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Das ordentliche universelle Lehramt

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Das ordentliche universelle Lehramt

Voraussetzungen für seine Unfehlbarkeit

Das Zweite Vatikanische Konzil gab eine genaue Beschreibung des ordentlichen universellen Lehramtes und definierte die Bedingungen, unter denen es unfehlbar lehren kann:
"Die einzelnen Bischöfe besitzen zwar nicht den Vorzug der Unfehlbarkeit; wenn sie aber, in der Welt räumlich getrennt, jedoch in Wahrung des Gemeinschaftsbandes untereinander und mit dem Nachfolger Petri, authentisch in Glaubens- und Sittensachen lehren und eine bestimmte Lehre übereinstimmend als endgültig verpflichtend vortragen, so verkündigen sie auf unfehlbare Weise die Lehre Christi. Dies ist noch offenkundiger der Fall, wenn sie auf einem Ökumenischen Konzil vereint für die ganze Kirche Lehrer und Richter des Glaubens und der Sitten sind. Dann ist ihren Definitionen mit Glaubensgehorsam anzuhangen." Lumen Gentium 25.

Aus diesem Konzilstext sowie aus anderen vorausgegangenen Texten, gehen die folgenden fünf Voraussetzungen für die Unfehlbarkeit einer Lehre hervor:

  1. Kollegiales Handeln.
    Es wird klar festgestellt, daß die Bischöfe ihre Lehrautorität in kollegialer Weise auszuüben haben.
  2. Handeln als 'Richter'.
    Die Bischöfe müssen die Freiheit haben, ihre eigene Meinung zu vertreten.
  3. Im Dienste des Glaubens der ganzen Kirche.
    Die Bischöfe haben auf das Wort Gottes und den 'sensus fidelium' zu hören.
  4. Lehrinhalte: Glaube und Moral.
    Die Lehre muß Fragen betreffen, die im Zusammenhang mit dem Glauben stehen.
  5. Ausdrückliche Erklärung als 'endgültige' Lehre.
    Die Bischöfe müssen ausdrücklich die definitive Einhaltung der Lehre verlangen.

Wir wollen diese Bedingungen nun im Detail untersuchen.

1. Voraussetzung: Kollegiales Handeln

'Die einzelnen Bischöfe besitzen zwar nicht den Vorzug der Unfehlbarkeit; Dennoch können sie die Lehre Christi in unfehlbarer Weise verkünden. Dies gilt obwohl sie über die ganze Welt verstreut sind.'

Nachdem im ersten Satz den einzelnen Bischöfen die Unfehlbarkeit zwar abgesprochen wird, wird gleich danach festgestellt, daß die Gemeinschaft Bischöfe sehr wohl unfehlbar lehren kann. Mit anderen Worten: das Kollegium der Bischöfe als solches genießt den Vorzug der Unfehlbarkeit. Wenn nun die einzelnen Bischöfe nicht unfehlbar sind, so kann es ihre bloße Summe auch nicht sein. Daher muß jede als unfehlbar definierte Lehre der Bischöfe aus einer kollegialen Ausübung ihrer Lehrautorität hervorgehen. Dies erfordert natürlich auch die Teilnahme des Papstes als Haupt des Kollegiums. Das Kollegium der Bischöfe kann nicht nur dann unfehlbar lehren, wenn es sich in einem ökumenischen Konzil versammelt, sondern auch in räumlicher Trennung über die ganze Welt verteilt. Das Problem dabei ist aber: wie kann das über die Welt verteilte Kollegium in kollegialer Weise lehren? Francis Sullivan diskutiert einige Möglichkeiten.

