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Kritische Bewertung von ‘Ordinatio Sacerdotalis’ durch führende Theologen

Iwouldwanttobeapriest

Kritische Bewertung von ‘Ordinatio Sacerdotalis’ durch führende Theologen

In ‘Ordinatio Sacerdotalis’ erhebt Rom den Anspruch, daß der Ausschluß von Frauen von der Priesterweihe durch das ‘ordentliche universelle Lehramt’ unfehlbar entschieden worden ist.

Führende Theologen aus aller Welt haben diesen Anspruch zurückgewiesen.

  1. Catholic Theological Society of America
  2. Nicholas Lash, Professor für Theologie, Universität Cambridge, UK
  3. Francis A. Sullivan SJ, emer. Professor, Gregorianische Universität Rom
  4. Elizabeth A. Johnson, C.S.J., Professorin für Theologie, Universität Fordham, New York, USA
  5. Gisbert Greshake, Professor für Theologie, Universität Freiburg, Deutschland
  6. Ann O'Hara Graff, Professorin für Theologie, Universität Seattle, Washington, USA
  7. Peter Hünermann, Professor für Theologie, Universität Tübingen, Deutschland
  8. Sidney Cornelia Callahan, Pastoraltheologin, USA
  9. David Knight, Pastoraltheologe, Memphis, USA
  10. Richard Gaillardetz, ao. Professor, Universität St. Thomas, Houston, USA
  11. Klaus Nientiedt, „Wie verbindlich? “, Herder Korrespondenz 9 (1996) S. 461-466.
  12. Links zu weiteren kritischen Bewertungen im Internet

1. Die Catholic Theological Society of America

In Reaktion auf 'Ordinatio Sacerdotalis' hat die Catholic Theological Society of America eine eigene Gruppe zur Untersuchung dieser Frage eingesetzt. Diese Gruppe hat einen Bericht mit dem Titel ‘Tradition and the Ordination of Women’ (= Tradition und Frauenordination) erstellt, in dem der Schuß gezogen wird, daß 'Ordinatio Sacerdotalis' im Irrtum ist in Bezug auf den Autoritätsanspruch dieser Lehre und ihrer Begründung aus der Tradition. Die Generalversammlung der Catholic Theological Society of America hat am 6. Juni 1997 die folgende Resolution verabschiedet:

"Es bestehen gewichtige Zweifel in Bezug auf die Natur der Autorität der Lehraussage [daß die Kirche nicht die Autorität hat, Frauen die Priesterweihe zu erteilen, ist eine Wahrheit, die in unfehlbarer Weise gelehrt wird und von den Gläubigen endgültig anzunehmen ist] und ihrer Begründung aus der Tradition. Es gibt weithin ernsthafte Widersprüche zu dieser Frage, nicht nur unter Theologen, sondern auch innerhalb der gesamten Gemeinschaft der Kirche... Die Notwendigkeit weiterer Studien, Diskussionen und Gebete zu dieser Frage unter Beteiligung aller Gläubigen mit all ihren besonderen Gaben und Berufungen liegt auf der Hand, wenn die Kirche vom Geist geführt der authentischen Tradition treu bleiben soll." Die Resolution wurde in einer geheimen Abstimmung mit 216 Ja-, 22 Nein-Stimmen und 10 Stimmenthaltungen angenommen.

2. Nicholas Lash, Professor für Theologie, Cambridge

Nicholas Lash stellt fest, daß Rom für den Anspruch in Ordinatio Sacerdotalis keine stichhaltigen Argumente aus der Heiligen Schrift oder aus der Tradition hat. Auch wenn man seinen Standpunkt mit einer Aura von 'Unfehlbarkeit' umgibt, so kann man nicht über Fehler hinwegtäuschen.

