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Anerkennung und Entfaltung

Die von der männlichen Kirchenleitung verschmähten priesterlichen Charismen von Frauen - sie verlangen nach Anerkennung und Entfaltung

von Dr. theol. Ida Raming (Bibliographie)

Aus Zur Priesterin Berufen. Gott sieht nicht auf das Geschlecht. Zeugnisse römisch-katholischer Frauen, von Ida Raming, Gertrud Jansen, Iris Müller und Mechtilde Neuendorff (Hg.), Druck und Verlagshaus Thaur (Krumerweg 9, A-6065 Thaur, Austria) 1998, ISBN 3-85400-070-7. Der hier mit Genehmigung des Verlags und der Autörin veröffentlichte Tekst unfaßt die ‘Einleitende Bemerkungen’, S. 9-21.

Bild auf dem Umschlag des Buches

Die Zeitspanne zwischen dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) und der Gegenwart ist wesentlich dadurch gekennzeichnet, daß die Thematik: Stellung und Wertung der Frau in der Kirche zunehmend an Bedeutung gewinnt. Während des Konzils wurden im Binnenraum der römisch-katholischen Kirche erstmalig Forderungen von Frauen nach einer zeitgemäßen Stellung, also nach ihrer Gleichberechtigung in den kirchlichen Strukturen, erhoben.(l) Dieser von der Basis ausgehende Vorstoß wurde von einzelnen Bischofen unterstützt.(2) Durch die Enzyklika ,,Pacem in terris" (1963) von Papst Johannes XXIII. erhielt dieser verhältnismäßig noch sehr kleine Aufbruch einen nicht zu unterschätzenden Auftrieb, wurde doch in dieser Enzyklika die Emanzipationsbewegung der Frauen zum ersten Mal in der Geschichte des Papsttums positiv bewertet und als ein zu beachtendes ,,Zeichen der Zeit" gewürdigt.

Während sich in der nachkonziliaren Phase nicht nur eine Fülle von Veröffentlichungen (Artikel, Bücher) aus einer kritischen Sicht mit dem Thema ,Frau in der Kirche’ befallte, sondern auch zahlreiche nationale und gesamtkirchliche Synoden eine Reform in diesem Bereich anmahnten, formierten sich jedoch auf der anderen Seite auch die auf Beharrung, auf Konservierung des Status quo ausgerichteten Kräfte in der Kirche. In der Einstellung zur Frauenordination spitzt sich das Gegeneinander der auf Reform ausgerichteten und der am Bestehenden festhaltenden Strömungen in der Kirche dramatisch zu. Insofern bildet das Thema Frauenordination den eigentlichen ,,Prüfstein" bzw. die Testfrage - entscheidet sich doch an der jeweiligen Antwort auf diese Frage, ob wirkliche Gleichberechtigung fur Frauen in der Kirche gewollt ist oder aber abgelehnt wird.

Das Nein der obersten vatikanischen Kirchenleitung zur Frauenordination ist in der nachkonziliaren Phase durch mehrere Verlautbarungen ausgedrückt worden, - ja, diese Ablehnung hat gerade in den letzten Jahren an Schärfe, Vehemenz und Endgültigkeit zugenommen. Dies darf freilich auf der anderen Seite als Zeichen dafür angesehen werden, daß die auf Konservierung des Patriarchats in der Kirche ausgerichtete vatikanische Kirchenleitung durch die wachsende, auf Reform der Stellung der Frau drangende Bewegung an der Basis sowie durch die patriarchatskritischen Ergebnisse der Theologie mehr und mehr in die Defensive gerät und darauf nur noch mit Macht- und Druckmitteln reagiert.

Im Jahre 1977, unter dem Pontifikat Pauls VI., wurde erstmalig ein offizielles Dokument gegen die Zulassung der Frau zum Priesteramt veröffentlicht: die Erklarung der Kongregation für die Glaubenslehre ,,Inter insigniores"(3), die weltweit kritische Reaktionen nicht nur von seiten katholischer Frauenverbände, sondern auch in Theologenkreisen, ja sogar von Mitgliedern anderer vatikanischer Behörden (Bibelkommission und Sekretariat für die Einheit der Christen) hervorrief, da sie sich bei der Abfassung des Dokumentes ubergangen fühlten. Bezüglich der theologischen Qualifikation dieser Verlautbarung ist festzustellen, daß es sich dabei zwar um eine ,,authentische Erklärung der römischen Glaubensbehorde" handelt, aber um keine unfehlbare Aussage, - nirgends wird verbindlich festgestellt, daß die darin vertretene Lehre auf göttlicher Überlieferung basiert.(4) Die Erklärung selbst qualifiziert die ,,dogmatische Verbindlichkeit der kirchlichen Praxis ... eindeutig als gering" und begrenzt klar die ,,Tragweite der Argumente aus Schrift und Tradition".(5)