"Die feierliche Verkündigung einer dogmatischen Definition ist ein besonderer Akt des Lehramtes, in dem das Bischofskollegium über eine Glaubensfrage in strikter Kollegialität berät und entscheidet. Bis heute ist dies nur dann möglich, wenn sich die Bischöfe tatsächlich in einem ökumenischen Konzil versammeln. Somit folgt sich aus der Geschichte, daß sich das Bischofskollegium in einem ökumenischen Konzil versammeln muß, um diese Voraussetzung für die Unfehlbarkeit einer dogmatischen Definition zu erfüllen."
"Es erhebt sich die Frage, ob sich in Zukunft für das Kollegium der Bischöfe die Möglichkeit zu solchen streng kollegialen Beratungen und Entscheidungen ohne die Notwendigkeit der physischen Versammlung an einem Ort ergeben wird. Angesichts der jüngsten Fortschritte in der Technik der globalen Kommunikation scheint es nicht mehr ausgeschlossen, daß eine allgemeine Beratung, wie sie für eine kollegiale Entscheidung erforderlich ist, auch ohne tatsächliche Versammlung aller Bischöfe in einer Konzilsaula möglich sein könnte."
"Eine weitere Frage ist, ob eine Gruppe von Bischöfen, die von ihren Amtsbrüdern als Repräsentanten des gesamten Episkopates gewählt und beauftragt sind, in Gemeinschaft mit dem Papst die höchste Lehrautorität ausüben kann, um ein Dogma des Glaubens zu definieren. Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß in den ökumenischen Konzilien des ersten Jahrtausends der gesamte westliche Episkopat meist durch zwei oder drei Bischöfe als Gesandte des Bischofs von Rom repräsentiert wurde, scheint es nicht ausgeschlossen, daß die Autorität des gesamten Bischofskollegiums durch ein Gremium aus gewählten Repräsentanten ausgeübt werden kann. Ein solches Gremium müßte autorisiert werden, zusammen mit dem Papst Beratungen zu führen und Entscheidungen zu treffen. In dieser Hinsicht würde es sich unterscheiden von der 'Bischofssynode', die 1965 von Papst Paul VI als Beratungsorgan des Papstes mit lediglich beratender Stimme eingerichtet worden ist."
Aus: Francis A. Sullivan, Magisterium. Teaching Authority in the Catholic Church, Gill & MacMillan, Dublin 1983, S. 100-101.

Es ist zu beachten, daß wahre 'Kollegialität' nicht nur eine Diskussion des Papstes mit einzelnen Bischöfen erfordert, sondern auch eine freie Diskussion der Bischöfe untereinander.

Wir stellen fest: In Bezug auf die Frage der Frauenordination hat kein solcher kollegialer Prozeß des Weltepiskopates stattgefunden.

2. Voraussetzung: Bischöfe als 'Richter des Glaubens'

'Sie sind Lehrer und Richter des Glaubens und der Moral für die universelle Kirche ...'

Nach einem allgemeinen Prinzip der Moraltheologie und des Kirchenrechtes sind menschliche Handlungen nicht rechtsgültig, wenn sie nicht in voller menschlicher Besonnenheit und freier Entscheidung gesetzt werden.

"Bei der Vorlage einer dogmatischen Definition durch das Bischofskollegium müssen die Bischöfe ihre Funktion als 'Richter des Glaubens' (vgl. Lumen Gentium 25) in aufrichtig beratender Weise wahrnehmen. Dies schließt notwendigerweise auch die Voraussetzung ein, daß die Bischöfe die Freiheit haben, ihr persönliches Urteil zu äußern, oder mit anderen Worten: daß sie nicht unter Druck gesetzt werden, der ihnen die Freiheit der Meinungsäußerung raubt. Es ist bekannt, daß Kritiker des Ersten Vatikanischen Konzils im vorigen Jahrhundert und auch später noch diesen Druck zu spüren bekamen, dem die Bischöfe unter Papst Pius IX ausgesetzt waren und unter dem die Beratungen dieses Konzils nicht wirklich in Freiheit geführt werden konnten. Soweit mir bekannt ist, hat kein Verfechter des Ersten Vatikanums die Hauptprämisse der Auseinandersetzung bezweifelt, nämlich daß der Episkopat bei den Beratungen und Entscheidungen über eine konziliare Definition des Glaubens frei von Druck und Zwang sein muß. Das gleich gilt für das heutige Bischofskollegium."
Aus: Francis A. Sullivan, Magisterium. Teaching Authority in the Catholic Church, Gill & MacMillan, Dublin 1983, p. 101.

