DISCIPLESHIP FOR A PRIESTLY PEOPLE IN A PRIESTLESS PERIOD

Women's Ordination Worldwide
1st International Conference

Dublin 2001

NACHFOLGE FÜR EIN PRIESTERLICHES VOLK IN EINER PRIESTERLOSEN ZEIT

Joan Chittister, osb

English Version

French Version

Drei Geschichten können am besten diese Gedanken über Nachfolge in einer Übergangszeit erläutern.

Die erste handelt von einer altern Frau, die die süße, aber gefährliche Gewohnheit hatte, von der linken Fahrbahn rechts abzubiegen. Den letzten Mann, den sie von der Breitseite dabei anfuhr, steig aus seinem Wagen, ging zum Fahrerfenster, lehnte sich hinein und sagte langsam: "Meine Dame, könnten Sie mir vielleicht eins sagen: warum haben Sie nicht geblinkt?" Und die alte Dame antwortete ihm: "Mein Lieber, weil ich immer hier abbiege"

Die zweite Einsicht kommt von der Dichterin Basho, die schrieb: "Ich versuche nicht, in den Fußstapfen der Alten zu gehen, sondern ich suche das, was sie suchten".

Und die dritte Geschichte ist ein Stück alter monastischer Literatur:

Es war einmal, so erzählt die Geschichte, da reiste ein Lehrer mit großer Mühseligkeit zu einem weit entlegenen Kloster, weil dort ein Mönch lebte, der dafür berühmt war, bohrende spirituelle Fragen zu stellen.

"Heiliger" sagte der Lehrer, "gib mir eine Frage, die meine Seele erneuert". "Ach so", sprach der Mönch, " ja dann lautet deine Frage: Was brauchen sie?" Der Lehrer schlug sich tagelang mit der Frage herum, gab aber schließlich deprimiert auf und kehrte mit Widerwillen zum Mönch zurück. "Heiliger", sagte der Lehrer, "ich kam her, weil ich müde bin und deprimiert und ausgelaugt. Ich kam nicht her, um über mein Amt zu sprechen, sondern ich kam her, um über mein spirituelles Leben zu sprechen.. Bitte gib mir eine andere Frage.

"Aha, nun, natürlich, jetzt verstehe ich", sagte der alte Mönch, "in dem Fall ist die Frage: Was brauchen sie? nicht die richtige für dich. Die richtige Frage für dich ist: Was brauchen sie wirklich?"

Diese Frage bedrängt mich. Was brauchen die Menschen wirklich in einer Zeit, in der die Sakramente verloren gehen in einer sakramentalen Kirche? Aber alle Ansätze, um diese Frage zu beantworten - selbst das Bewußtsein, dass sich die Frage stellt nach dem Wesen und der Bedeutung des Priestertums, werden blockiert, behindert, versagt, und unterdrückt

"Was brauchen sie wirklich?" wird für mich zu einem bedrängenden Refrain, aus mehr gründen als dem rein philosophischen.

Oben auf dem Gipfel eines mexikanischen Berges, am Ende eines meilenweiten Trampelpfads und jenseits von feuchtem, schlüpfrigem Lehm besuchte ich ein Indianerdorf, zu dem einmal im Jahr ein Priester kam. Aber das war vor Jahren. Nun ist der Berg noch genauso hoch, und der Priester ist fünfzehn Jahre älter.

Vor fünf Jahren sprach ich in einer amerikanischen Pfarrei von 6000 Familien - eine dieser neuzeitlichen westlichen Phänomene, die als Megakirchen bekannt sind - von drei Priestern betreut. Dort gibt es jedoch keinen Priestermangel, wie die Priester Sie wissen lassen, weil der Bischof das optimale Verhältnis von Priestern zu Gläubigen neu festgesetzt haben von einem Priester auf 250 Familien zu einem auf 2000. Diözese um Diözese werden die Pfarreien zusammengelegt, geschlossen, zu sakramentalen Wegstationen, von pensionierten Priestern betreut oder von verheirateten Diakonen, beide dazu ausersehen, eine männliche Kirche zu erhalten, möge dies nun Dienst sein oder nicht.