Diese in der Erklärung ,,Inter insigniores" noch vor handene Zuruckhaltung und gewisse Selbstbeschränkung des kirchlichen Lehramtes wird unter dem Pontifikat Johannes Pauls II. völlig abgelegt. In mündlichen Ansprachen und schriftlichen Verlautbarungen drückt Johannes Paul II. wiederholt seine Ablehnung des Priestertums der Frau aus, z.T. auch mit einer Aufforderung zu Sanktionen, so z.B. in einer Ansprache an die US-Bischöfe i.J. 1983: Ihnen wird eingescharft, jede Bestrebung in Richtung Frauenordination streng zu unterbinden; jeder einzelne Bischof solle ,,seine seelsorglichen und seine Führungsfähigkeiten unter Beweis stellen, indem er allen Einzelpersonen und Gruppen, die im Namen von Fortschritt, Gerechtigkeit oder Barmherzigkeit eine Zulassung der Frau zum Priestertum vorantreiben, seine Unterstützung entzieht."(6) Der amtskirchliche Druck auf die gegenteilige Meinung wächst somit unter dem Pontifikat des jetzigen Papstes erheblich und dauert bis heute an. Dafür lassen sich zahlreiche Beispiele anfuhren.(7)

Im Jahre 1988 folgte das Apostolische Schreiben ,,Mulieris Dignitatem" (Über die Würde und Berufung der Frau)(8), in dem sich der Papst unter Berufung auf die Erklärung der Glaubenskongregation ,,Inter insigniores" formell gegen das Priestertum der Frau ausspricht. Seine Ablehnung ist eingebettet in eine anthropologische ,,Meditation" uber das Verhältnis der Geschlechter zueinander. Sogleich nach Erscheinen dieses Apolischen Schreibens erhob sich aber wiederum eine Vielzahl kritischer Stimmen in aller Welt, woran ersichtlich wird, daß sich eine immer größer werdende Kluft zwischen dem kirchlichen Lehramt einerseits und einer wachsenden Zahl von Kirchenmitgliedern andererseits entwickelt.(9)

Dieser zunehmende Dissens ließ sich auch nicht durch das i. J. 1994 veröffentlichte Apostolische Schreiben ,,Ordinatio Sacerdotalis’’l° des Papstes überwinden, dem ganz ausdrücklich die Absicht zugrunde liegt, die trotz aller Verbote und Repressionen anhaltende Diskussion über die Frauenordination durch ein papstliches Machtwort zu beenden, - sollte doch mit diesem Schreiben eine verbindliche lehramtliche Entscheidung gegen die Zulassung von Frauen zur Priesterweihe getroffen werden, an die sich ,,alle Gläubigen der Kirche endgültig zu halten haben" (Nr. 4). Aber auch dieser bis dahin eindringlichste Autoritätseinsatz des kirchlichen Lehramtes gegen die Frauenordination blieb (und bleibt) wirkungslos, wie die vielfaltigen kritischen Reaktionen darauf wiederum gezeigt haben. Die Diskussion der Thematik, die nach “Ordinatio Sacerdotalis” dem Willen des Papstes entsprechend verstummen sollte, gewann eher noch an Breitenwirkung; die Forderung der Frauenordination wurde z.B. durch das Kirchenvolksbegehren in Österreich, Deutschland und in anderen Ländern in der Folgezeit verstärkt erhoben. Daraufhin versuchte die vatikanische Kirchenleitung erneut, diesmal durch Einsatz der schärfsten ,,Waffe" - den Anspruch der ,,Unfehlbarkeit" - den Abbruch der anhaltenden Diskussion sowie die Aufgabe der Forderung der Frauenordination zu erzwingen: Am 28. Oktober 1995 erklärte die Kongregation für die Glaubenslehre, daß die im Apostolischen Schreiben ,,Ordinatio Sacerdotalis" enthaltene Lehre ,,über die nur Mannern vorbehaltene Priesterweihe" ,,unfehlbar" sei.