Wir stellen fest: Es ist legitim, die hinreichenden Kenntnisse der Bischöfe sowie ihre Freiheit im gegenwärtigen Klima innerhalb der Kirche zu hinterfragen.

(1) Wegen der energischen Unterdrückung von abweichenden theologischen Standpunkten muß bezweifelt werden, daß die sich Bischöfe in zufriedenstellendem Maße und mit entsprechenden Hintergrundinformationen aus Schrift und Tradition untereinander mitteilen können. Gewiß ist es den meisten Bischöfen auch nicht ausreichend bewußt, daß die Mehrheit der Theologen keine grundsätzlichen Einwände gegen die Frauenordination sieht.
(2) Es gibt Beweise, daß Rom massiven Druck auf Bischöfe ausgeübt hat, um sie zur Anpassung an das römische Denken zu bewegen. Bischöfen wird sowohl in der Öffentlichkeit als auch in privaten Korrespondenzen befohlen, in aller Strenge gegen Befürworter der Frauenordination aufzutreten. "Der Bischof soll seine pastoralen Fähigkeiten und seine Führungsqualitäten unter Beweis stellen durch energische Ablehnung jeder Unterstützung für Verfechter der Frauenpriesterweihe – seien es Einzelpersonen oder Gruppen – und ob sie im Namen des Fortschritts oder der Menschenrechte, aus Mitleid oder aus welchem Grund auch immer handeln" (Brief der Kongregation für die Glaubenslehre, Osservatore Romano, 13. September 1983). Derartige Aktivitäten von römischer Seite laufen auf einen moralischen Zwang hinaus, der die Eigenschaft vieler Bischöfe als unabhängige 'Richter des Glaubens' weitgehend zunichte machen kann.

Es ist einleuchtend, daß diese Bedingung auch für den Papst gilt. "Der Papst muß seine Entscheidung für eine Definition aus einem gesunden Geist heraus und frei von Zwang treffen. Anderenfalls wäre seine höchste Lehrautorität in Zweifel zu ziehen" (F. Sullivan, ib.).

3. Voraussetzung: Hören auf den Glauben der ganzen Kirche.

In Reaktion auf die Artikel des französischen Klerus aus dem Jahre 1682, denen zufolge eine unfehlbare Erklärung eines Papstes eine nachfolgende Zustimmung der Kirche erfordert, lehrte das Erste Vatikanische Konzil daß 'die Definitionen des selben Papstes aus sich heraus und nicht aufgrund einer Zustimmung der Kirche unveränderbar seien' (Pastor Aeternus, 11). Eine nachfolgende Bestätigung als Voraussetzung für Unfehlbarkeit würde in der Tat die Lehrautorität des Papstes und der Bischöfe zunichte machen.

Das bedeutet aber nicht, daß der Papst oder das Bischofskollegium einfach neue Lehren erfinden können. Nur was Teil des 'Glaubensgutes' ist, was im expliziten und impliziten Glaubensbewußtsein der ganzen Kirche mit allen ihren Gläubigen weitergegeben wurde und vorhanden ist, kann als Lehre vorgelegt werden. In diesem Sinne spricht auch das Vatikanum II.

Lumen Gentium 25(k). "Um die rechte Erhellung und angemessene Darstellung der Offenbarung mühen sich eifrig mit geeigneten Mitteln der Bischof von Rom und die Bischöfe, entsprechend ihrer Pflicht und dem Gewicht der Sache. Eine neue öffentliche Offenbarung als Teil der göttlichen Glaubenshinterlage empfangen sie jedoch nicht."

Anmerkung: Die 'geeigneten Mittel zur rechten Erhellung' umfassen offensichtlich eine freie und gründliche Untersuchung der Argumente aus Schrift und Tradition sowie die Beratung mit verläßlichen und unabhängigen Theologen, die ihre Kompetenz in dieser Sache unter Beweis gestellt haben.

