Beschlüsse und Voten

Beschlüsse und Voten der Würzburger Synode

kopiert aus:Die Kirche braucht Diakoninnen, Münster 1999.

Würzburger Synode:

“In der heutigen pastoralen Situation sprechen folgende Gründe dafür, auf diese alte kirchliche Praxis (= die Weihe von Frauen zu Diakoninnen, s. S. 616) zurückzugreifen: Viele Frauen üben in vielen Kirchenprovinzen, nicht nur in Missionsgebieten, eine Fülle von Tätigkeiten aus, die an sich dem Diakonenamt zukommen. Der Ausschluß dieser Frauen von der Weihe bedeutet eine theologisch und pastoral nicht zu rechtfertigende Trennung von Funktion und sakramental vermittelter Heilsvollmacht.

Ein weiterer Grund liegt darin, daß die Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft es heute unverantwortlich erscheinen läßt, sie von theologisch möglichen und pastoral wünschenswerten amtlichen Funktionen in der Kirche auszuschließen.

Schließlich läßt die Hineinnahme der Frau in den sakramentalen Diakonat in vielfacher Hinsicht eine Bereicherung erwarten, und zwar für das Amt insgesamt und für die in Gang befindliche Entfaltung des Diakonats im besonderen. Der Diakonat ist eine eigenständige Ausprägung des Weihesakraments, die sich theologisch und funktional vom priesterlichen Dienst abhebt. Der geschichtliche Befund bezüglich des Diakonats der Frau und bezüglich des Priestertums der Frau liegt jeweils anders. Daher ist die Frage der Zulassung der Frau zum sakramentalen Diakonat verschieden von der Frage des Priestertums der Frau.

Die in unserer Gesellschaft anerkannte grundsätzliche Gleichstellung von Mann und Frau sollte auch im kirchlichen Bereich dazu führen, daß die pastoralen und liturgischen Aufgaben des Diakons und der Diakonin einander entsprechen. Falls sich trotzdem in der praktischen Tätigkeit unterschiedliche Schwerpunkte ergeben, kann das einer fruchtbaren Entfaltung des Amtes dienen. Es berührt aber nicht die grundsätzliche Gleichheit der Rechte und Pflichten. Die Zulassungsbedingungen zum Diakonat sollen daher für Manner und Frauen soweit als möglich angeglichen werden. Das betrifft insbesondere die Bewährung in der Gemeinde, im Beruf und ggf. in der Familie sowie das Miteinander.

Die Synode bittet den Papst, die Frage des Diakonats der Frau entsprechend den heutigen theologischen Erkenntnissen zu prüfen und angesichts der gegenwärtigen pastoralen Situation womöglich Frauen zur Diakonatsweihe zuzulassen." (Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland - Beschlüsse der Vollversammlung. Freiburg - Basel - Wien 1976, S. 616f)

Die Synode argumentiert also dreifach:

  1. Tradition: Es hat in der alten Kirche Frauen als Diakoninnengegehen, d.h. die Weihe steht nicht im Widerspruch zur Praxis der Kirche durch die Jahrhunderte.
  2. Frauen uben heute Tätigkeiten ans, die zu den ursprunglichen diakonalen Aufgaben der Gemeinde zählen.
  3. Die in Gesellschaßt und Kirche anerkannte Gleich stellung von Männern und Frauen erfordert eine Anpassung der kirchlichen Praxis, soweit es theologisch möglich ist.
    (s. Argument 1)

Hirtenbrief der Deutschen Bischofskonferenz “:Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft”, 1981:

“Anders als die Frage des Priestertums stellt sich uns die Frage nach der Zulassung von Frauen zum sakramentalen Diakonat. Die Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland hat die Zulassung von Frauen zum Diakonat eindeutig erörtert. (Beschluß: ”Die pastoralen Dienste in der Gemeinde" 4.2). Sie empfiehlt, an die in Teilen der alten Kirche geübte Praxis der Weihe von Diakonninen wieder anzuknüpfen. Darum hat sie den Papst gebeten, ,die Frage des Diakonates der Frau entsprechend den heutigen theologischen Erkenntnissen zu prüfen und angesichts der gegenwärtigen pastoralen Situation womöglich Frauen zur Diakonatsweihe zuzulassen' (Beschluß: “Die pastoralen Dienste in der Gemeinde” 7.1 Votum 3). Diese Frage bedarf noch weiterführender Diskussion, vor allem aber einer größeren Ubereinstimmung der Meinung in der gesamten Kirche." (S. 22)

Die Bischöfe zitieren (und unterstützen damit) das Votum der Synode. Gleichzeitig rucken sie den Zeitpunkt fur eine positive Beantwortung des Votums jedoch in weitere Ferne, wenn sie eine weiterfurhrende Diskussion und einegrossere Ubereinstimmung dergesamten Kirche in dieser Frage anmahnen.

