Frauen wurden als ‘minderwertige Geschöpfe’ betrachtet

Frauen wurden als ‘minderwertige Geschöpfe’ betrachtet

Richtiges Verständnis der Tradition
* biblische Tradition
* dynamische Tradition
* latente Tradition
* reife Tradition

Im Laufe der Kirchengeschichte wurden Frauen immer als minderwertige Geschöpfe von Natur aus und von Rechts wegen betrachtet.
Das Christentum hat die Griechische Philosophie übernommen, in der die Frauen von Natur aus für minderwertig gegenüber Männern erachtet wurden.
Das Römische Recht, das den Frauen einen niedrigen Status in der Gesellschaft zuerkannte, wurde die Basis für Kirchengesetze. Frauen waren weder im Hause noch in der bürgerlichen Gesellschaft gleichberechtigt.
Einige Kirchenväter verbanden den als minderwertig vorausgesetzten Status der Frau mit biblischen Texten: Nur der Mann sei als Gottes Ebenbild geschaffen. Weiters hat Paulus den Frauen verboten in der Versammlung der Gläubigen zu lehren.
‘Kirchenordnungen’ des ersten Jahrtausends zeigen ebenfalls Spuren dieser Überzeugung von der Minderwertigkeit der Frau.
Theologen haben dieses Denken übernommen und die frauenfeindliche Sicht der Griechen und Römer in ihre theologische Argumentationen einbezogen.
Kirchenjuristen haben das Kirchenrecht auf der Basis des Römischen Rechtes und der negativen Aussagen von Kirchenvätern und lokalen Synoden formuliert.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, daß eine große Mehrheit von Kirchenvätern, kirchlichen Rechtsgelehrten, Theologen und Kirchenführern den Standpunkt vertraten, daß ein solches ‘minderwertiges Geschöpf’ nicht zum Priester geweiht werden kann.
Ohne Zweifel werden ihre Urteile über die Weihefähigkeit von Frauen durch diese soziale und kulturelle Voreingenommenheit entkräftet.

Nach Plato und Aristoteles sind Frauen ‘ihrer Natur nach minderwertig’

Nach Plato (427 – 347 v. Chr.) sind Frauen das Ergebnis einer physischen Degeneration des Menschen. “Nur Männer sind direkt von den Göttern geschaffen und haben eine Seele. Die Gerechten kehren zu den Sternen zurück, aber von den Feiglingen und Ungerechten kann mit Recht angenommen werden, daß sie in der zweiten Generation in die weibliche Natur übergehen.”

Aristotles (384 – 322 v. Chr.) betrachtet Frauen als ‘mangelhafte’ Menschen.

  • Frauen sind ‘unfruchtbare Männer’. “Die Frau ist durch ihren Mangel an natürlicher Wärme unfähig, ihren menstruellen Ausfluß bis zu jenem Punkt der Läuterung zu bringen (zu ‘kochen’), wo er zum Samen würde. Ihr einziger Beitrag zum Embryo ist daher der Körper und ein ‘Acker’ auf dem es wachsen kann”. Ihre Unfähigkeit, Samen zu produzieren, ist ihre Mangelhaftigkeit.
  • Der Grund für die Dominanz des Mannes in der Gesellschaft ist seine höhere Intelligenz. Nur der Mann ist ein vollständiger Mensch. “Die Beziehung zwischen Mann und Frau ist von Natur aus derartig, daß der Mann über der Frau steht, daß der Mann herrscht und die Frau beherrscht wird”
  • Weitere Details und Verweise siehe: Greek Philosophy on the Inferiority of Women (= Griechische Philosophie zur Minderwertigkeit der Frau)
  • Siehe auch den hervorragenden Artikel von Kim Power, “Of godly men and medicine: ancient biology and the Christian Fathers on the nature of woman” (= “Von göttlichen Menschen und Medizin; altertümliche Biologie und Kirchenväter über die Natur der Frau”).

Das Römische Recht mißt den Frauen einen sehr niedrigen Status bei

Nach dem Römischen Familienrecht war der Ehemann der absolute Herr und Meister.

  • Die Ehefrau war Eigentum ihres Mannes und vollkommen seiner Verfügung untergeordnet.
  • Er konnte sie nach Belieben bestrafen.
  • Die Frau hatte keinerlei Anteil am Familienbesitz. Alles was sie oder ihre Kinder erbten, gehörte ihrem Mann ebenso wie die in die Ehe eingebrachte Mitgift.

