dem Täufer. Das beendetet jedoch nicht die Verehrung Marias priesterlicher Würde. Aber der Widerspruch wurde erst von gesetzestreuen mittelalterlichen Gelehrten angepackt. Es war Albert der Große, Kirchenlehrer (1200-1280), der eine klassische Lösung formulierte. Maria hat nicht den sakramentalen Charakter der Heiligen Weihen empfangen, so sagt er, aber sie besitzt die Substanz des Sakramentes im Überfluss. In jeder Hierarchie besitzen die Vorgesetzten alle Macht und Würde ihrer Untergebenen. Da Maria in der Kirche den höchsten Stand hat, besitzt sie in Fülle, was immer an Würde und Macht Priester, Bischöfe und sogar der Papst besitzen.

Erkannte Albert der Große nicht, das das Folgen für einen Ausschluss der Frauen auf Grund ihres Geschlechts von den Weihen hatte? Ich denke, er wusste es. Es ist signifikant, dass er genau auf die Einwände gegen die Weihe von Frauen hörte, aber dann in Abweichung von seiner Praxis all die anderen Fragen betrachtete und es unterließ, sein eigenes Urteil darüber zu fällen. Begriff er, - obwohl gefangen in den kulturellen und theologischen Vorurteilen seiner Zeit – , dass in Maria das Verbot für Frauen wahrscheinlich entscheidend gebrochen worden wäre?

Andere Theologen folgten dem Denken Alberts auf unzählige Arten. Im einfachen Priester ist der sakramentale Charakter äußerlich, in Maria liegt er verinnerlicht. Es war der Heilige Geist selbst, der Maria im Augenblick der Empfängnis salbte. Maria hatte Teil an der priesterlichen Salbung, die Jesus empfing, dieser war der Gesalbte par excellence. Gerade weil Jesus niemals formell gesalbt wurde, obwohl er der Hohepriester für immer war, so ist Maria die größte Priesterin nach ihm ohne sakramentale Weihe.

Die Verehrung der Priesterin Maria legte offensichtlich Wert darauf, manchmal ausdrücklich zu erklären. „In Maria wurde das Hindernis ihres Geschlechts von der Autorität der Heiligen überwunden, vom Beispiel der Schrift und der Macht des Verstandes." (Antonio Vieira SJ, 1608-1697) haben wir hier nicht die Stimme der latenten Tradition: Ein Bewusstsein im Herzen des christlichen Glaubens, stark trotz aller herrschenden Vorurteile, dass Priestertum den Frauen auf Grund ihres Geschlechts nicht verweigert werden kann, weil, wenn irgend jemand Priester ist, es dann Maria ist? Die Akzeptanz der weiblichen Priester ist eine Folge der Erkenntnis, dass Maria Priesterin ist; ebenso gut wie die Antiken den Begriff des „Evangeliums des Herzens", das „Gefühl der Gläubigen" anerkannten, welche Yves Congar als lebendige Tradition beschreibt; lebendig, weil sie in den Gedanken ruht, bewusst oder unbewusst, in einer Geschichte, die Taten, Probleme, Zweifel und Widerstand, neue Beiträge aufwirft und Fragen, die eine Antwort brauchen."

Kardinal Newman erinnert uns, dass „die Absenz dogmatischer Erklärungen kein Beweis für die Absenz von Eindrücken oder bedingungslosen Urteilen in der Kirche ist. Sogar Jahrhunderte können vergehen ohne einen formellen Ausdruck einer Wahrheit, die die ganze Zeit im geheimnisvollen Leben der Gläubigen existierte."

Diskussionen über Marias Priestertum wurden zu Beginn dieses Jahrhunderts jäh beendet. Während Leo XIII 1903 noch ein Gemälde Marias in priesterlichen Gewändern billigte und akzeptierte, verbot das Heilige Offizium 1913 die Gewohnheit, Maria als Priesterin darzustellen. 1907 hatte Papst Pius X noch den Zusatz zum Gebet für 300 Tage Ablass geduldet: „Maria, jungfräuliche Priesterin, bitte für uns!"; aber 1926 erklärte das Heilige Offizium die Verehrung Mariens als Priesterin für nicht gebilligt und somit für verboten. Ist es Zufall, dass gerade zu jener Zeit die Kampagne für die Frauenpriesterweihe in anderen christlichen Kirchen zu rumoren begann?

In unseren Dachböden der vergessenen Schätze liegt also die alte Überzeugung, dass Maria, Priesterin ohne Makel, die Priester in ihren Ämtern unterstützt. Priester wandten sich gewöhnlich an sie mit ihren Sorgen und formulierten vor jeder Messe, die Intention der Opferung der Eucharistie durch Marias unbefleckte und priesterliche Hände. Der heilige Ignatius von Loyola hatte eine Vision, in der er die Heilige Jungfrau sah, die ihm besonders im Augenblick der Konsekration beistand. Priester verehrten Maria als ihr Vorbild, die erste Priesterin nach Christus. Sind wir solche Machos geworden, dass wir eine Frau nicht mehr als vorbildliche Priesterin anerkennen können?

John Wijngaards

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Übersetzung aus dem Englischen: Marianne Haderer, A 3364 Neuhofen.