Die Zahl der Priester nimmt ab. Die Zahl der Katholiken steigt. Die Zahl der ausgebildeten Laien steigt in jedem akademischen System, trotz der Tatsache dass ihre Dienste beschränkt werden, abgelehnt oder überflüssig gemacht, und das Pfarrei um Pfarrei.

Und in den Vereinigten Staaten gibt es ein fünf jäehriges Mädchen, das, als seine Eltern ihm auf ihre Frage, warum es denn keine Priesterinnen in ihrer Pfarrei gäbe, die platte Antwort erteilten: "Es gibt keine weiblichen Priester in unserer Kirche", eine Minute lang nachdachte und dann scharf erwiderte: "Ja, warum gehen wir denn dann überhaupt hin?"

Eindeutig, die Kirche verändert sich, auch wenn sie versichert, nicht herausforderbar zu sein.

Sie ist weit entfernt von der Dynamik der Frühkirche, in der Priska, und Lydia, und Thekla, und Phoebe, und Hunderte von Frauen wie sie Hauskirchen gründeten, als Jüngerinnen des Paulus herumwanderten, und "ihn zwangen", wie die Schriften sagen, eine bestimmte Gegend zu betreuen. Sie unterwiesen die Leute in Glaubensdingen und betreuten die aufsprießenden christlichen Gemeinden , und verrichteten ihren Dienst, ohne irgendwelche Rechtfertigungen, Argumente, oder komplizierte theologische Spielereien darüber, ob sie "in persona Christi" oder "in nomine Christi" handelten.

Eindeutig, beides ist klar, die Frage und die Antwort: was brauchen sie denn wirklich? Sie brauchen, was sie brauchten, als der Tempel wichtiger wurde als die Torah, sie brauchen, was sie brauchten, als der Glauben mehr eine Vision war als eine Institution. Sie brauchen, was sie immer brauchten: sie brauchen eine christliche Gemeinde, nicht patriarchalen Klerikalismus

Sie brauchen das Heilige, nicht das Sexistische. Die Menschen brauchen mehr Propheten, nicht mehr Priester. Sie brauchen JüngerInnenschaft, nicht kanonische Dekrete.

Was muss also getan werden, in einer Zeit wie dieser, wenn das, was gesucht wird, und was möglich ist, zwei verschieden Dinge sind? In was sollen wir unsere Energie stecken, wenn uns gesagt wird, dass keine Energie gewollt wird?

Die Frage mag neu klingen, aber die Antwort ist eine alte, eine uralte, eine wahre. Die Antwort ist: Nachfolge.

Die Versuchung ist groß, zu verzagen in der scheinbar fruchtlosen Suche nach dem Amt. Der Ruf besteht darin, sich wieder für das Wesentliche zu engagieren, für das Ursprüngliche, für die authentischen Anforderungen der Nachfolge.

Aber christliche Nachfolge ist eine sehr gefährliche Angelegenheit. Sie hat jeden Menschen, der sie je annahm einem großen Risiko ausgesetzt.

Es hat jeden Nachfolger und jede Nachfolgerin, die die Sache ernst nahmen, der Gefahr der Ablehnung ausgesetzt, von Martin de Tours bis John Henry Newman, von Mary McKillup bis Dorothy Day.

Nachfolge versetzte jede verletzliche neue christliche Gemeinde in Spannung zu der Zeit in der sie wuchs.