Es zeichnet sich jedoch bereits jetzt ab, daß auch dieser bislang massivste Autoritätseinsatz wiederum vergeblich sein wird. Die Ursache dafür liegt offensichtlich darin, daß sich ,,gut begründete Gegenargumente zur lehramtlichen Position bezüglich der Priesterweihe von Frauen" durch derartige Machtmittel: Unfehlbarkeitsanspruch und Drohung mit Sanktionen ,,nicht aus der Welt schaffen” lassen.(ll) Denn bekanntlich sind alle Gründe, die das kirchliche Lehramt für den Ausschluß der Frau von Priesterweihe und -amt bislang vorgebracht hat, von seriöser wissenschaftlicher Seite längst widerlegt worden.(l2)

Daß sich aber die Kirchenleitung über diese seit Jahrzehnten vorliegenden wissenschaftlichen Ergebnisse völlig hinwegsetzt, ja, daß sie sogar das Votum der Päpstlichen Bibelkommission von 1976 ignoriert, wonach ein Verbot weiblicher Priester aus der H1. Schrift nicht herausgelesen werden könne und der Heilsplan Christi durch die Zulassung der Frauenordination nicht uberschritten bzw. verfälscht würde(l3); ferner, daß sie die von der Bibelkommission i.J. 1993 empfohlenen historisch-kritischen Auslegungsmethoden für die Bibelexegese(l4) erneut mißachtet, macht für alle Welt deutlich, daß das Vorgehen der vatikanischen Kirchenleitung nichts mehr mit seriöser Wahrheitssuche und Wahrheitsfindung zu tun hat. Vielmehr halt sie - um jeden Preis und gegen jede bessere Erkenntnis - an dem Prinzip der Vorherrschaft des Mannes über die Frau in der Kirche fest und scheut nicht davor zurück, sich für diese gegen die Gerechtigkeit und Menschenwürde der Frau gerichtete Handlungsweise noch auf den Willen Gottes und das Vorbild Jesu zu berufen. Es geht deshalb bei dem Thema Frauenordination weit weniger um die Lösung eines bloß theoretischen theologischen Problems, sondern tiefer gesehen um die Anerkennung des vollen Menschseins der Frau, ihres Christseins, ihrer Gottebenbildlichkeit.

Diesen bislang z. T. vernachlässigten Aspekt des Themas Frauenordination wollen sowohl die folgenden Ausführungen der Einleitung als auch die in diesem Buch gesammelten Zeugnisse hervorheben. Darum wird hier bewußt auf eine systematische Widerlegung der amtskirchlichen Positionen für den Ausschluß der Frau von der Ordination verzichtet, mit der sich die im Anhang aufgeführte Literatur eingehend befaßt.

Für das Verhaltnis zwischen den Geschlechtern in der römisch-katholischen Kirche ist noch immer folgende Situation kennzeichnend: Männer der Kirche, die leitenden Amtsträger, verfügen im religiüs-geistigen Bereich über die Frauen: Sie legen fest, welche Dienste bzw. Aufgaben Frauen ubernehmen können und von welchen sie um ihres Geschlechtes ausgeschlossen sind. Sie maßen sich an, das Wesen und die ,,Wurde" der Frau im Unterschied zu der des Mannes zu definieren und daraus gesetzliche Konsequenzen im Hinblick auf ihre Stellung in der Kirche zu ziehen. Männer der Kirche, sogar der höchste kirchliche Amtsträger, der Papst, sprechen den Frauen von vornherein ab, von Gott zu priesterlichem Dienst berufen zu sein.(l5) Alle diese Formen der Willkürherrschaft von männlichen Amtsträgern der Kirche über Frauen kommen in der ebenfalls ausschließlich von Männern rechtskraftig formulierten Bestimmung des Kirchenrechts zum Tragen:

,,Die heilige Weihe empfangt gültig nur ein getaufter Mann" (CIC can. 1024), der überdies - zumindest in bezug auf das Priester- und Bischofsamt - Endgültigkeit zugesprochen wird.

