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door Dr. Gerh. Huls. Dissertatie Utrecht 1951. Promotor:
Dr. S. Berkelbach van der Prenkel (Prof. Kerkrecht)
publ. H.Veenman &
Zonen, Wageningen, 1951
I
1. Zum richtigen Verständnis der Stellung der Frau im N.T. ist im ersten Kapitel eine Untersuchung angestellt worden über ihre Stellung im A.T., unter den Römern, in der griechisch-hellenistischen Kulturwelt und im zeit-genössischen Judentum.
2. Im Vergleich hiermit bedeutet Jesu Anerkennung der Frau ein völliger Umsturz, weil er sie als eine gleichwertige Persönlichkeit neben dem Manne anerkennt. Nach dem ersten Pfingsttag, als Männer und Frauen den Geist empfangen, beteiligen letztere sich aktiv an den Diensten der Gemeinde. Die Paulusbriefe bestätigen dies: Frauen treten als Prophetinnen auf, beten vor in der Gemeinde, dienen in der Arbeit der Barmherzigkeit, unterrichten, usw., was prinzipiell fundiert wird (Gal 3:28).
Nur was die verheiratete Frau anbetrifft sieht Paulus sich genötigt eine Beschränkung aufzuerlegen. Der von Gott in die Ehe gesetzten Ordnung wegen, die von der Frau hupotagè (Unterordnung) ihrem Manne gegenüber fragt, weist er in l Kor 14:34f ihre Beteiligung an der Diskussion in der Gemeindeversammlung zurück, während l Tim 2:11ff ihr das didaskein (unterrichten) nicht erlaubt, weil hierdurch in den damaligen Verhältnissen, diese Unterordnung gefährdet worden wäre. Demgegenüber steht jedoch wieder, daB Frauen auch Dienste verrichteten, als diese mehr geordnet wurden (Rom. 16:1f; l Tim 3:11, 5:9f).
3. Auch in der Alten Kirche nahm die Frau anfangs noch eine hervor-ragende Stelluog ein: bei der Wortverkündigung in der Mission, in der Gemeinde als Lehrerin und Prophetin. Vielleicht hat sie sogar die Sakramente gespendet. Daneben kommen die Dienste der Witwen und Diakonissen vor. Letztere haben im Osten eine weitaus grössere Rolle gespielt als im Westen, obwohl sie hier jahrhundertelang bekannt geblieben sind. Schliesslich werden sie aber durch hiërarchisch-sakerdotale Einflüsse, die mit einem wachsend denigrierenden Urteil über das weibliche Geschlecht zusammenhängen aus dem offiziellen Dienst der Kirche verdrängt.
4. Die Reformation hat der Frau ihre dem Manne gleichwertige Stellung im Dienst der Kirche nicht wiedergegeben, wenn auch Luther und Calvin hiermit bescheidene Versuche gemacht haben. Auch spätere Versuche haben kein bleibendes Ergebnis abgeworfen. In ausserkirchlichen Strömungen und Sekten nimmt die Frau eine viel bedeutendere Stellung ein,
5. Jetzt ist das Problem vom Dienste der Frau ziemlich überall an der Tagesordnung. Die von Fliedner wieder eingesetzten Diakonissen, suchen ein Band mit der Kirche, während in den meisten Ländern über die Zulassung der Frau zu allen Aemtern diskutiert wird, was in einigen Kirchen schon geschehen ist.
II
1. Die Bedenken gegen den Dienst der Frau gründen hauptsächlich auf den Charakter des Amtes in der Kirche. Wenn wir aber das Neue Testament zu Rate ziehen, so stellt sich heraus, dass das einzige, was Menschen in der Kirche tun können, Dienen ist, da jede Form des alttestamentischen leitourgia (kultischer Priesterdienst) mit Jesu Christo vollendet ist. Alle Dienste, die in der Gemeinde verrichtet werden, gründen sich auf ein Charisma, von dem Christus (der Geist) eine groBe Mannigfaltigkeit ausgeteilt hat. Die Kirche lebt nämlich als der Leib Christi und jedes Glied hat darin eine bestimmte Funktion, wofür es zuerst solch ein Charisma erhielt. Zwischen den Diensten ist denn auch kein einziger qualitativer Unterschied und dieser entsteht auch nicht, wenn einige dieser Dienste um der Ordnung in der Gemeinde willen, z.B. durch eine Wahl Öffentlich anerkannt werden. Um diese Aemter zu nennen und sie von den andern Diensten prinzipiell zu unterscheiden, ist falsch. Auch wenn der Ausübung bestimmter Charis-mata Beschränkungen auferlegt werden (l Kor 14:27ff) ist es wichtig, daB im Neuen Testament der Frau kein einziges Charisma prinzipiell abgesprochen wird.
2. Mit den Verwachsungen dieser Angaben im römisch-katholischen Klerusbegriff hat Calvin nicht radikal genug gebrochen, dadurch dass er die Aemter auf 4 (oder 3) beschränkte und diese auch zu viel von den einem jeden übertragenen Diensten isolierte, so dass sie im Ganzen der Gemeinde zu selbstandig wurden. DaB er hierbei den Einfluss von den Zeitverhältnissen und von den Anforder ungen der Praxis in Genf erfahren hat, geht deutlich hervor. Die Folgen waren, dass in den presbyterial verfassten Kirchen zu viel ïnstitutionellen Elemente hineingedrungen sind auf Kosten der organischen Funktionierung der Kirche als Leib Christi, was u.a. zum Ausdruck gelangt in einer starken Beschränkung der Anzahl von Aemtern, die ausserdem noch von dem allgemeinen Priestertum losgelöst sind und deren Dienst-charakter gefährdet wird, auch weil sie alle an der Regierung beteiligt sind, während die andern Dienste etwa als ordines minores umschrieben werden.
3. Auch durch die moderne Frauenbewegung entdeckt die Kirche jetzt wieder, welche bedeutende Charismata der Frau gegeben sind, welche nur zum grossen Schaden unbenutzt bleiben können. Auch für die gigantische Aufgabe, die die Kirche in der modernen Welt hat, darf sie vertrauen, dass es ihr an keinem Charisma mangelt (l Kor 1:7). Eine gründliche Revision des Amtsbegriffes wird aber nötig sein um all diese Charismata funktionieren lassen zu können, wobei auch die der Frau die Möglichkeit zur vollen Entfaltung haben mussen. Als ein Zeichen, dass die Kirche die von Gott eingesetzte hupotagè respektiert, könnte sie z.B. der verheirateten Frau die öffentliche Predigung verweigern. Weitere Beschränkungen dürfen ihr nicht auferlegt werden, weil weder die Art der Regierung in der Kirche - die mehr den Charakter einer Leitung hat - weder psychologische, physiologische, praktische oder ökumenische Ansichten dazu genugende Argumente liefern.

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