Auch im Römischen Zivilrecht waren die Rechte der Frau sehr begrenzt. Die dafür angeführten Gründe werden verschiedentlich beschrieben als ‘Schwachheit’ oder ‘Einfältigkeit ihres Geschlechts’. Aus diesem Zusammenhang geht klar hervor, daß das Problem nicht in der physischen Schwachheit der Frau lag, sondern in ihrer als mangelhaft betrachteten Fähigkeit des logischen Denkens und vernünftigen Urteilens.

  • Frauen konnten keine öffentlichen Ämter innehaben.
  • Frauen konnten bei Gericht, bei Vertragsabschüssen, bei Zeugenaussagen etc. nicht als eigenverantwortliche Personen handeln.
  • Frauen wurden ähnlich behandelt wie Minderjährige, Sklaven, verurteilte Kriminelle und Taubstumme, also so wie alle jene Leute, denen man nicht trauen konnte.

Weitere Details und Verweise siehe The Right of Women According to Roman Law (= Die Rechte der Frauen nach dem Römischen Gesetz)

Die Kirchenväter sahen die Frauen als minderwertig an

In den vorherrschenden Traditionen der Römer und der Hellenisten wurde die Gesellschaft als Schichtung höherer und niedrigerer Formen menschlichen Seins betrachtet. Die Frau war von Natur aus dem Mann untergeordnet. Es überrascht nicht, daß dieses Denken die Kirchenväter stark beeinflußt hat.

Die untergeordnete Stellung der Frau wurde einfach hingenommen.

  • “Sowohl die Natur als auch das Gesetz ordnen der Frau einen dem Manne untergeordneten Zustand zu” Irenäus, Fragment No 32.
  • “Es ist die natürliche Ordnung unter den Menschen, daß die Frauen ihren Männern und die Kinder ihren Eltern dienen, denn die Rechtmäßigkeit liegt in dem Prinzip, daß der Geringere dem Größeren dient . . . Dies ist die natürliche Gerechtigkeit, daß der schwächere Intellekt dem stärkeren diene. Dies ist daher die offensichtliche Gerechtigkeit in der Beziehung zwischen Sklaven und ihren Herren, daß die an Verstand überragenden auch die überragende Macht haben” (Augustinus, Fragen zum Heptateuch, I. Buch, § 153 ).
  • “Auch kann nicht bezweifelt werden, daß es eher der natürlichen Ordnung entspricht, wenn der Mann über die Frau herrscht, als umgekehrt die Frau über den Mann. Mit diesem Prinzip vor Augen sagt der Apostel: “Das Haupt der Frau ist der Mann” und “Frauen, ordnet euch euren Männern unter”. So schreibt auch der Apostel Petrus: “Auch Sarah gehorchte Abraham und nannte ihn ‘Herr’ ” (Augustinus, Über die Sinnlichkeit, I. Buch, Kap. 10 ).
  • “Nach dem Willen des Apostels sollen die Frauen in ihrer offensichtlichen Minderwertigkeit ohne Schuld bleiben, damit die Kirche Gottes rein bleibe.” Ambrosiaster, Zu 1 Tim 3,11.
  • “Wer außer den Frauen lehrt solche Dinge? In Wahrheit sind die Frauen ein wankelmütiges Geschlecht, unzuverlässig und von mäßiger Intelligenz. Aufs Neue sehen wir, daß der Teufel die Frauen dazu zu bringen weiß, unsinnige Lehren herauszuspeien, wie es ihm gerade im Fall von Quintilla, Maxima und Priscilla gelungen ist” Epiphanius, Panarion 79, §1.

Aus dem Glauben, daß nur der Mann, nicht aber die Frau als Gottes Ebenbild geschaffen wurde, wurde oft die Bestätigung für den minderwertigen Status der Frau abgeleitet.