Eine christliche Gemeinde sein bedeutete, den römischen Imperialismus herauszufordern, das Judentum zu strecken, den heidnischen Werten christliche entgegenzustellen. Es verlangte eine ganz konkrete Präsenz, es erforderte großen Mut, unendliche Stärke und eine klare öffentliche Stellungnahme. Wirkliche Nachfolge bedeutete die Ablehnung der Anbetung des Kaisers, das Abschwören der Tieropfer, die Eingliederung der Nichtjuden, die Abschaffung der Nahrungsvorschriften, die Ablehung der Beschneidung, -- die Annahme der Frauen - und den Ersatz des Gesetzes durch Liebe, des Nationalismus durch Universalismus

Damals war die Nachfolge Christi nicht ein Ausflug in intellektuelle, philosophische Luftschlösser. Es war nicht ein Armstemmen mit einer Tradition, mit einer mehr durch die Kultur verzerrte Geschichte als dem vom System freien Geist. Es war wirklich und unmittelbar und kosmisch.

Das Problem der christlichen Nachfolge besteht darin, dass statt der einfachen Forderung von einer Art akademischen oder asketischen Übung --- die Forderung der meisten Arten von Jüngerschaft --- christliche Nachfolge erfordert, eine Art Leben zu führen, das sicher dahin führt, einen Menschen von den Tafeln des Gastmahls prestigeträchtiger Leitungsgremien hinabzuwerfen, von den Podien prüfender Vorstände und von den Prozessionen kirchlicher Ritterwürde zu den berüchtigtsten Rändern sowohl von Kirche als auch von Gesellschaft.

Jesus nachfolgen bedeutet, in anderen Worten, dem nachfolgen, der die Welt auf den Kopf stellt., auch die religiöse Welt.

Es ist eine benebelnde Einrichtung, letztendlich. Menschen mit hohem Bedarf nach Anerkennung, nach sozialem Status und öffentlichem Ansehen, brauchen sich erst gar nicht darum zu bewerben.

"Jesu Nachfolge" ist ein gewundener Weg, der immer und überall zu Orten führt, an die ein "netter" Mensch nicht hingehen würde. Zu Momenten einer Integrität, auf die wir nur zu gerne verzichten würden.

Der Christ, die Christin ist Trägerin einer Weltansicht, die nach Erfüllung, jetzt, schreit. Christliche Nachfolge ist nicht eine Vorbereitung für ein Danach oder eine ekstatische Distanz von der Gegenwart. Christliche Nachfolge ist Engagement, auf eine bestimmte Weise, jetzt zu leben.

Christus nachfolgen bedeutet, sich daran zu machen, eine Welt zu gestalten, in der die Massstäbe, nach denen wir erzogen wurden, wie wir nur allzu oft feststellen, genau die Massstäbe werden, denen wir schließlich abschwören müssen. Flagge und Vaterland, Profit und Macht, Chauvinismus und Sexismus, Klerikalismus und Autoritarismus, im Namen Jesu begangen, sind keine christlichen Tugenden, gleich welches System auch immer auf sie blickt in der Suche nach Legitimierung.

Christliche Nachfolge handelt davon, in dieser Welt zu leben, so wie Christus in ihr gelebt hat --- Aussätzige berührend, Esel am Sabbat aus den Gräben herausziehend, das Unhinterfragbare in Frage stellend --- und mit Frauen zusammen eine Gemeinschaft bilden.

Nachfolge beinhaltet das Engagement, Netze und Heimaten zu verlassen, Positionen und Sicherheiten, Herrschaft und Gesetzlichkeiten; es bedeutet, bekannt zu sein - in unserer eigenen Welt - als das, wofür Christus in seiner Welt bekannt war: als Heiler und Prophet, Stimme und Herz, Ruf und Zeichen des Gottes, dessen Plan für diese Welt Gerechtigkeit und Liebe ist. Der Jünger, die Jüngerin hört die Armen und dient den "Losern" dieser Welt, die vom Establishment verbraucht und dann verlassen werden, ihrem eigenen Schicksal überlassen, allein ausgesetzt in einer patriarchalen Welt, übersehen in einer patriarchalen Welt, unerwünscht in einer patriarchalen Welt, aber mächtig, mächtig beschirmt werden in einer patriarchalen Welt.