Das Anmaßende dieser Herrschaft und der daraus folgenden kirchlichen Gesetzgebung liegt darin, daß Männer der Kirche sich gewissermaßen zwischen Gott und die Frauen stellen, daß sie die Unantastbarkeit der Person der Frau, ihre Unmittelbarkeit zu Gott, mißachten; daß sie die mit dieser Personwürde gegebene und in ihr wurzelnde Freiheit, über sich selbst im religiös-geistigen Bereich zu verfügen, anzutasten und zu beschneiden wagen. Offensichtlich fehlt diesen Männern der Kirche die Ehrfurcht, die innere Zuruckhaltung gegenuber der Würde und Eigenständigkeit der Person der Frau, - anders laßt sich dieses herrische Verhalten den Frauen gegenüber gar nicht erklaren. Es fehlt - zusammenfassend gesagt - die Anerkennung der Menschenwürde und der deraus fließenden Menschenrechte der Frau!

Darüber hinaus fehlt bei den verantwortlichen Männern der Kirche aber auch die Anerkennung und Respektierung des Christseins der Frauen, ihrer durch Glauben und Taufe begründeten vollen Gliedschaftsrechte in der Kirche. Ganz folgerichtig lautet denn auch der Kommentar zu c. 1024 CIC in dem gangigen kanonistischen Standardwerk von Norbert Ruf(16): ,,Ungetaufte und Frauen können das Weihesakrament nicht gültig empfangen." Damit ist - gemaß dem genanten Kanon - ausgedrückt, daß nicht die im Glauben empfangene Taufe, die ja auch Frauen gespendet wird, sondern allein das männliche Geschlecht unabdingbare Voraussetzung für die Gültigkeit der Ordination ist. Die Frau steht in dieser Hinsicht also noch unter den ungetauften Männern; können doch diese relativ leicht das sie hindernde ,,Defizit" beheben. Bei Frauen dagegen nützen weder Taufe noch geistige und religiöse Qualitäten, und seien sie noch so hoch! Die außerste Konsequenz des Prinzips, daß nur ein Mann als ordinationsfähig gilt, kommt in folgender Aussage zum Ausdruck: ,,Auf das männliche Geschlecht kommt es bei der Ordination so sehr an, daß sobald der Mensch nur diesem angehört und getauft ist, er unter allen Umständen, nur gegen seinen ausdrücklich ausgesprochenen Willen nicht, die Fähigkeit zum Empfangen der Weihe hat, so daß in dieser Beziehung das männliche Kind, der schlafende, ja wahnsinnige Mann dem heiligsten Weibe vorgeht.’’(l7) So spricht ein bekannter Kirchenrechtler aus dem 19. Jahrhundert. Und heute? Ist dieses Denken überwunden? Über die in der altkatholischen Kirche Deutschlands am Pfingstmontag gespendeten Frauenordinationen bemerkt ein Pfarrer(!):

,,Mit den altkatholischen ,Priesterweihen’ verhalt es sich so wie mit dem Herstellen von Falschgeld: Man kann noch so täuschend echte ,Blüten’ herstellen, es ist und bleibt Falschgeld. Für die römisch-katholische Kirche gilt CIC can. 1024: ,Die heilige Weihe empfangt gültig nur ein getaufter Mann.’ Die Priesterweihe von Frauen, Kindern, Tieren und leblosen Gegenständen ist also unmöglich, da kann man noch so lange betend die Hände darüber halten (sogar wenn der Papst selbst es täte!). Anderenfalls wäre mein Hund sicherlich ein heiligmaBiger Priester geworden ... Dieses unwürdige Spiel (Frauenordinationen in der altkatholischen Kirche, d. Vf.) soll wohl für die römisch-katholische Kirche eine Provokation sein, theologisch aber und kirchenrechtlich ist die Sache klar, d.h. völlig bedeutungslos ...".(l8)

Über den gleichen Sachverhalt (Frauenordination in der altkatholischen Kirche) urteilt der Generalvikar des 1listums Fulda, Ludwig Schick, zwar nicht in so ausfallender Weise, aber in der Sache völlig identisch, wenn er ausführt:

,,Für die Gültigkeit der Weihe ist ... die ,Disposition’ des Weihekandidaten entscheidend. Das heißt, trotz ,Apostolischer Sukzession’ des Weihespenders kann eine Weihe ungültig sein, wenn der Kandidat nicht die geforderten Voraussetzungen hat. Da ... nur ein Mann die entprechenden Voraussetzungen hat, kann eine Frau nicht gültig die heiligen Weihen empfangen... Die von Bischof Vobbe ,geweihten’ Frauen sind also keine ,Priesterinnen’...’’(l9)