  • “Du (Frau) hast so leichtfertig das Bild Gottes zerstört” Tertullian, De Cultu Feminarum, 1. Buch, Kap. 1.
  • “Wie hätte Gott den Männern solches Entgegenkommen nicht in größerem Maße (als den Frauen) gewähren können, wenn nicht aufgrund näherer Vertrautheit zum Mann als ‘sein Ebenbild’ oder wegen seiner härteren Arbeit? Wenn aber dem Manne somit nichts gewährt ist, dann noch viel weniger der Frau” Tertullian, Über die Verschleierung der Jungfrauen, Kap. 10.
  • “Frauen müssen ihr Haupt bedecken, weil sie nicht Ebenbild Gottes sind . . . Wie kann jemand behaupten, die Frau sei das Ebenbild Gottes, wenn sie doch sichtbar der Herrschaft des Mannes untergeordnet ist und keinerlei Autorität hat? Denn sie kann weder lehren, noch vor Gericht Zeugnis geben, noch ein Bürgerrecht ausüben, noch richten, und gewiß nicht herrschen” Ambrosiaster, Zu 1 Kor 14, 34.

Die Kirchenväter übernahmen auch die Ansicht des Aristoteles, daß der Vater als ganzer Mensch den Samen beiträgt, wogegen die Mutter nichts weiter ist als die Erde, in welcher der Samen wächst.

  • “Der Boden, den der Mutterleib darstellt, nimmt das Menschengeschlecht auf und sie nährt, was ihr Eigen ist, nachdem sie es empfangen hat und während sie diesen Leib nährt, während sie ihm einen Leib gibt, formen sich die unterschiedlichen Gliedmaßen”. Hieronymus, Brief an Pammachius.
  • ” Sie schließen sich mit Frauen zusammen ein und rechtfertigen ihre sündigen Umarmungen, indem sie diese Zeilen anführen: ‘Der allmächtige Vater nimmt die Erde zur Frau; Er läßt fruchtbringenden Regen über sie fallen, damit aus ihrem Leib neue Ernte erwachse und reife.’ ” Hieronymus, Brief 133 an Ctesiphon, §3.
  • Siehe auch den hervorragenden Artikel von Kim Power, “Of godly men and medicine: ancient biology and the Christian Fathers on the nature of woman”. (= “Von göttlichen Menschen und Medizin; altertümliche Biologie und Kirchenväter über die Natur der Frau”).

Frühe ‘Kirchenordnungen’ und der niedrige Status der Frau

Das Vorurteil über die Minderwertigkeit der Frau wird auch in einigen Regeln widergespiegelt, welche für Frauen in kirchlicher Praxis festgelegt wurden.

  • “Wenn ‘der Mann das Haupt der Frau’ ist und von Anfang an nur der Mann zum Priestertum geweiht wird, so nicht um die Schöpfungsordnung zu übergehen und das Haupt an den letzten Teil des Körpers gelangen zu lassen. Denn die Frau ist der Leib des Mannes, seiner Seite entnommen und ihm untergeordnet. Sie wurde von ihm losgelöst, um Kinder hervorzubringen. Denn so spricht Er: “Er soll herrschen über dich.” Der wesentliche Teil der Frau ist der Mann als ihr Haupt. Wenn wir in den vorangegangenen Konstitutionen den Frauen verboten haben zu lehren, wie will ihnen irgend jemand erlauben, in widernatürlicher Weise das Priesteramt auszuüben? Denn dies ist eine der üblen Praktiken des heidnischen Atheismus, Frauen zu Priesterinnen der weiblichen Gottheiten zu weihen. Dies ist keine Anordnung Christi. Denn wenn Frauen die Taufe spenden könnten, so wäre unser Herr sicherlich von seiner eigenen Mutter getauft worden und nicht von Johannes; oder als Er uns ausgesandt hat zu taufen, hätte er Frauen mitgeschickt. Aber Er hat uns nirgends irgend etwas von dieser Art übergeben, weder als Anordnung noch in geschriebenem Wort, in seinem Wissen über die natürliche Ordnung und die Schicklichkeit des Tuns, als Schöpfer der Natur und als Gesetzgeber dieser Konstitution” Apostolische Konstitutionen, III, No 9.
  • Der selbe Text wird zitiert in den Statuta Ecclesiae Antiqua Kap. 41, welche im Mittelalter sehr bekannt waren.
  • “Frauen ist es nicht erlaubt, im Gottesdienst zu sprechen; aber nach dem Wort des Apostels Paulus “laßt sie schweigen. Denn es ist ihnen nicht erlaubt zu sprechen, sondern sie sollen sich unterordnen, wie es auch das Gesetz verlangt. Wenn sie etwas genauer wissen wollen, so sollen sie zu Hause ihre Ehemänner fragen”.” Konzil von Trullo, Canon 70.