Nachfolge ist darauf vorbereitet zu zerrinnen, angesichts einer Welt, die nur daran gebunden ist, ihre eigenen Ziele zu erhalten, um jeden Preis. Und es ist ein hoher Preis. Theresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Johanna von Orleans, wurden alle verfolgt, weil sie der Hierarchie selbst widerstanden hatten - und später wurden sie heilig gesprochen. Nachfolge kostete Maria Ward ihre Gesundheit, ihren Ruf und sogar ein katholisches Begräbnis. Nachfolge kostete Martin Luther King das Leben.

Dem wirklichen Jünger, der wirklichen Jüngerin ist das Problem klar: die Kirche darf nicht nur das Evangelium predigen. Drüber hinaus darf sie es nicht verhindern. Sie muß sein, was sie sagt. Sie muß beispielhaft zeigen, was sie lehrt, sie muss beurteilt werden nach ihren eigenen Massstäben.

Eine Religion, die zusammenarbeitet mit der Entmachtung der Armen, der Versklavung der Anderen im Namen von Patriotismus, macht sich nur zu einem weiteren Instrument des Staates. Religion, die unterdrückerische Regierungen segnet im Namen des Gehorsams einer Autorität gegenüber, die die Autorität des Gewisses ablehnt, macht auch sich selbst zu einer Unterdrückerin. Religion, die stumm bleibt angesichts der Militarisierung, die im Namen der nationalen Verteidigung durchgeführt wird, kehrt der Verpflichtung einem Gott der Liebe gegenüber den Rücken, zugunsten des Erhalts einer zivilen Religion. Religion, die die Gleichheit der Frauen predigt, aber nichts dafür tut, sie beispielgebend in den eigenen Strukturen zu verwirklichen, die eine Ontologie der Gleichheit verkündet, aber auf eine Ekklesiologie des Vorrechts besteht, hat den Eiklang mit dem besten in sich selbst verloren und befindet sich gefährlich nah daran, die theologischen Irrtümer zu begehen, die Jahrhunderte lang kirchlich rechtfertigte Sklaverei untermauerten.

Die Verarmung von Frauen im Namen einer Heiligkeit und eines Essentialismus der Mutterschaft springt Jesus ins Gesicht, der Tische umwarf im Tempel, sich mit Pilatus im Palast auseinandersetzte, Peter anwies, sein Schwert einzustecken und der damaligen Lehre zuwider, die Blutflüssige heilte und seinen eigenen Apostel verbat, die Samariterin zum Schweigen zu bringen, über die uns die Schriften übermitteln, dass "an jenem Tag Tausende glaubten"

In der Tat zeigt uns Jesus: wenn Frauen keine Jurisdiktion haben, und wenn Kirchenkommissionen keine Frauen haben und sogar Ministrantinnen gehindert werden in einer christlichen Gemeinde, die behauptet, sie seien erlaubt, dann ist das Wesen der Kirche selbst in Gefahr durch die Unsichtbarkeit der Frauen.

Es ist klar, daß Nachfolge nicht auf Sexismus gründet, auf zivilem Stillhalten oder auf einer privaten Frömmigkeit. Ganz im Gegenteil, Nachfolge vertauscht die "richtige Vernunft" und den "gesunden Menschenverstand" des Patriarchats gegen echte Beziehungen und einem guten Herzen. Sie spielt das Heilige aus gegen das Menschliche. Sie spielt das Herz Christi aus gegen die Herzlosigkeit einer eminent männlich orientierten, männlich definierten, männlich kontrollierten Welt.

Jünger oder Jüngerin sein, nach dem Beispiel von Judith und Esther, von Deborah und Ruth, von Maria und Maria von Magdala, bedeutet zu entdecken, daß man/frau selbst eine Welt gestaltet, in der das Schwache das Starke verblüfft.