Nicholas Lash ist Autor zahlreicher Bücher. Hier eine Auswahl:
* Theology on Dover Beach (= Theologie am Strand von Dover) (1979)
* Theology on the Way to Emmaus (= Theologie auf dem Weg nach Emmaus)
* Voices of Authority (= Stimmen der Autorität)
* Newman on development : the search for an explanation in history (= Newman über Entwicklung: Die Suche nach einer Erklärung in der Geschichte)
* A matter of hope : a theologian's reflections on the thought of Karl Marx (= Eine Frage der Hoffnung: Reflexionen eines Theologen über das Denken von Karl Marx)
* Change in focus; a study of doctrinal change and continuity (= Veränderung im Blickpunkt; eine Untersuchung der Veränderungen und der Kontinuität in der Dogmatik)
* Banking Laws and Regulations : An Economic Perspective (= Gesetzmäßigkeiten und Regeln im Bankwesen: Ein Ausblick in die Wirtschaft) (1987)
* Easter in Ordinary : Reflections on Human Experience and the Knowledge of God (= Ostern im Alltag: Reflexionen über menschliches Erleben und Gotteserfahrung ) (1990)
* Believing Three Ways in One God : A Reading of the Apostles' Creed (= Glaube an drei Wesen in einem Gott: Eine Auslegung des apostolischen Glaubensbekenntnisses) (1993)
* The Beginning and the End of 'Religion' (= Anfang und Ende von 'Religion') (1996)
"Weder der Papst noch Kardinal Ratzinger können eine Lehre als 'auf dem geschriebenen Wort Gottes begründet' lediglich durch die Feststellung einer solchen Begründung erklären. Auch können sie sie nicht durch eine Behauptung zu einer Sache machen, die "in der Tradition der Kirche unverändert bewahrt und praktiziert" wurde. Der Versuch, die Lehre über die Unfehlbarkeit, welche auf die Fundamente und den Charakter des katholischen Vertrauens in die offizielle Lehre hinweisen soll, ins Spiel zu bringen, ist ein zu stumpfes Instrument, um das Reifen einer Frage im katholischen Bewußtsein zu unterbinden. Weiters ist dies ein skandalöser Machtmißbrauch, als dessen bedenklichste Folge eine weitere Aushöhlung der Autorität, die der Papst aufrechtzuerhalten versucht, sein wird."
VOLLSTÄNDIGER TEXT: Nicholas Lash: ‘On Not Inventing Doctrine’ (= 'Lehre nicht erfinden'), The Tablet, 2. Dez. 1995, S. 1544.

3. Francis A. Sullivan SJ, emeritierter Professor an der Gregorianischen Universität Rom, Professor am Boston College.

Sullivan ist die führende theologische Autorität zum Thema Lehramt. Aus seinen Werken:
Magisterium: Teaching Authority in the Catholic Church (= Lehramt: Lehrautorität in der katholischen Kirche) (Paulist, 1983)
Creative Fidelity: Weighing and Interpreting Church Documents (= Schöpferische Treue: Abwägung und Interpretation von kirchlichen Dokumenten) (Paulist, 1996).

(a) Im Dezember 1995 brachte Sullivan starke Einwände gegen den von der Glaubenskongregation erhobenen Anspruch der 'Unfehlbarkeit' vor. Seine Hauptgründe waren die Nichterfüllung der Bedingungen für die Unfehlbarkeit einer Lehraussage.

"Es bleibt die Frage, ob die Bischöfe der katholischen Kirche von diesen Gründen [gegen das Frauenpriestertum] ebenso überzeugt sind wie es Papst Johannes Paul offensichtlich ist, und ob sie in Ausübung ihrer Funktion als Richter und Lehrer des Glaubens immer einmütig waren in der Lehre, daß der Ausschluß von Frauen vom Priesteramt eine von Gott geoffenbarte Wahrheit und damit für alle Katholiken verbindlich sei. Wenn dies nicht offenkundig der Fall ist, so ist es mir unverständlich, wie man sicher sein kann, daß die Verkündigung dieser Lehre durch das ordentliche und universelle Lehramt unfehlbar sei." VOLLSTÄNDIGER TEXT: The Tablet 23, 30. Dez. 1995, S. 1646.

(b) Im September 1997 kritisierte Sullivan den Sekretär der Glaubenskongregation, Erzbischof Bertone, wegen dreier unbegründeter Annahmen: 1. daß eine Lehre durch eine bloße Erklärung des Papstes als unfehlbare Lehre des ordentlichen universellen Lehramtes bestätigt werden kann; 2. daß alle Wahrheiten, welche 'sicher wahr und unzweifelhaft' sind, zum Gegenstand der Unfehlbarkeit gehören; und 3. daß für einen Konsens des internationalen Kollegiums der Bischöfe auch ein Konsens aus der Vergangenheit ausreichend sei. Es ist wirklich erstaunlich, wie jemand, der mit so großer Verantwortung in der täglichen Arbeit des römischen 'Lehramtes' betraut ist, derartige theologische Böcke schießt.