Angesichts solcher massiven Geringschätzung, die sich in der geltenden kirchenrechtlichen Vorschrift ausdruckt, liegt es auf der Hand, daß Frauen - als Nicht-Vollmenschen gewertet - auch nicht im Vollsinne als Erlöste anerkannt werden: ihre christlich-geistliche Existenz wird herabgewürdigt und entwertet. Ausgeschlossen von der Ordination und den ihr zugeordneten Weiheämtern (Diakonat, Priester- und Bischofsamt) nur um ihres Geschlechtes willen, werden sie auf diese Weise um die Freude der österlichen Botschaft gebracht; denn ,,Auferstehung" im geistlichen Sinne bedeutet: Teilnahme an dem neuen Leben im auferstandenen Christus, das die Knechtschaft und Zwange des ,,alten Adam" (Eph 4,22) uberwunden hat und damit auch die Grenzen des biologischen Geschlechts auf religiosem Gebiet als unbedeutsam erweist.

Solange Frauen um ihres Geschlechtes willen von der Ordination ausgeschlossen bleiben, kann sich an ihnen und in der Kirche nicht die zentrale christliche Botschaft erfüllen: ,,Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Da ist nicht mehr ... Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus" (Gal 3,27f).

Indem die derzeitige vatikanische Kirchenleitung anscheinend um jeden Preis an der Dominanz des Mannes über die Frau festhalten will, verschließt sie sich dem Neuen, das durch den Anbruch des Gottesreiches in Jesus präsent geworden ist, und bleibt beherrscht von dem Ungeist des ,,alten Adam". An der ungerechten Herrschaft des Mannes über die Frau durch ihren Ausschluß von den Weiheämtern festhalten (wollen), heißt aber, sich dem Wirken des Geistes Jesu in unserer Zeit verschließen, das Kommen des Reiches Gottes verhindern. Werden doch religiöse Berufungen von Frauen zu Diakonat und Priesteramt ignoriert; durch kirchliche Gesetze wird verhindert, daß sie für den Aufbau der Kirche zur Entfaltung kommen können.

Es ist kaum bekannt, daß die vatikanische Kirchenleitung damit nicht nur gegen die befreiende Botschaft des Evangeliums handelt, sondern daß sie damit auch gegen kirchliche Grundrechte der Kirchenglieder verstoßt, die auf der Basis der Dekrete des 2. Vatikanischen Konzils, besonders der Kirchenkonstitution ,,Lumen Gentium", aufgestellt wurden. Eins dieser Grundrechte lautet: ,,Alle Glaubigen haben das Recht, ihren Lebensstand frei von jeglichem Zwang zu wählen" (can. 219; unter Lebensstand werden dabei z.B. die Ehe, der Zugang zu den kirchlichen Weiheämtern sowie der Stand des geweihten oder apostolischen Lebens, z.B. der Ordensstand, begriffen). Dieses kirchliche Grundrecht ist vergleichbar mit dem allgemeinen Menschenrecht auf freie Berufswahl im ,profanen’ Bereich, auf freie Entfaltung der Persönlichkeit.

Wenngleich can. 219 zwar ,,kein subjektives Recht auf die Weihe begrundet, so setzt er doch voraus, daß jeder Gläubige als Träger des Rechtes auf Freiheit bei der Wahl des Lebensstandes grundsätzlich die gleiche Wahlmöglichkeit im Hinblick auf einen bestimmten Lebensstand - auch im Hinblick auf die Weiheämter - hat. Diese Moglichkeit aber wird durch die Norm des can.1024 für die Hälfte der Gläubigen radikal beschnitten."(20) Insofern beinhaltet der Ausschluß der Frau von der Ordination (can. 1024) eine rechtliche Ungleichheit aufgrund des Geschlechts und widerstreitet damit dem Recht auf freie Standeswahl (can. 219), das wegen der prinzipiellen Gleichheit aller Gläubigen aufgrund ihrer ,,Wiedergeburt in Christus" (can. 208) auch für alle in gleichem Umfang gelten mußte. Denn durch die Wahl eines Lebensstandes antworten die Gläubigen als Glieder der Kirche auf ihre,,spezifische Berufung" und konkretisieren so ihre ,,Teilhabe an der kirchlichen Sendung". Daher hat die kirchliche Gemeinschaft nicht die Freiheit, ,,die in ihrer Mitte zutage tretenden Geistesgaben und Berufungen zurückzuweisen", sie ist im Gegenteil auf diese angewiesen (vgl. 1 Kor 12,1-11;12-25; 1 Thess 5,19).(21) Für die ganze christliche Gemeinschaft besteht (nach can. 233 §1) sogar die ,,Pflicht", geistliche Berufungen zu fördern. In besonderer Weise wird dem zuständigen Bischof die Verantwortung für die Förderung geistlicher Berufungen, vor allem der ,,priesterlichen und missionarischen Berufe", auferlegt (vgl. can 385). Kein ,,kanonisch Geeigneter" darf (nach can. 1026) vom Empfang der Weihen abgehalten werden.