Lumen Gentium 12(a). "Das heilige Gottesvolk nimmt auch teil an dem prophetischen Amt Christi, in der Verbreitung seines lebendigen Zeugnisses vor allem durch ein Leben in Glauben und Liebe, in der Darbringung des Lobesopfers an Gott als Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen (vgl. Hebr 13,15). Die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen haben (vgl. 1 Joh 2,20.27), kann im Glauben nicht irren."

Lumen Gentium 35(b) "Christus .... erfüllt bis zur vollen Offenbarung der Herrlichkeit sein prophetisches Amt nicht nur durch die Hierarchie, die in seinem Namen und in seiner Vollmacht lehrt, sondern auch durch die Laien. Sie bestellt er deshalb zu Zeugen und rüstet sie mit dem Glaubenssinn (sensus fidei) und der Gnade des Wortes aus (vgl. Apg 2,17-18; Offb 19,10), damit die Kraft des Evangeliums im alltäglichen Familien- und Gesellschaftsleben aufleuchte."

Anmerkung: Der Papst und die Bischöfe haben den sensus fidei zu beachten, d.h. das Glaubensbewußtsein, wie es die einfachen Gläubigen spüren und erleben, die ja Anteil am prophetischen Amt der Kirche und ihrer Irrtumsfreiheit haben.

Dei Verbum 10 (d). "Das Lehramt ist nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist, weil es das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft."

Anmerkung: Der Papst und die Bischöfe sind in ihrem Lehramt vom Glauben der Kirche abhängig. Zitat von F. Sullivan: "Es ist jedoch wichtig zu beachten, daß das Erste Vatikanische Konzil zwar die rechtliche Abhängigkeit päpstlicher Definitionen von einer Zustimmung des Episkopates ausschließt, nicht aber ihre reale Abhängigkeit vom Glauben der Kirche, was auch gar nicht möglich wäre. Denn der Papst [und die Bischöfe] können nur Inhalte der Offenbarung als Dogma des Glaubens definieren. Nun sagt Dei Verbum, daß 'Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift diesen einen der Kirche überlassenen heiligen Schatz des Wortes Gottes bilden' (Dei Verbum 10) und daß es die Kirche ist, die 'in Lehre, Leben und Kult diesen Schatz weiter bewahrt und allen Geschlechtern übermittelt' (Dei Verbum 8). Wenn nun der Papst, bevor er etwas als göttlich geoffenbart definieren kann, 'auf das Wort Gottes hören muß' und wenn dieses Wort Gottes 'der Kirche anvertraut' ist (Dei Verbum 10) und in 'Lehre, Leben und Kult' weitergegeben wird (Dei Verbum 8), so folgt daraus, daß auch der Papst vor der Festlegung eines Dogmas auf die Kirche hören muß und daß er nur etwas im Glauben der Kirche bereits Vorhandenes als Dogma definieren kann. Der Papst hat keine Offenbarungsquelle, die vom Glaubensleben der Kirche unabhängig ist. Wie das Erste Vatikanum bereits erklärt hat, ist ihm der Heilige Geist zugesagt, aber nicht in der Weise, daß er ihn zu neuen Lehren inspirieren würde, sondern daß er mit seiner Hilfe über die von den Aposteln her überlieferte Offenbarung wache und sie verdeutliche. Daraus folgt, daß der Papst und die Bischöfe nicht einfach ein Dogma definieren können, ohne vorher in wahrhaftiger Weise den Glauben der Kirche befragt zu haben, denn sie können nur etwas, was in der Lehre, im Leben und im Glauben der Kirche überliefert worden ist, als Dogma definieren." (Magisterium, ib. S. 103-104).
"Das Zweite Vatikanische Konzil hat zu seinen Formulierungen der Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit auch einige Klarstellungen hinzugefügt, die beim Ersten Vatikanum an Bischof Gasser zur Behandlung in seiner erläuternden relatio überlassen worden waren: (1) das Konzil unterscheidet ausdrücklich zwischen dem Papst als universellem Lehrer und als Privatperson; (2) es nennt die Notwendigkeit für den Papst, geeignete Mittel der Untersuchung anzuwenden und - was besonders wichtig erscheint - (3) es erhebt den Anspruch, daß bei korrekter Ausübung des außerordentlichen Lehramtes die Zustimmung der gesamten Kirche niemals fehlen kann." Richard R. Gaillardetz, Teaching with Authority, A Theology of the Magisterium in the Church, Liturgical Press, Collegeville 1997, S. 219.