"Die Frage, ob eine Lehre unfehlbar ist, ist nicht eine Sache der Lehre, sondern eine Frage der Tatsache, welche 'offensichtlich feststehen' muß (Canon 749 §3). Was nun 'offensichtlich feststehen' muß, wenn der Anspruch erhoben wird, daß eine Lehre in unfehlbarer Weise durch das ordentliche universelle Lehramt gelehrt wird, ist, daß die Lehre als für die Gläubigen verbindlich und definitiv zu halten nicht nur vom Papst sondern ebenso von der gesamten Gemeinschaft der Bischöfe vorgelegt wird. Es ist mir unverständlich, wie man sagen kann, daß eine päpstliche Erklärung aus sich selbst und ohne jedes weitere Zeugnis ausreichen würde, um diese Tatsache zu begründen." VOLLSTÄNDIGER TEXT: Theological Studies, Bd. 58, Sept. 1997, S. 509-515.

4. Elizabeth A. Johnson, C.S.J., Professorin für Theologie an der Fordham University, New York

Elizabeth A. Johnson, C.S.J., ist Autorin zahlreicher Bücher, darunter die folgenden:
* Consider Jesus: Waves of Renewal in Christology (= Nachdenken über Jesus: Welle der Erneuerung in der Christologie) (1992);
* Women, Earth and Creator Spirit (= Frauen, Erde und Schöpfergeist) (1993);
* She Who Is: The Mystery of God in Feminist Theological Discourse (= Sie, die sie ist: Das Geheimnis Gottes im feministisch-theologischen Diskurs) (1993);
* How to Paint Miniatures (= Wie man Miniaturen malt) (1994);
* Pauline Theology: Looking Back, Pressing On (= Paulinische Theologie: Rückblick und Vorwärtstreiben) (Hrsg., 1997);
* Friends of God and Prophets: A Feminist Theological Reading of the Community of Saints (= Freunde Gottes und Propheten: Eine feministisch-theologische Deutung der Gemeinschaft der Heiligen) (1998)
.

Elizabeth Johnson stellt fest, daß keine der drei Begründungen Roms – aus Schrift, Tradition und Theologie – einer genaueren Prüfung standhält. Verantwortungsvolle Theologen haben die Pflicht, ihre Einwände auszusprechen, wie sehr sie auch das Lehramt respektieren.

"Die [von Rom] vorgelegten Begründungen halten nicht stand, wenn man versucht, sie in Erwägung zu ziehen. Nach traditioneller katholischer Lehre ist die menschliche Urteilsfähigkeit nicht frei, anders als unser Wille. Aufrichtig zustimmen können wir nur zu etwas, was sich unserem Geist als wahr darstellt: "Die Wahrheit erhebt ihren Anspruch nicht anders als kraft ihrer Wahrheit selbst, die sanft und zugleich stark den Geist durchdringt" (Zweites Vatikanisches Konzil, Erklärung über die Religionsfreiheit, 1). Wenn eine Lehre oder Praxis fehlgeht und andauernd unserem Geist zuwider läuft wie im vorliegenden Fall, so liegt es in unserer Verantwortung, die Gründe zu erforschen und auszusprechen. Dieser Widerstand ist nicht gleichzusetzen mit Treulosigkeit oder Rebellion, ganz zu schweigen von fehlendem Glauben, sondern mit einer Form von Loyalität und Dienst." VOLLSTÄNDIGER TEXT: Commonweal, Bd.123, 26. Jan. 1996, S. 8-10.

5. Gisbert Greshake, Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Freiburg, Deutschland

Eine Auswahl aus den Büchern von Gisbert Greshake:
* Gottes Heil, Glück des Menschen: Theologische Perspektiven (1983)
* Die Neuzeit (1989)
* Priestersein (1991)
* Resurrectio Mortuorum (1991)
* Geschenkte Freiheit (1992)
* Die Gegenwart (1993)
* Erlöst in einer unerlösten Welt (1995)
* Quellen geistlichen Lebens (with others, 1995-1996)
* Der dreieine Gott. Eine trinitarische Theologie (1997)
* An dem dreieinen Gott glauben. Ein Schlüssel zum Verstehen (1998)
* Die Wüste bestehen. Erlebnis und geistliche Erfahrung (1999).

Gisbert Greshake sagt über sich selbst, daß er offen sei in Bezug auf die Priesterweihe von Frauen. Den Anspruch von 'Ordinatio Sacerdotalis', daß diese Frage durch das ordentliche universelle Lehramt unfehlbar entschieden worden sei, lehnt er scharf ab.