Wann endlich finden diese Vorschriften Anwendung in bezug auf Frauen? Als Kriterium für die ,,kanonische Eignung" gelten: die religiöse Berufung zum geistlichen Amt, d.h. der freie, religiös motivierte Wille zu dessen Ubernahme, die Befähigung dazu und der kirchliche Bedarf(22) - Qualitäten, die eine zunehmende Zahl von Frauen in das Leben der Kirche einbringen könnte und kann. Solange jedoch die genannten Qualitäten, vor allem die geistgewirkte Berufung zu geistlichen Ämtern, den Frauen von den verantwortlichen Amtsträgern der Kirche abgesprochen werden und das ihnen zukommende Grundrecht der Freiheit bei der Wahl des Lebensstandes (can. 219) extrem beschnitten wird, mißachtet man(n) nicht nur die Menschen- und Personwürde der Frau, sondern auch das freie Wirken Gottes, dessen Geist ,,einer / einem jeden zuteilt, wie er / sie es will" (vgl. 1 Kor 12,11).

Diese massive Repression, die sich gegen Gottes Geist richtet und als schwere Last und große Schande auf der heutigen Kirche liegt, vermag freilich nicht, die geistlichen Berufungen von Frauen völlig zu erdrucken: Frauen stehen jetzt auf und bezeugen öffentlich ihr Berufen- und Gerufensein von Gott zum priesterlichen Dienst. Auch in früherer Zeit gab es solche Zeugnisse von Frauen. Als repräsentatives Beispiel dafür steht die heilige Theresia von Lisieux (1873-1897), die am 19. Oktober 1997 zur Kirchenlehrerin (doctor ecclesiae universalis) erklärt wurde. In einem Brief vom 8.9.1896 an ihre Schwester Maria vom heiligsten Herzen schrieb sie: ,,Ich fühle mich zum Priester berufen. O Jesus, ... mit welcher Liebe würde ich Dich in Händen halten! ... Mit welcher Liebe würde ich Dich den Gläubigen geben!... Trotz meiner Kleinheit möchte ich den Menschen Licht bringen, wie die Propheten und Kirchenlehrer es taten. Ich fühle mich zum Apostel berufen. Ich wollte um die ganze Welt reisen, um Deinen Namen zu verkünden."(23) Obwohl sie sich dann mit der Antwort zu trösten versuchte: ,,Meine Berufung ist die Liebe!", litt sie weiter unter dem AusschluB vom Priesteramt. Darüber gibt das Zeugnis ihrer leiblichen Schwester Céline (Ordensname Geneviève) Aufschluß: ,,1897, bevor sie schwer krank wurde, sagte mir Schwester Theresia, daß sie vermutlich noch im Laufe des Jahres sterben werde. Hier ist der Grund, den sie mir im Juni dafür angab: Als sie sich bewußt war, daß sie Lungentuberkulose hatte, sagte sie: ,Sie sehen, der liebe Gott ist im Begriff, mich in einem Alter zu sich zu nehmen, da ich noch nicht die Zeit gehabt hätte, Priester zu sein.... Wenn ich hätte Priester werden können, hätte ich in diesem Juni die heiligen Weihen empfangen. Was tat also Gott? Damit ich nicht enttäuscht wäre, ließ er mich krank werden. Auf diese Weise konnte ich nicht dabei sein, und ich sterbe, bevor ich mein Amt ausüben könnte."’Celine fahrt fort: ,,Das Opfer, nicht Priester sein zu können, war etwas, das sie immer tief empfand ... Der Schmerz daruber gründete in einer wirklichen Liebe zu Gott."(24)

Werden die verantwortlichen Amtsträger der Kirche es wagen, das Zeugnis dieser Frau, die zur Kirchenlehrerin erklärt wurde, ebenso als ,,fromme Einbildung" abzutun, wie sie die Zeugnisse heute lebender Frauen behandeln? Oder müssen Frauen erst sterben, bevor ihnen ihre Berufung geglaubt wird?