Internationaler theologischer Fachkongreß “Diakonat: Ein Amt für Frauen in der Kirche - ein frauengerechtes Amt?”, Stuttgart 1997: “Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ersuchen die Bischöfe nachdrücklich, ihre unvertretbare Eigenverantwortung in ihren Diözesen wahrzunehmen und beim Apostolischen Stuhl ein Indult (1) zu erwirken, das die Ordination von Frauen zu Diakoninnen in ihren Diözesen ermöglicht.”

Der Fachkonkreß versucht auf Anregung der American Canon Law Society (amerikanische Gesellschaft der Kirchenrechtlerinnen und Kirchenrechtler) einen anderen Weg, um die Zulassung von Frauen zum Diakonat zu erreichen. Ihr Weg führt nicht zuerst über eine Änderung des can. 1024 des CIC (“Die heilige Weihe empfangt gültig nur der getaufte Mann.”), sondern über eine Ausnahmeregelung (Indult). Ein solches Indult gestattet eine Ausnahme von einem Gesetz, wodurch “das allgemein geltende Recht nicht nur aufgehoben, sondern zugleich durch eine neue Norm ersetzt wird, dies allerdings nur für einzelne Personen oder Sachen oder für Gruppen von beiden, jedoch nicht für alle der gleichen Art.(2) Vorstellbar wäre demnach, daß ein Bischof für eine Frau, die ihm für das Amt der Diakonin geeignet scheint, in Rom eine solche Ausnahme vom can. 1024 beantragt.(3)

Diözesanforum Münster “Mit einer Hoffnung unterwegs”, 1998:
“Nicht die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern muß begründet werden, sondern deren Ausschluß. Damit die Kirche in ihrer Heilssendung glaubwürdig bleibt, möge das Diözesanforum als Beschluß beschließen: Das Diözesanforum spricht sich nachdrücklich dafür aus, daß der Diakonat als eigenständiges Amt mit den Aufgaben in allen drei kirchlichen Grundvollzügen (in Verkündigung, Diakonie und Liturgie) auch Frauen offensteht. Das Diözesanforum erklärt den Diakonat der Frau zu einem Arbeitsschwerpunkt im Bistum. Der Bischof wird gebeten, in Rom nachdrücklich für den Frauen-Diakonat einzutreten.” (6.3.1)

DerBischof kommentiert den Beschluss ausfuhrlich. Er weist darauf hin, das dasgrosste Hemmnis für die Diakoninnenweihe die Einheit des Weihesakramentes ist. Dann nimmt er eine Differenzierung aus dem Katechismus der Katholischen Kirche auf, der sehr deutlich zwischen der Priestern und Bischofen einerseits und der Diakonen uerliehenen Vollmacht andererseits trennt: “ Von ihm (Christus) empfangen die Bischöfe und Priester die Sendung und Vollmacht (heilige Gewalt), ,in der Person Christi des Hauptes' (in persona Christi capitis) zu handeln, die Diakone die Kraft, in Gemeinschaß mit dem Bischof und seinem Presbyterium dem Volke Gottes in der,Diakonie' der Liturgie, des Wortes und der Liebe zu dienen. ” Nr. 875) Diese Differenzierung ermöglicht einegetrennte Entscheidung der Zulassung von Frauen und Diakonat und zum Priesteramt.

Ähnlich wie in Münster haben in den letzten Jahren in vielen deutschen Bistümern Diözesantage, Foren oder Synoden stattgefunden, bei denen der Diakonat für Frauen dringend gefordert wurde.

Marlies Mittler-Holzem

Anmerlungen

1. Ein Indult ist eine kirchenrechtliche Erlaubnis des Apostolischen Stuhls.

2. Aymans-Mörsdorf, Kanonisches Recht 1; 1991, S. 257.

3. vgl. dazu ausfuhrlich: L. Blyskal: Uber die kirchenrechtlichen Minel zur Veranderung der gegenwartigen Praxis, nur Männer zu Ständigen Diakonen zu weihen; in: Hünerrnann/Biesinger/HeimbachSteins/Jensen (Hg.): Diakonat: Ein Amt für Frauen in der Kirche - ein frauengerechtes Amt , Ostfildern 1997, S. 236-242.

Sehe auch Diakonatsamt für die Frau:

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