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Die Kirchenväter und die Frage der ‘Priesterinnen’

Die Kirchenväter und die Frage der ‘Priesterinnen’

Richtiges Verständnis der Tradition
* biblische Tradition
* dynamische Tradition
* latente Tradition
* reife Tradition

Widerstand gegen Priesterinnen in gnostischen Sekten?

Rom erhebt folgende Forderung: “Einige häretische Sekten, insbesondere gnostische, übertrugen während der ersten Jahrhunderte die Ausübung des Priesteramtes an Frauen: Diese Neuerung wurde sofort von den Kirchenvätern bemerkt und als für die Kirche unakzeptabel verurteilt” Inter Insigniores, § 6.

Rom zitiert fünf Quellen. “Wir wissen von ihnen, da sie ihre Missbilligung sehr stark zum Ausdruck brachten”:

1. Der heilige Irenäus in seinen Adversus Haereses 1, 13, 2: PG 7, 580-581;
Erwiderung: Eine Analyse dieses Abschnitts ergab, dass Irenäus die seltsamen Riten des Gnostikers Markus sehr detailliert beschreibt, einschließlich eines Abschnitts, in dem Frauen als Priesterinnen agieren. Irenäus lehnt offensichtlich den Gnostizismus ab, aber an keiner Stelle lehnt er explizit die Vorstellung von rechtskräftig ordinierten Frauen in der katholischen Kirche ab.

2. Tertullian in De Praescriptione Haereticorum, 41, 5;
Erwiderung: Tertullian verurteilt in der Tat die Praxis unter den Häretikern, Frauen zu ordinieren und auch an anderen Stellen bringt er seine Ablehnung gegen Priesterinnen zum Ausdruck. Aber diese Ablehnung ist ganz klar in seinen Vorurteilen gegenüber Frauen begründet.

3. Firmilian von Cäsaräa in einem Brief an den heiligen Cyprian, Epist., 75: CSEL 3, S. 817-818.

Erwiderung: Firmilian beschreibt eine Frau, die er als ‘von einem Dämonen besessen’ ansieht, die die Messe zelebrierte und Taufen spendete. Er ist besorgt darüber, ob solche Taufen gültig sind, und nicht über die Ordination von Frauen.

4. Origen in einem Kommentar über den Ersten Brief an die Korinther, Fragmentum in I Cor. 74, in Journal of Theological Studies 10 (1909), S.41-42;
Erwiderung: Bis jetzt konnte ich diesen Text noch nicht finden. Man kann jedoch bei diesem Thema Origen nicht als zuverlässigen Zeugen der Tradition betrachten. Als Jünger von Plato und Aristoteles sah er die Frau von Natur aus als minderwertig an. Da er ziemlich stark von Schriften aus dem Dunstkreis des Gnostizismus beeinflusst war, sah er alle Dinge als böse und befleckt an. Alles, was mit Sex zu tun hat, sogar das Gebet eines christlichen Paares vor dem Geschlechtsverkehr, ist ‘unschicklich’ (in Lev. Hom. 8, 12, 4; Fragm. in 1. Kor. 34). Origen kastrierte sich selbst und behauptete, dass der Heilige Geist während des Geschlechtsverkehrs von einem Paar weiche (in Num. Hom. 6, 288). Die Ergebnisse seines Denkens sind beim heiligen Augustin sichtbar.

5. Und insbesondere beim Ephiphanius in seinem Panarion 49, 2-3; 78, 23; 79, 2-4: vol. 2, GCS 31, S.243-244; vol. 3. GCS 37, S.473, 477-479.
Epiphanius lehnt die Ordination von Frauen in das Priestertum mit den folgenden Argumenten ab:

Schlussfolgerung: Irenäus behandelt die Frage der Frauenordination nicht als solche. Von den zitierten Kirchenvätern führt lediglich Epiphanius explizite Gründe gegen ‚Priesterinnen’ an. Seine Argumente halten einer genauen Prüfung nicht stand.

Spiegelkabinett der Kirche

Sind Vorurteile nicht von Bedeutung?

Rom erklärt: “Zwar stimmt es, dass man in den Schriften der Kirchenväter unbestreitbar den Einfluss von Vorurteilen gegen Frauen findet, man aber dennoch anmerken muss, dass diese Vorurteile kaum ihre priesterlichen Aktivitäten beeinträchtigten, noch weniger ihre spirituelle Ausrichtung.” Inter Insigniores, § 6.

Erwiderung: Rom geht hier vollkommen am Punkt vorbei. Es ist offensichtlich, dass die Kirchenväter Frauen nicht gänzlich von ihren priesterlichen Aktivitäten und ihrem spirituellen Amt ausschlossen. Manchmal mögen sie ihnen gegenüber sogar nett, tolerant und wohlwollend gewesen sein. Der Punkt ist, dass nach der allgemeinen Meinung der Kirchenväter Frauen nicht für die Ordination in Betracht gezogen werden konnten:

  1. weil sie als ’von Natur aus und vor dem Gesetz’ minderwertige Kreaturen nicht mit der Verantwortung des Priestertums betraut werden konnten;
  2. weil sie dachten, dass die Bestrafung für die Sünde Evas Frauen in ständiger Unterwerfung hielte;
  3. weil sie durch ihre monatlichen Perioden oft rituell unrein seien.