Seitdem Frauen heutzutage durch die Möglichkeit des Theologiestudiums eher ihre geistliche Berufung entdekken können als in früheren Zeiten, bekennen sich immer mehr zu ihrer priesterlichen Berufung. Aufgrund ihrer theologischen Schulung und Ausbildung lassen sich diese Frauen heute nicht mehr so leicht wie früher verwirren und entmutigen durch die von der vatikanischen Kirchenleitung stereotyp vorgebrachten Rechtfertigungsgründe für den Ausschluß der Frau von geistlichen Ämtern. Auch dann nicht, wenn die Kirchenleitung sich nicht scheut, mit Maria, der Mutter Jesu, gegen die Frauenordination vorzugehen: Maria habe nicht der^,,eigentlichen Sendungsauftrag der Apostel und auch nicht das Amtspriestertum erhalten", weswegen die ,,Nichtzulassung der Frau zur Priesterweihe keine Minderung ihrer Würde und keine Diskriminierung ihr gegenuber bedeuten" könne.(25) Für kunftige Priesterinnen ist Maria im Gegenteil gerade ein erhabenes Vorbild, - ist sie es doch, die der Menschheit den Messias und Befreier Jesus leibhaftig schenkte. Sie ist ,,Urbild der Kirche", ein Urbild, das auch die Ämter der Kirche umschließt, sie ist ,,Königin der Apostel,’ innen und Priester/innen".

Im Vertrauen auf das Wirken der göttlichen Ruach (=göttliche Geisteskraft), die ,,weht, wo sie will" (vgl. Joh 3,8), und im Vertrauen auf die fürbitte der Mutter Jesu, der ,,Königin der Apostel/innen", sowie der heiligen Frau en und Kirchenlehrerinnen Theresia von Lisieux, Katharina von Siena und Theresia von Avila werden die berufenen Frauen ihre geistliche Berufung bezeugen, bis auch für sie der Tag der Befreiung anbricht und die Verheißung auch für sie in Erfüllung geht: ,,Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten" (Ps. 126,5).

Ida Raming

Anmerkungen

1 Vgl. Gertrud Heinzelmann (Hrsg.): Wir schweigen nicht länger! Frauen äussern sich zum II Vatikanischen Konzil (deutsch-englisch). Zürich 1964.

Vgl. dazu Gertrud Heinzelmann: Die getrennten Schwestern. Frauen nach dem Konzil. Zürich 1967.

Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 3, ha. v. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz 1977.

Vgl. Karl Rahner: Priestertum der Frau?, in: Stimmen der Zeit 195 (1977) 292f.

So Peter Hünermann: Roma locuta - causa finita? in: Herder-Korrespondenz 31 (1977) 209.

Deutsche Tagespost v. 7.9.1983

Dazu s. u.a. Ida Raming: Frauenbewegung und Kirche. Bilanz eines 25jährigen Kampfes für Gleichberechtigung und Befreiung der Frau seit dem 2. Vatikanischen Konzil. Weinheim 19912, S. 54ff. u.o. Das jüngste Beispiel dieser Repression ist der ,,Fall Balasuriya". Dem Priester und Mönch Tissa Balasuriya wurde ein von der Kongregation für die Glaubenslehre eigens für ihn verfaßtes Glaubensbekenntnis vorgelegt, das u.a. einen Passus gegen die Frauenordination enthielt, das er unterschreiben sollte; er verweigerte die Unterschrift und wurde darauflhin exkommuniziert, vgl. dazu: Orientierung 61 (1997) 73-75 (15.April 1997). Die Exkommunikation wurde im Januar 1998 zurückgenommen.