Wir stellen fest: Wie es scheint, haben weder der Papst noch die Bischöfe den Glauben der Kirche in angemessener Weise berücksichtigt.

(1) Ein großer Teil der Gläubigen ist zutiefst überzeugt, daß es in unserer christlichen Tradition keine stichhaltigen Gründe für die Ausschließung von Frauen vom geistlichen Stand geben kann. Trotz des Widerstandes aus Rom nimmt diese Überzeugung zu, vor allem in Ländern, wo das gläubige Volk Zugang zu einer besseren theologischen Bildung hat.
(2) Die überwiegende Mehrheit der unabhängigen Theologen ist der Überzeugung, daß das Verbot des Frauenpriestertums weder aus der Heiligen Schrift noch aus der Tradition zu rechtfertigen ist. Diese Überzeugung wird klar ausgesprochen, auch entgegen den Versuchen Roms, die widersprechenden Theologen zum Schweigen zu bringen.

4. Voraussetzung: Lehrinhalte Glaube und Moral

Das 'ordentliche universelle Lehramt' kann nur solche Inhalte, die zum Schatz des Glaubens gehören oder mit dem Glauben zusammenhängen, als unfehlbar lehren.

Der Zweck des unfehlbaren Lehrens wurde in verschiedenen Konzilien beschrieben:


Die Theologische Kommission des Zweiten Vatikanischen Konzils erläuterte diesen Text wie folgt: 'Der Zweck der Unfehlbarkeit der Kirche umfaßt den geoffenbarten Glaubensschatz; damit sind alle Dinge – und nur diese – umfaßt, die entweder direkt Teil der Offenbarung sind oder die zur religiösen Bewahrung und Auslegung dieses Glaubensschatzes notwendig sind ...' (Acta Synodalia Concilii Vaticani II, III/I, S. 251.)

Wir stellen fest: Es spricht vieles dafür, daß die Frage der Ordination oder Nicht-Ordination von Frauen als Streitfrage zu betrachten ist, die nicht in den Gültigkeitsbereich der unfehlbaren Lehrautorität fällt.

Jesus Christus hatte die Vision der Errichtung des 'Reiches seines Vaters' auf Erden. Unter Theologen besteht Übereinstimmung darüber, daß er nicht direkt die Gründung der institutionellen Kirche, wie wir sie heute kennen, beabsichtigt hat. Gewiß hat er nicht die Strukturen der Institution im Detail entworfen. Das Weihesakrament erhielt seine heutige Form in Reaktion auf einen kulturellen Druck in zeitgebundener Umgebung. Siehe dazu: Kerkelijke Ambt, von E. Schillebeeckx, Overveen 1980.
Die Glaubenskongregation hat keinerlei überzeugenden Argumente hervorgebracht, welche zeigen, daß das Geschlecht als Voraussetzung für die Weihe Teil geoffenbarten Lehre sei oder zwangsläufig dazugehört. Edward Schillebeeckx OP sagt, daß die Unfehlbarkeit der Erklärung über die Frauenordination dogmatisch unmöglich ist, weil es sich um eine Sache der kirchlichen Ordnung handelt, nicht aber den Kern unseres Glaubens berührt (National Catholic Reporter, 8. Dezember 1995).

5. Voraussetzung: Ausdrückliche Erklärung als endgültige Lehre

Damit die Bischöfe ihr unfehlbares ordentliches Lehramt ausüben können, müssen sie darin übereinstimmen, daß ihre Vorlage einer besonderen Lehre 'endgültig zu befolgen' sei (tamquam definitive tenendam) (Lumen Gentium 25d). Zur Zeit des Konzils wurde dieser Ausdruck erklärt wie folgt: 'Die Bischöfe definieren eine Lehre als endgültig zu befolgen, wenn sie mit dem höchsten Grad ihrer Autorität die Gläubigen zur endgültigen Zustimmung verpflichten.'