Die Jüngerin oder der Jünger beginnt, wie die Prophetin Ruth, eine Welt zu suchen, in der Arme und Reiche den Platz tauschen. Wie die Richterin Deborah macht sich die Jüngerin daran, eine Welt zu gestalten, in der das Letzte zum Ersten gemacht wird, und das Erste zum Letzten - angefangen bei ihr selbst. Der Jünger, die Jüngerin besteht darauf, wie es Jesus tat - wie es die Feldherrin Judith tat - auf eine Welt, in der Frauen tun, was bislang nur Männern vorbehalten war, einfach, weil es Männer so bestimmten! Für die Jüngerin, die im Schatten von Esther nachfolgt, der Retterin ihres Volkes, wird das Reich Gottes, die Aufnahme der Ausgestoßenen, die Würdigung der Anderen, der Respekt vor der Schöpfung - ein fremdes Land das Heimat schenkt. "Komm, folge mir nach" wird eine Hymne öffentlicher Verkündigung, vom der niemand - niemand ausgeschlossen ist, und der kein Risiko zu groß erscheint.

Nachfolge, so wissen wir aus dem Leben Christi, dem wir nachfolgen, ist keine Mitgliedschaft in einem klerikalen sozialen Club, Kirche genannt. Es ist keine Ordination, die die wirklich Ordinierten festhalten können. Nachfolge ist nicht eine intellektuelle Übung der Zustimmung zum Bestand einer Doktrin. Nachfolge ist eine Geisteseinstellung, eine Seeleneigenschaft, eine Lebensart, die nicht politisch ist, aber ernsthafte politische Implikationen hat, die nicht offiziell kirchlich sein mag, aber eine Kirche verändert, die mehr ekklesiastisch ist als eine Gemeinschaft.

Nachfolge verändert Dinge, weil es einfach nicht die Dinge übersehen kann, so wie sie sind. Sie verweigert alles und jedes, was dem Willen Gottes für die Menschheit entgegensteht. Wie sensibel auch immer, wie vernünftig auch immer, wie gewöhnlich auch immer, wie offensichtlich auch immer, wie geschichtlich patriarchal auch immer, wie oft auch immer es der "Wille Gottes" genannt wurde von denen, die vorgeben zu definieren, was das denn sei. Die Jüngerin oder der Jünger legt sich öffentlich an mit den Werten einer Welt, die nur jene bevorteilen, die bereits bevorteilt sind.

Die Jüngerin, der Jünger nimmt jene Institutionen aufs Korn, die von sich behaupten, "befreiend" zu sein, jedoch die Hälfte der Menschheit in Fesseln halten. Sie nimmt Anstoß an Systemen, die eher dazu neigen, "diese Art von Menschen" - unpassende Menschen, auszuschließen anstatt alle Menschen in sich willkommen zu heißen. Wahre Nachfolge nimmt immer, immer, immer Partei für die Armen, trotz der Macht der Reichen - nicht weil die Armen tugendhafter sind als die Reichen, sondern weil Gottes Liebe für sie will, was die Reichen nicht für sie sehen. Nachfolge schneidet eine rücksichtslose Schneise durch Korporationstypen wie Herodes, durch Institutionstypen wie die Pharisäer, durch Systemtypen wie die Geldwechsler, und durch Chauvinisten wie die Apostel, die die Frauen fortschicken wollten.

Nachfolge steht splitternackt in mitten der Marktplätze der Welt und im Namen Jesu schreit sie alle Schmerzensschreie der Welt, bis irgend jemand, irgendwo zuhört und den Ärmsten der Armen antwortet, den Geringsten der Geringen, den Ausgestoßensten der Ausgestoßenen. Alles andere, aller Pomp, all die goldnen Ketten und die rote Seide, alle Rituale der Welt - die Evangelien bezeugen es - ist sicherlich mittelmäßig und ganz bestimmt Scheinnachfolge.

Es ist also eine Sache für ein Individuum, den Mut zu haben, den es braucht, um alleine im Ruhepunkt eines Sturmewirbels zu stehen, der "wirkliche Welt" genannt wird. Eine ganz andere ist es, zu sehen daß die Kirche weniger ist als der lebendige Christus. Warum? Weil die Kirche Jesu Christi nicht berufen ist zum Priestertum, die Kirche Jesu Christi ist berufen zur Nachfolge.