8 Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 86

9 Vgl. Wolfgang Beinert: Dogmatische Uberlegungen zum Thema Priestertum der Frau, in: W. Groß (Hrsg.): Frauenordination. Stand der Diskussion in der katholischen Kirche. München 1996, S.64f.

10 Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 117.

11 Vgl. Ulrich Ruh: Lehramt im Abseits? in: HK 48 (1994) 327.

12 Dazu s. die im Anhang aufgeführte Literatur. Auf die Publikation: Walter Groß (Hrsg.): Frauenordination. Stand der Diskussion in der katholischen Kirche. München 1996, sei beispielhaft verwiesen.

13 Vgl. Ida Raming: Frauenbewegung und Kirche S.45 (mit näheren Angaben).

14 Die Interpretation der Bibel in der Kirche (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr.115).

15 Predigten und Ansprachen von Papst Johannes Paul II. in den USA, 1979 (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 13); AAS 71/2 (1979) 1201; ferner: Erklärung des Papstes vor Bischöfen aus England und Wales i. J. 1997: Die Ablehnung von Frauen-Priestern sei ,,keine Diskriminierung der Frauen; denn das Priesteramt sei kein Recht und kein Privileg, sondern eine Berufung durch Gott." (Deutsche Tagespost v. 25.10.1997)

16 Das Recht der katholischen Kirche. Freiburg 4. Aufl. 1983, S.239.

17 Georg Phillips: Kirchenrecht, Bd 1, 3. Aufl. Regensburg 1855, S. 451.

18 Aachener Zeitung v.8. Juni 1996. Weitere Beispiele für solche Denkweise in: I. Raming: Der Ausschluß der Frau vom priesterlichen Amt. Gottgewollte Tradition oder Diskriminierung? Köln / Wien 1973, S.106 rnit Anm. 160; dies.: Frauenbewegung und Kirche S.114-116. Zu dem Fall eines italienischen Priesters, der i.J.1987 eine Geschlechtsumwandlung an sich vornehmen ließ und zu einer Frau wurde, bemerkt der Präsident der Papstlichen Kommission für die authen tische Auslegung des Kirchenrechts, Kard. Lara: ,,Wenn ein Mann, der zum Priester geweiht worden ist, sich in eine Frau verwandelt, ist er nicht mehr Priester, da eine rechtmäßige Priesterweihe ein für diese Weihe fähiges Subjekt, also einen Mann voraussetzt." Wenn dieser Mann wirklich zu einer Frau würde ,,verlor er damit die Basis für das unauslöschliche Siegel der Priesterweihe" (ebd. S.116).

19 Kirchenzeitung des Bistums Mainz und Fulda vom Juni 1996. Über ganz ähnliche frauenfeindliche Denkweisen anglikanischer Amtsträger anlaßlich der Einführung der Frauenordination in der anglikanischen Kirche berichtet Britta Hübener: Aus Gewissensgründen oder aus gewissen Gründen? Plädoyer für geschlechtergerechte notae conscientiae, in: Ev. Erzieher 45 (1993) H.4, S.448.

20 Christian Huber: Das Grundrecht auf Fr~heit bei der Wahl des Lebensstandes. Eine Untersuchung zu c.219 des kirchlichen Gesetzbuches. St. Ottilien 1988, S.148-153. Johannes XXIII: Pacem in Terris (DH 3962).

21 Vgl. Huber a.a.O. S.59 mit Anm. 87; s. auch I. Raming: Ungenutzte Chancen für Frauen im Kirchenrecht. Widersprüche im CIC/1983 und ihre Konsequenzen, in: Orientierung 58(1994)68-70.

22 Vgl. Christian Huber: Das Grundrecht auf Freiheit bei der Wahl des Lebensstandes, S.69.

23 Story of the Soul. The Autobiography of St. Therese of Lisieux. A New Translation from the Original Manuscripts by John Clarke, O.C.D., ICS Publications, Washington, D.C., 1975 (übers. v. Josefa Theresia Münch).

24 Heilig- und Seligsprechungsakten der heiligen Theresia vom Kinde Jesu und vom Heiligen Antlitz, ha. vom Theresianum, 1973, Bd. I, S.305f (übersetzt aus dem Französischen von J.Th. Münch).

25 Apostolisches Schreiben ,,Ordinatio Sacerdotalis von Johannes Paul II. (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 117) Nr. 3, S.5.

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