Theologen akzeptierten die Minderwertigkeit der Frau

Für die Theologen des Mittelalters waren die Griechische Philosophie, das Römische Recht, die Lehre der Kirchenväter und die kirchlichen Canones unbestreitbare Quellen für ihre Argumentationen. Damit übernahmen sie auch das Vorurteil von der Minderwertigkeit der Frau.

  • “Aus drei Gründen wird der Mann als Ebenbild Gottes bezeichnet, nicht aber die Frau. Erstens: So wie es einen Gott gibt, der der Ursprung allen Seins ist, so wurde im Anfang ein Mann geschaffen, aus dem alle anderen hervorgingen. Daher ist er in einer Weise Gott ähnlich, als nämlich alles von diesem einen Gott kommt, ebenso wie alle Menschen aus diesem einen Mann hervorgehen. Zweitens: so wie aus Christi Seite, als er nach seinem Sterben am Kreuz im Tode ruhte, der Ursprung der Kirche hervor floß, nämlich Wasser und Blut, in denen die Sakramente der Kirche verkörpert sind, aus denen die Kirche ihren Ursprung hat und lebt und zur Gemahlin Christi wird, so wurde aus der Seite des Adam, als er im Paradiese schlief, seine Gemahlin geschaffen, denn ihm wurde eine Rippe entnommen, aus der Eva geformt wurde. Drittens: So wie Christus das Haupt der Kirche ist und die Kirche führt, so ist der Mann das Haupt der Frau und führt und beherrscht sie. Aus diesen drei Gründen ist der Mann das Ebenbild Gottes, nicht die Frau. Deshalb soll der Mann nicht so wie die Frau ein Symbol der Unterwerfung sein, sondern ein Symbol der Freiheit und der Überlegenheit. Aus einem anderen Grunde jedoch sagt man, Mann und Frau seien Ebenbild Gottes. Wir kennen das Wort ‘Laßt uns den Menschen machen, laßt uns ihn nach unserem Bilde machen, uns ähnlich’. Das Geschöpf hat Anteil am göttlichen Wesen durch die Fähigkeiten der Vernunft, des Intellektes, des Geistes und des Gedächtnisses, und dies sagt man sowohl über die Frau als auch den Mann.” Hugguccio, Summa, C. 33, qu. 5, Kap. 13.
  • “Frauen können keinerlei öffentliche Verantwortung tragen . . . Frauen können kein öffentliches Amt bekleiden . . . Die Natur hat die Frauen zum Zwecke des Gebärens von Kindern geschaffen . . . Der Mann ist das Ebenbild Gottes . . . Der Mutterleib ist der Boden, in dem der Samen gedeiht . . ., etc.” Johannes Teutonicus, Apparatus, passim.
  • “Frauen können keine Männerverantwortung innehaben. Dies gilt auch für adelige Frauen und Äbtissinnen . . . Achtzehn Gründe, warum Frauen schlechter als Männer sind . . .” Henrick de Sergusio, Commentaria, I fol. 173r, 204v.
  • “Frauen sind nicht geeignet, die Priesterweihe zu empfangen, denn die Weihe ist vorgesehen für makellose Mitglieder der Kirche, da sie als Weitergabe der Gnade an andere Männer erteilt wird. Frauen sind jedoch keine makellosen Mitglieder der Kirche, nur Männer sind es.”
    “Füge hinzu, daß die Frau nicht Ebenbild Gottes ist, nur der Mann ist es.” Guido de Baysio, Rosarium, c. 27, qu. 1, Kap. 23.
  • “Es ist angemessen, daß die Frau nicht die Schlüsselgewalt innehat, denn nicht sie, sondern nur der Mann ist als Ebenbild Gottes geschaffen, er ist das Bild der Herrlichkeit Gottes. Deshalb muß die Frau dem Manne untertan sein wie eine Sklavin.” Anthony de Butrio, Commentaria, II, fol. 89r.