Eine Kirche Christi zu sehen, die den Armen und Ausgestoßenen Ihren Anteil verweigert, die in sich selbst die Systeme verwirklicht , die sie in der Gesellschaft verachtet, ist gleich keine Kirche sehen zu können. Es handelt sich allerhöchstens um eine Religion, verkürzt auf eine weitere soziale Institution, die den Zweck erfüllen soll, den Getrösteten Trost zu spenden, die aber nicht die Ketten in Frage stellt, die den größten Teil der Menschheit - alle seine Frauen - ans Kreuz fesseln. In dieser Art Kirche ist die Frohe Botschaft lange Zeit hindurch verkürzt worden auf den Katechismus. In dieser Art Kirche stirbt die Prophetie und die Gerechtigkeit winselt und die Wahrheit wird zu trüb, als dass sie die Suchenden sehen könnten.

Heute, wie vielleicht nie zuvor in der Geschichte, wird die Welt, und somit die Kirche in ihr, bis zu dem Zerreißpunkt gespannt durch Lebensumstände, die, schon allein wegen ihrer Dimensio, den Globus bis zu seinen Grundfesten erschüttern.

Neue Existenzsfragen tauchen auf mit einer umwerfenden Wucht und einer nicht nachlassende Ausdauer. Und die größte von ihnen ist die Frauenfrage.

Frauen stellen den größten Anteil der Armen dar, der Flüchtlinge, der Ungebildeten, der Geschlagenen, der Ausgestoßenen in der Welt. Sogar in der Kirche, wo gebildete, hingebungsvolle, engagierte Frauen übergangen werden, selbst in den persönlichen Fürwörtern während der Messe!

Wo ist die Gegenwart Jesu für die heimatlose Frau, für die Bettlerin, für die verlassene Frau, für die einsame Frau, deren Frage, Schreie und Lebenserfahrung keinen Platz haben in den Systemen der Welt und auch in der Kirche nicht? Außer, natürlich, um als zweite Wahl der menschlichen Natur definiert zu werden, nicht so kompetent, nicht so wertvoll, nicht so menschliche, nicht so von Gott begnadet als Männer? Was fordert denn hier die Theologie der Nachfolge? Was beinhaltet denn hier die Theologie eines priesterlichen Volkes? Sind Frauen denn einfach nur ein halber Jünger Christi? Um nur halb einen Auftrag zu erhalten, halb bemerkt zu werden, halb geschätzt?

Im Lichte dieser Situationen gibt es, dementsprechend, Fragen in der christlichen Gemeinde, die weder durch Fußnoten glatt gebügelt, noch durch einen Jargon verdunkelt, noch durch die Zuflucht zum "Glauben" genießbar gemacht werden können. Im Gegenteil, angesichts dieser Fragen stocken die Fußnoten, die Sprache dient nur dazu, die Frage zuzuspitzen, der Glaube selbst stellt die Frage.

Die Nachfolge der Frauen, das ist die Frage, die nicht weichen wird. In der Tat, die Nachfolge der Kirche in bezug auf die Frauen ist die Frage, die auf lange Sicht hin zum Prüfstein der Kirche werden wird. In der Frauenfrage befindet sich die Kirche in Angesicht einer ihrer ernstesten Herausforderungen in bezug auf Nachfolge, seit der Sklavenfrage, als wir ebenso argumentierten, Sklaverei sei Gottes Wille!

Die größte Frage, die sich vielleicht Christen und Christinnen heute stellt, ist es, was Nachfolge bedeutet in einer Kirche, die keine Frauen haben will.

Wenn Nachfolge verkürzt wird auf Männlichkeit, was bedeutet denn das für den Rest der christlichen Gaben, wenn nur Männer wirklich Nachfolge in ihrer ganzen Fülle leben können? Wozu soll da eine Frau denn überhaupt die Nachfolge anstreben? Was bedeutet es denn, für die Frauen, die selbst von Ablehnung betroffen sind, von Entwertung und einer fraglichen Theologie, die auf den Überbleibseln einer theologisierten schlechten Biologie gründet. Was tun wir, wenn eine Kirche die Gleichheit der Frauen verkündet, selbst aber auf Strukturen baut, die ihre Ungleichheit zementieren?