In seinem Kommentar zu diesem Absatz von Lumen Gentium weist Karl Rahner auf die Bedeutung dieser Voraussetzung hin:

'Der Text stellt ausdrücklich fest, daß die Unfehlbarkeit des ordentlichen Lehramtes... nur dann gegeben ist, wenn der gesamte Weltepiskopat einstimmig einen Gegenstand des Glaubens oder der Moral vorlegt, der 'endgültig zu befolgen' ist (tamquam definitive tenendam). Eine absolut strenge und unumkehrbare Zustimmung muß ausdrücklich verlangt werden.... Daher ist nicht jede Lehre, die der gesamte Episkopat einstimmig vertritt, aus sich heraus unfehlbar, selbst dann nicht, wenn sie Glaubens- oder Moralfragen behandelt. Im Entwurf vom 10. November 1962, Nr. 30, S. 29-31 war die Klausel tamquam definitive tenendam, welche für die Beurteilung der Absicht des endgültigen Textes von größter Bedeutung ist, nicht enthalten. Lediglich die so beschlossene Einmütigkeit ist ein Kriterium für die Unfehlbarkeit der vorgelegten Lehre. Der Text geht nicht ein auf die schwierige Frage, die jederzeit auch praktische Konsequenzen haben kann, wie diese besonders bezeichnete Einmütigkeit von den Gläubigen, die ja dann zum Glauben verpflichtet sind, festgestellt werden kann.' Karl Rahner, Commentary on the Documents of Vatican II, New York 1965, S. 210-211.
Rahner erläutert diese Frage auch in seinem Artikel 'Das Lehramt' in Sacramentum Mundi:
'Wenn ein Dogma durch das ordentliche Lehramt des gesamtes Episkopates, aber ohne konziliare oder päpstliche Definition - was durchaus möglich ist - gelehrt werden soll, so genügt es nicht, daß sie in moralischer Einmütigkeit vom gesamten Episkopat vorgelegt wird. Darüber hinaus ist die ausdrückliche Erklärung der Lehre als 'tamquam definitive tenendam' (Lumen Gentium 25) erforderlich. Die bloße de-facto-Universalität der kirchlichen Glaubenslehre ist also nicht ausreichend. In der Vergangenheit wurde vielfach angenommen, daß eine kirchliche Lehre unveränderbar sei, nur weil sie eine längere Zeit hindurch allgemein gelehrt wurde, ohne auf besonderen Widerspruch zu stoßen. Diese Sicht ist grundsätzlich nicht stichhaltig, denn ihr steht die Tatsache entgegen, daß viele einst allgemein befolgte Lehren sich als problematisch oder fehlerhaft herausgestellt haben.' Cf. Magisterium, Sacramentum Mundi , Herder and Herder, New York - Dublin, Bd. III, S. 356.

Wir stellen fest: Das Kollegium der Bischöfe hat das Verbot der Frauenordination nicht als endgültig zu befolgende Lehre vorgelegt.

Einwand: Kann Rom nicht im Namen aller Bischöfe sprechen?
Antwort: Nein. Das heißt, nicht so lange Rom die Bischöfe nicht in wahrhaft kollegialer Weise konsultiert, damit sie in Ausübung ihrer kollegialen Verantwortung, in voller Kenntnis der Fakten und ohne moralischen Druck die Frage entscheiden und ihre eigenen Standpunkte offen darlegen können.

Schlußfolgerung

Das ordentliche universelle Lehramt hat nicht mit unfehlbarer Lehrautorität entschieden, daß Frauen von der Priesterweihe auszuschließen seien, weil keine der wesentlichen Voraussetzungen erfüllt sind:

Es gilt daher das theologische Prinzip, daß "keine Lehre als unfehlbar definiert zu verstehen ist, es sei denn sie ist klar als solche festgelegt." Canon 749, 3.

Lesen Sie auch über die Zurückweisung der Unfehlbarkeitsansprüche der Glaubenskongregation durch führende Theologen in aller Welt.

John Wijngaards

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Übersetzung aus dem Englischen: Michael Mayr, A-4020 Linz