VOLLSTÄNDIGER TEXT: Pastoralblatt 48 (1996) 56.

6. Ann O'Hara Graff, Professorin für Theologie an der Universität Seattle, Washington, USA.

Ann O'Hara Graff ist Herausgeberin von In the Embrace of God: Feminist Approaches to Theological Anthropology (= In der Umarmung Gottes: Feministische Annäherungen an die Theologische Anthropologie) (1995)

In ihrem Überblick über die Unzulänglichkeiten der Ansprüche von 'Ordinatio Sacerdotalis' richtet Ann O’Hara Graff besonderes Augenmerk auf die geschichtliche Entwicklung der Priesterweihe. Wie andere Institutionen der Kirche war sie nicht Teil der Absichten Jesu, sondern ist aus dem Glauben an den auferstandenen Herrn hervorgegangen. Auch die römische Sicht ihrer autoritativen Rolle gehört zu einer hierarchischen Kultur des Mittelalters.

"Die Identifikation der obersten Lehrautorität mit dem Amt des Papstes entspricht mittelalterlichen Begriffen von Hierarchie, in denen das Haupt der Hierarchie als Summe der Glieder gesehen wird (eine völlig andere Sicht als bei den Mitgliedern eines demokratischen Systems) ... Der Papst wird verstanden als Sprecher des Glaubens der gesamten Kirche, der niemals gegen den Glauben der Kirche sprechen wird... Wie jemand zur Proklamation der päpstlichen Unfehlbarkeit steht, unterliegt nicht der Willkür, sondern ergibt sich aus einem bestimmten kulturellen Verständnis von Hierarchie, das einst als anerkannte Norm gegolten hat. Die Betonung dieser Rolle in einer Zeit (1870), als Hierarchien in ganz Europa endgültig zusammenbrachen, ist einer der Widersinnigkeiten der Geschichte" VOLLSTÄNDIGER TEXT: U.S. Catholic, Bd.61, April 1996, S. 6-11.

7. Peter Hünermann, Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen, Deutschland

Die folgenden Bücher sind eine Auswahl aus Peter Hünermanns Publikationen:
* Streitgespräch um Theologie und Lehramt (1991)
* Wissenschaft, kulturelle Praxis, Evangelisierung (1993)
* Das neue Europa (1993)
* Demokratie (1993)
* Armut (1993)
* Jesus Christus, Gotteswort in der Zeit. Eine systematische Christologie (1994)
* Ekklesiologie im Präsens. Perspektiven (1995)
* Gott, ein Fremder in unserm Haus? Die Zukunft des Glaubens in Europa (1996)
* Diakonat. Ein Ambt für Frauen in der Kirche (with others, 1997)
* Papstamt und Ökumene. Zum Petrusdienst an der Einheit aller Getauften (1997)
* Und dennoch . . . (1998)
* Das Zeite Vatikanum. Christlicher Glaube im Horizont globaler Modernisierung (1998)

In seinem Buch 'Frauenordination. Stand der Diskussion in der katholischen Kirche' (Hrsg. Walter Gross, Erich Wewel Publikationen, München 1996) gibt Peter Hünermann in drei Kapiteln eine Beurteilung der römischen Position (siehe S. 83-96, 120-127, 129-146). Er weist die auf Schrift Tradition und Theologie gestützten Begründungen Roms zurück. Er zeigt sich überrascht und bestürzt über den Anspruch einer 'unfehlbaren Entscheidung durch das ordentliche universelle Lehramt'. Schließlich erwägt er die Notwendigkeit einer weiteren 'Läuterung' im Verständnis des Lehramtes, insbesondere deswegen, weil es so oft fehlgegangen ist – wie auch jetzt im vorliegenden Fall.

“Die geschichtliche Erfahrung, die die Kirche mit ihrer eigenen Treue zum Evalgelium gemacht hat, weist aus, dass sie durch zahlreiche Brüche, Verstellungen gekennzeichnet war. Zwar gilt, dass die Gesamtkirche den Glauben nicht slechthin verloren hat. Der Geist hat sie in der Wahrheit des Evangeliums gehalten. Dies bedeutet aber nicht, dass er sie vor zahlreichen Irrungen und Wirrungen geschützt hätte. Die Verheißung des Geistes bezieht sich für die Gesamtkirche offentsichtlich auf die zentralen und fundamentalen Glaubenswahrheiten. Von hier aus hat die Kirche - kraft des Beistandes des Geistes und dank des Einsatzes von vieler heiligmäßiger Männer und Frauen - immer wieder den Ansatz gefunden, sich von Abwegen und Irrwegen zu distanzieren und sich zu erneuern. [Dieselbe Begrenzung bezieht sich auch auf die infallibilitas der Kirche.]” VOLLSTÄNDIGER TEXT: Frauenordination, S. 145-146.