Thomas von Aquin folgte der Sicht des Aristoteles, der die Empfängnis eines weiblichen Kindes auf einen Defekt eines Samens zurückführte. Der männliche Same ist dazu bestimmt, einen vollkommenen Menschen hervorzubringen, einen Mann. Aber dann und wann gelingt dies nicht ganz und es entsteht eine Frau. Eine Frau ist daher ein mas occasionatus, ein mißlungener Mann. Auch ist sie nicht gänzlich als Bild Gottes geschaffen.

  • “Vis-a-vis [im Sinne ‘verursacht durch’] der natura particularis [d.h. die Funktion des männlichen Samens] ist das Weib mangelhaft und nicht in beabsichtigter Weise entstanden. Denn die Kraft des Samens sucht immer etwas zu schaffen, das ihm ähnlich ist, also etwas Männliches. Wenn also ein Weib entsteht, so ist dies zurückzuführen auf eine Schwäche des Samens oder auf die Unzulänglichkeit der Substanz [die der weibliche Elternteil beiträgt] oder auch auf äußere Einflüsse, wie etwa auf südliche Winde, welche zu hoher Luftfeuchtigkeit führen. Aber vis-a-vis [im Sinne von ‘verursacht durch’] der natura universalis [Natur] ist das Weib nicht durch Zufall verursacht, sondern von der Natur beabsichtigt weil notwendig zur Zeugung. Nun stammen die Absichten der Natur von Gott, dem Schöpfer. Aus diesem Grunde hat er, als er die Natur erschuf, nicht nur den Mann sondern auch das Weib geschaffen.” Summa Theologiae, 1, qu. 92, art 1, r.
  • “In bezug auf die Bedeutung eines Ebenbildes – also in bezug auf die geistige Natur – ist das Bild Gottes im Manne und ebenso in der Frau gegenwärtig…. In einem weiteren Bezug ist das Bild Gottes im Mann wahrhaftig in einer Weise gegenwärtig, die man bei der Frau nicht findet. Denn der Mann ist Ursprung und Ziel der Frau, so wie Gott Ursprung und Ziel der ganzen Schöpfung ist. Deswegen fügt der Apostel die Worte hinzu: ‘Der Mann ist Ebenbild Gottes, aber die Frau ist die Verherrlichung des Mannes’ und begründet dies (1 Kor 11.8f): ‘Denn der Mann kommt nicht von der Frau, aber die Frau kommt vom Manne. Auch wurde der Mann nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau für den Mann.’ ” Summa Theologiae I, qu. 93 art. 4 ad 1.
  • “Wenn auch eine Frau Objekt allen Strebens zur Erteilung von Weihen wäre, so könnte sie doch keine Weihe empfangen, denn ein Sakrament ist ein Zeichen, nicht nur ein Ding, sondern die Bedeutung des Dinges, die in allem sakramentalen Tun sichtbar werden soll. So wurde oben (32,2) festgestellt, daß bei der Krankensalbung ein Kranker notwendig ist, um die Bedeutung der Notwendigkeit von Heilung sichtbar zu machen. Nachdem es im weiblichen Geschlecht unmöglich ist, zu Rang und Würde zu gelangen, da der Frau ein untergeordneter Status zukommt, so folgt daraus, daß sie das Sakrament der Weihe nicht empfangen kann.Summa Theologiae, Suppl., qu. 39, art 1.

Das Kirchenrecht besiegelte die Minderwertigkeit der Frau

Die als gegeben angenommene Minderwertigkeit der Frau fand Eingang in das Kirchenrecht vor allem durch das Decretum Gratiani (1140 n.Chr.), welches 1240 zum offiziellen Kirchengesetz wurde und einen wesentlichen Teil des Corpus Iuris Canonici bildete, der bis 1916 in Kraft war.

Die rechtliche Situation der Frauen im Corpus Iuris Canonici (1234 – 1916) wird wie folgt zusammengefaßt:

  • “Gemäß einem zivilrechtlichen Prinzip kann eine Frau kein öffentliches Amt bekleiden. Nach dem Kirchenrecht sind Frauen in gleicher Weise von allen geistlichen Funktionen und Ämtern ausgeschlossen”
  • “Eine Frau kann daher keinerlei kirchliche Weihen empfangen. Sollte sie dennoch eine Weihe erhalten, so hat diese keinen sakramentalen Charakter . . . .”
  • “Eine Frau, und sei sie noch so fromm und gelehrt, darf weder predigen noch lehren . . . .”
  • “In der Ehe steht die Frau unter der Gewalt des Mannes, nicht jedoch der Mann unter der Gewalt der Frau. Der Mann kann seine Frau strafen. Die Frau ist verpflichtet, ihrem Mann zu folgen wo immer er zu wohnen beschließt.”
  • “Die Frau ist zu größerer Bescheidenheit verpflichtet als der Mann”
  • “Eine Frau braucht wegen ihrer Furchtsamkeit größere Nachsicht. Im Falle einer Exkommunikation ist sie von der Fahrt nach Rom zur Erlangung der Absolution dispensiert.”

L’Abbé André, Droit Canon, Paris 1859, vol. 2, col. 75.

Der Codex Iuris Canonici, im Jahre 1916 veröffentlicht, enthielt die folgenden Vorschriften, die auf der als gegeben vorausgesetzten Minderwertigkeit der Frau beruhten:

  • “Eine Frau, die von ihrem Mann unrechtmäßig geschieden ist, behält automatisch die Wohnung ihres Mannes”, Canon 93, § 1.
  • “Nur [männliche] Kleriker können ein Weisungsrecht oder die Vollmacht der kirchlichen Jurisdiktion innehaben oder eine Pfründe oder eine kirchliche Pension erhalten”, Canon 118.
  • “[In brüderlichen Gemeinschaften oder religiösen Vereinigungen zur Verbreitung frommer oder wohltätiger Werke] können Frauen nicht als Mitglieder aufgenommen werden, außer um die Nachsicht und die den männlichen Mitgliedern verliehene spirituelle Gnade zu erlangen”, Canon 709, § 2.
  • “Nur ein getaufter Mann kann die Priesterweihe empfangen”, Canon 968, § 1.
  • “Jeder Gläubige kann die Einleitung eines Heiligsprechungsverfahrens verlangen . . . Männer können in eigener Person handeln oder durch einen eigens ernannten Prokurator, Frauen müssen durch einen Prokurator vertreten sein”, Canon 2004, § 1

Im neuen Kodex des Kanonischen Rechts (1983) sind einige Verbesserungen des Status der Frauen in der Kirche sichtbar. Diskriminierungen aufgrund des Geschlechtes wurde beseitigt in den Artikeln betreffend den Wohnsitz (c. 104), den Ort der Eheschließung (c. 1115) oder des Begräbnisses (c. 1177). Weiters:

  • Frauen können als beratende Sachverständige an Gerichten wirken (c. 1421, § 2).
  • Frauen können zum Predigtdienst in Kirchen bevollmächtigt werden (c. 766).
  • Frauen können mit der Seelsorge in lokalen Gemeinden beauftragt werden (c. 517, § 2).

In anderen Bereichen setzt sich die Diskriminierung jedoch weiter fort:

  • “Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann”, Canon 1024.
  • Dies zieht die Ausschließung von Leitungsämtern in der Kirche nach sich: “Zur Übernahme von Leitungsgewalt, die es aufgrund göttlicher Einsetzung in der Kirche gibt und die auch Jurisdiktionsgewalt genannt wird, sind nach Maßgabe der Rechtsvorschriften diejenigen befähigt, die die heilige Weihe empfangen haben”, Canon 129, § 1.
  • “Allein Kleriker können Ämter erhalten, zu deren Ausübung Weihegewalt oder kirchliche Leitungsgewalt erforderlich ist”, Canon 274, § 1.

Schlußfolgerung

Es ist ein Tatsache, daß viele Kirchenväter, kirchliche Rechtsgelehrte, Theologen und Kirchenführer der Meinung waren, daß Frauen nicht zu Priesterinnen geweiht werden können.
Es kann nicht geleugnet werden, daß diese Meinung auf dem Vorurteil der Minderwertigkeit der Frau beruht – heute ebenso wie in der Vergangenheit.
Es ist offensichtlich, daß dieses soziale und kulturelle Vorurteil alle Urteile in bezug auf die Weihefähigkeit von Frauen entkräftet.

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Deutscher Sprachbereich

Dieses Dokument kann frei verwendet werden. Wir ersuchen jedoch um die Quellenangabe www.womenpriests.org.

Übersetzung aus dem Englischen: Michael Mayr, A-4020 Linz


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