Was bedeutet daneben denn auch die Ablehnung von Frauen durch die höchsten Ränge der Kirche, für Männer, die behaupten, aufgeklärt zu sein, aber dennoch weiterhin das System selbst unterstützen, das die Hälfte der Menschlichen Gattung verhöhnt? Was bedeutet es für die Kirche, die behauptet Jüngerin Jesu zu sein, der am Sabbat Esel aus den Gräben zog, und Frauen von Tode auferweckte und mit den Glaubenslehrern diskutierte - mandatum oder kein mandatum, endgültige Dokumente oder keine endgültigen Dokumente

Und schließlich, was bedeutet es für eine Gesellschaft in dringendem Bedarf nach einer kosmischen Weltsicht in der Morgendämmerung eines globalen Zeitalters?

Die Antworten sind von einer entmutigenden Klarheit auf allen Gebieten. Christliche Nachfolge ist nicht einfach bloß in Gefahr zu verkümmern. Nachfolge ist, tatsächlich, zum Feind geworden. Diejenigen, die wir nicht zulassen wollen zu einer vollen, legitimen Nachfolge - und die Kirche selbst lehrt diese werde von uns allen gefordert - sind so zumindest problematisch geworden für die Integrität jener Kirche und jener Menschen, die weiterhin Frauen ausschließen von jenen Ämtern der Kirche, die ihre Theologie gestalten und ihren Menschen dienen.

Frauen beginnen sich zu fragen, ob Nachfolge überhaupt etwas mit ihnen zu tun hat. Und darin liegt die heutige Frage der Nachfolge. Einige meinen, Treue zum Evangelium bedeute, zu tun, was wir immer getan haben. Für andere ist Treue nur, was wir immer gesehen haben. Der Unterschied ist grundlegend. Der Unterschied ist auch entscheidend für das Verständnis von Nachfolge in der modernen Kirche.

Wenn "Die Tradition" zu einem Synonym wird von "Dem System" und es wichtiger wird, das System zu erhalten als den Geist der Tradition, dann verwelkt Nachfolge und wird bestenfalls zu "Gehorsam" oder zu "Treue" zur Vergangenheit, aber nicht zu einem tief gegründeten Engagement mit der Gegenwart des lebendigen Christus, der die Leprakrankheiten seiner Zeit bekämpft

Nachfolge setzt von jeder von uns voraus, und von der Kirche selbst, -- die selbe Art bedingungsloser, offener, empfangender und gebender Liebe, wie Jesus den Blinden entgegen brachte, auf den Straßen von Galiläa, dem Leib des toten Mädchens, der Wunde der blutflüssigen Frau. Die Gesellschaft hielt die Blinden für sündhaft, eine kinderlose Frau für nutzlos, eine menstruierende Frau für unrein, alle für Randgestalten des Systems, dazu verurteilt, an den Grenzen des Lebens zu leben, von der Mitte der Synagoge ausgeschlossen, ohne Zutritt zum Herzen des Tempels.

Aber Jesus nimmt jede dieser Personen zu sich, trotz der Gesetze, ohne Rücksicht auf die Kultur, aller Mißbilligung der geistlichen Würdenträger der Gegend zum Trotz und erfüllt sie mit sich und sendet sie hinaus auf die Straßen und Wege der ganzen Welt. Jüngerin oder Jünger Jesu sein bedeutet, daß wir ebenso handeln müssen. Es gibt Dinge, wie es scheint, die kein Rationalisieren gestatten, um irgendwelcher institutioneller Nettigkeiten wegen.

Nachfolge bedeutet, impliziert, fordert nichts weniger als die tätige, weihende Liebe Jesu für jeden und für jede, immer und überall. Ganz gleich, wer auch immer es wagen sollte, das Recht zu beanspruchen. Grenzen zu setzen um die Liebe Gottes.