8. Sidney Cornelia Callahan, Pastoraltheologin, USA

Sidney Cornelia Callahan hat mehrere Bücher über Pastoral geschrieben, darunter die folgenden:
* The Magnificat: The Prayer of Mary (= Das Magnificat: Das Gebet Marias)
* Parenting: Principles and Politics of Parenthood (= Eltern sein: Prinzipien und Politik der Elternschaft)
* The Working Mother. (= Die arbeitende Mutter)

Sidney Callahan spricht für Millionen von KatholikInnen, wenn sie ihre Frustration über die theologische und pastorale Gefühlslosigkeit Roms zum Ausdruck bringt. Es zählen eben nicht nur die theologischen Argumente. Sie weiß aus innerer Überzeugung heraus, daß die Frauenordination den Absichten Gottes (oder Christi) nicht zuwiderläuft. Um den Einspruch deutlicher zu machen, hat sie ihren Protest als persönlichen Brief an Kardinal Ratzinger formuliert:

"Die Widersprüche und Folgewidrigkeiten in ihrem Standpunkt erklären, warum die meisten katholischen Theologen und sogar einige Bischöfe zu dem Schluß gelangt sind, daß es die Treue zum Heiligen Geist verlangen würde, jetzt Frauen zu weihen. Der amerikanische Laienstand stimmt damit überein. Nach vierzig Jahren voll Gebet, Studium, Gottesdienst und Meditation zu dieser Frage bin ich im Gewissen überzeugt, daß es Gottes Wille ist, daß Frauen geweiht werden sollten. In dieser Sackgasse wird Ihre Instruktion, die ich meinem Gewissen und meinem Glauben gegenüberstelle, und das, was Sie als wahr definieren, psychologisch unmöglich, praktisch ein moralischer Selbstmord. Ich kann nicht anders als aufrichtig darauf zu vertrauen, was mir mein Glaube, meine Vernunft, mein Herz, der Rat von Fachleuten und die Lebenserfahrung sagen über Wahrheit und Übereinstimmung mit dem Willen Christi für seine Kirche." VOLLSTÄNDIGER TEXT: Commonweal, Bd. 123, 9. Feb. 1996, S. 6-7.

9. David Knight, Pastoraltheologe in Memphis, USA

P. David Knight ist Pastoraltheologe und Seelsorger in der Gemeinde Sacred Heart in Memphis, Tennessee. Er ist bekannt durch seine populären und praktischen Bücher, darunter die folgenden:
* His Way (= Sein Weg) (1981, 1997)
* Cloud by Day/ Fire by Night (= Wolke am Tag, Feuer in der Nacht) (1985)
* Confession Can Change Your Life (= Beichte kann dein Leben verändern) (1985)
* His Word, Letting it Take Root and Bear Fruit in our Lives (= Sein Wort, laßt es Wurzeln schlagen und Früchte tragen in unserem Leben)(1986, 1998)
* Best True Ghost Stories of the 20th Century (= Die besten wahren Gespenstergeschichten des 20. Jahrhunderts) (1986)
* Lift Up Your Eyes to the Mountains. A Guide to the Spiritual Life (= Erhebe deine Augen zu den Bergen. Eine Anleitung zum spirituellen Leben) (1988)
* Make Me a Sabbath of Your Heart (= Mache mir einen Sabbat deines Herzens) (1988)
* Mary in an Adult Church: from Devotion to Response (= Maria in einer erwachsenen Kirche: von der Frömmigkeit zur Antwort) 1988)
* Blessed are They: Call to Conversion (= Gesegnet sind sie: Aufruf zur Bekehrung) (1988)
* Chastity Who Lives It? The Baptized Christian’s Call to Conversion (= Keuschheit – wer lebt sie? Aufruf an die getauften Christen zur Bekehrung ) (1990)
* Good News About Sex (= Gute Nachrichten über Sex) (1991)
* Armchair Retreat (= Einkehr im Lehnstuhl) (1994)
* Reaching Jesus: Five Steps to a Fuller Life (= Jesus erreichen: Fünf Schritte zu einem volleren Leben) (1997)
* I Can Read about Alligators and Crocodiles (= Ich kann über Alligatoren und Krokodile lesen) (1999)
* Living God’s Word (= Das Wort Gottes leben) (1999)