Solche Vorurteile können nicht im Detail bei allen Kirchenvätern in allen der drei genannten Richtungen nachgewiesen werden, oft wegen eines Mangels an belegbaren Beweisen und einem Mangel an Gelegenheiten, bei denen sich diese Vorurteile manifestieren. Die Vorurteile waren so sehr Teil der angenommenen Kultur und der Sozialstrukturen, dass sie nicht vollständig zum Ausdruck gebracht werden mussten Aber diese Vorteile waren immer vorhanden und waren das größte Hindernis für die Zulassung von Frauen zum Priestertum.

Ambrosiaster (4. Jhdt. n.Chr) sprach für alle, als er sagte:

“Frauen müssen ihren Kopf bedecken, weil sie nicht das Abbild Gottes sind. Sie müssen das als Zeichen ihrer Unterwerfung unter die Autorität tun und weil die Sünde durch sie in die Welt kam. Ihr Kopf muss in der Kirche bedeckt sein, um den Bischof zu ehren. Ebenso haben sie keine Berechtigung zu sprechen, weil der Bischof die Verkörperung Christi ist. Daher müssen sie vor dem Bischof wie vor Christus, dem Richter, handeln, da der Bischof der Vertreter des Herrn ist. Wegen der Ursünde müssen sie sich unterwürfig zeigen. Wie kann man behaupten, dass die Frau Gottes Abbild ist, wenn sie nachweisbar der Herrschaft des Mannes unterworfen ist und keinerlei Autorität hat? Denn sie kann weder lehren noch Zeugin im Gericht sein noch Bürgerrechte ausüben noch Richterin sein – dann kann sie ganz bestimmt keinen Einfluss ausüben.” Über 1. Korinther 14, 34.

Aber wie sieht es mit dem heiligen Chrysostomos aus?

Rom behauptet, dass doch zumindest der heilige Chrystosomos nicht befangen war. Hier der genaue Wortlaut: „Der heilige Johannes Chrystosomos verstand für seinen Teil in seinem Kommentar zu Kapitel 21 des Johannes-Evangeliums, dass der Ausschluss von Frauen vom Priesteramt, das Petrus anvertraut worden war, nicht auf einer Art natürlicher Unfähigkeit basierte, da, wie er bemerkt, ‚selbst die Mehrheit der Männer durch Jesus von dieser enormen Aufgabe ausgeschlossen werden’ De Sacerdotio 2, 2: PC 48, 663.

Das ist wirklich eine erstaunliche Interpretation! Denn Chrystosomos sagt genau das Gegenteil. Die Aufgabe des Priestertums ist so anspruchsvoll, sagt er, dass keine Frau ihr gewachsen sei. „Denn diese Dinge, die ich bereits genannt habe, können sehr leicht von vielen durchgeführt werden, selbst wenn sie einer Autorität unterworfen sind, Frauen genauso gut wie Männer; aber wenn jemand der Kirche vorstehen soll und ihm die Sorge so vieler Seelen anvertraut wird, muss das gesamte weibliche Geschlecht von der Größe dieser Aufgabe zurücktreten, ebenfalls die Mehrheit der Männer.“ Der Zusatz, dass die Aufgabe auch für die Mehrheit der Männer zu groß sei, ist kein Trost. ‚Das gesamte weibliche Geschlecht’ ist dem nicht gewachsen. Warum? Weil Frauen von Natur aus minderwertig sind! Lesen Sie den gesamten Abschnitt im Kontext.

Die wahren Gedanken des heiligen Chrystosomos stellen sich wie folgt dar:

Anmerkung. Die Lehre des heiligen Chrystosomos irrt hier in mehrfacher Hinsicht. Sie steht gegen die inspirierte Bedeutung sowohl der Schöpfungsgeschichte als auch der Abschnitte in den Paulus-Briefen 1. Korinther 14,34-35 und 1. Timotheus 2,11-15. Sie setzt die Minderwertigkeit, die den Frauen in der Griechischen Philosophie und in der Römischen Gesetzgebung zugeschrieben wurde, voraus. Für ihn waren Frauen von Natur aus, durch das Gesetz und durch die Bestrafung Gottes minderwertig.

Wie hätte sich Chrystosomos mit solchen falschen kulturellen und religiösen Gedanken jemals vorstellen können, dass Frauen zu Priesterinnen geweiht werden könnten?

Die sogenannte ‘Tradition’, keine Frauen in der frühen Kirche zu ordinieren, ist keinesfalls eine wahre Tradition. Sie ist eine Praxis aus sozialen, kulturellen und religiösen Vorurteilen heraus.

Klicken Sie hier, wenn Sie meine Kampagne für Priesterinnen unterstützen wollen.

Deutscher Sprachbereich

Dieses Dokument kann frei verwendet werden. Wir ersuchen jedoch um die Quellenangabe www.womenpriests.org.

Übersetzung aus dem Englischen: Yan-Christoph Pelz

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