David Knight bezeichnet die Pastoral als sein Hauptanliegen und will vermeiden, daß Katholiken, welche die römische Erklärung zur Frauenordination ablehnen, aus der Kirche vertrieben werden. Er erläutert, daß 'Ordinatio Sacerdotalis' nicht unfehlbar ist, trotz der Irreführung durch die Sprache der Glaubenskongregation oder durch die Kommentaren mancher Bischöfe. Er schließt mit einer Warnung.

"Angenommen wir lassen Katholiken bei ihrem Eindruck, der ihnen jetzt vermittelt wird - ob vorsätzlichlich oder nicht - daß diese Lehre in Ausübung der unfehlbaren Lehrautorität der Kirche als wahr erklärt worden ist. Weiters angenommen, daß sich der nächste Papst schließlich doch für die Frauenordination entscheidet – was durchaus möglich wäre, nachdem der Standpunkt des gegenwärtigen Papstes und seiner Glaubenskongregation falsch ist. Wenn dann die Leute scharenweise der Kirche den Rücken kehren, weil die Kirche zu ihrer eigenen unfehlbaren Lehre im Widerspruch steht, so stünden wir in einer sehr schwachen Position, wenn wir zu erklären versuchten, daß die Lehre von Johannes Paul und seiner Glaubenskongregation nicht wirklich unfehlbar gewesen sei und daß wir das immer gewußt, aber nie etwas gesagt hätten. Übertriebene Zustimmung ist ebenso falsch wie die gänzliche Leugnung. Die Aussage, die Heilige Dreifaltigkeit umfasse vier Personen, ist ebenso falsch wie zu sagen, es wären nur zwei. Den Papst noch unfehlbarer zu machen, ist ebenso falsch, wie ihm dies abzusprechen. Auf der praktischen Ebene ist die Vermittlung des Eindruckes - ob vorsätzlich oder nicht – daß etwas unfehlbare Lehre sei, wenn dies nicht wirklich zutrifft, pastoral verantwortungslos und gefährlich." VOLLSTÄNDIGER TEXT: U.S. Catholic, Bd. 61, April 1996, S. 11-13.

10. Richard Gaillardetz, außerordentlicher Professor an der Universität St. Thomas, Houston, USA

Richard Gaillardetz ist Spezialist in Fragen des Lehramtes und der Unfehlbarkeit. In seiner Dissertation untersuchte er die 'Theologie des ordentlichen universellen Lehramtes der Bischöfe'. Von ihm stammt auch eine klassische Studie: Teaching with Authority: A Theology of the Magisterium in the Church, (= Lehre mit Autorität: Eine Theologie des kirchlichen Lehramtes) Collegeville: Liturgical Press, 1997. Bei seinen Studien zu Ordinatio Sacerdotalis und Responsum ad Dubium kommt Gaillardetz zu dem Schluß, daß die Glaubenskongregation die unfehlbare Natur des Verbotes der Frauenordination nicht klar festgestellt hat. Publikationen von R. Gaillardetz

"Es erscheint an dieser Stelle angemessen, sich an das am Beginn dieses Artikels angeführte kanonische Prinzip zu erinnern: 'Keine Lehre versteht sich als unfehlbar definiert, es sei denn, daß sie klar als solche festgelegt ist'. Ich schließe daraus, daß es Sache des kirchlichen Lehramtes ist, nicht nur zu behaupten, daß die Lehre über den Ausschluß von Frauen vom Priestertum durch das ordentliche universelle Lehramt unfehlbar verkündet worden sei, sondern diesen Anspruch tatsächlich 'klar festzulegen'. Die Fragen, die ich in diesem Artikel erhoben habe, weisen darauf hin, daß die Ansprüche der Glaubenskongregation bis heute nicht 'klar festgelegt' worden sind." VOLLSTÄNDIGER TEXT: Louvain Studies 21 (1996) S. 3-24.

11. Weitere kritische Einschätzungen im Internet

Hinsichtlich des ordentlichen universellen Lehramtes lesen Sie hier eine ausführliche Diskussion der fünf Bedingungen für seine Unfehlbarkeit und warum sie nicht erfüllt sind.

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Übersetzung aus dem Englischen:  Michael Mayr, A-4020 Linz