Nachfolge und Glaube sind aus einem Stück. Sagen, daß wir glauben daß Gott die Armen liebt, zu ihrem Gunsten urteilt, ihre Erlösung will, aber nichts unternehmen, um die Armen zu befreien, ihre Wunden zu heilen, ihre Lasten zu erleichtern, ist ein hohler Glaube. Sagen, daß Gott Liebe ist, und nicht selbst lieben wie Gott liebt, kann wohl Kirche sein, aber nicht Christentum. Eine Theologie der Gleichheit zu verkünden - zu behaupten, alle Menschen seien gleich in Gottes Augen und gleichzeitig eine Theologie der Ungleichheit bewahren, eine Spiritualität der Unterdrückung im Namen Gottes, die behauptet, daß Frauen keinen Platz hätten im Bereich der Kirche und in der Entwicklung einer Lehre, ist eine Lebenslüge.

Aber wenn Jüngerinnenschaft darin besteht, Jesu nachzufolgen bis jenseits aller Bindungen und zu jedem Preis, um das Reich Gottes zu verwirklichen, um gerechte Beziehungen zu gestalten, dann verhindert die Bedingung, den Ruf einer Frau, Christus zu folgen, auf ihre Fähigkeit zu gründen, daß sie so aussieht wie Jesus, genau den ureigensten Zweck der Kirche. Sie behindert die Fähigkeit einer Frau Christus in der Fülle nachzufolgen, ihr Leben für andere hinzugeben, zu segnen und zu predigen und zu opfern und eine Gemeinschaft aufzubauen "in seinem Namen" - wie die Dokumente über das Priestertum sagen, daß ein priesterliches Volk es soll. Und sie tut es der Religion willen und im Widerspruch zur Frohen Botschaft selbst. Wie kann eine solche Kirche überzeugend die Welt im Namen der Gerechtigkeit dazu ermahnen, Gerechtigkeit zu üben, wenn sie selbst sie nicht übt. Wie kann die Kirche andere Institutionen dazu aufrufen, Frauen als volle menschliche Wesen zu betrachten, nach dem Ebenbild Gottes geschaffen, wenn ihnen ihre Menschlichkeit gerade das ist, was die Kirche gegen sie ausspielt im Namen Gottes? Es ist eine philosophische Frage von ungeheurem Ausmaß. Es ist die Frage, die, wie die Sklaverei die Kirche selbst auf den Prüfstand stellt.

Damit die Kirche in der Frauenfrage präsent ist, ihr dient, ihr nachfolgt, muß sich die Kirche selbst zu dieser Frage bekehren, ja, sie muß sich von dieser Frage bekehren lassen.

Männer, die die Frauenfrage nicht ernst nehmen, können wohl Priester werden, aber sie können unmöglich Jünger sein. Sie können nicht "andere Christuse" sein: weder der Christus, der von einer Frau geboren wurde, noch der Christus, der Frauen den Auftrag gab, ihn zu verkünden, noch der Christus, der von einer Frau in Kanaa bevollmächtigt wurde, noch der Christus, der Frauen sandte, den Aposteln seine Auferstehung zu verkünden, an die diese nicht glauben wollten. Noch der Christus, der den Heiligen Geist sandte auf Maria, der Frau, so wie auf Petrus, den Mann, noch der Christus, der seinen messianischen Auftrag so klar der Samariterin verkündete, wie zu dem Felsen, der zersprang.

Wenn das der Jesus ist, dem wir als Christen und Christinnen nachfolgen, als Kirche nachzufolgen haben, dann ist die Nachfolge der Kirche nun schwer in Frage gestellt. In der Tat, die Dichterin Basho schreibt: "Ich versuche nicht, den Fußstapfen der Alten zu folgen, ich suche die Dinge, die sie suchten."

Nachfolge hängt damit zusammen, daß wir den Willen Gottes für die Menschheit zu den Fragen unserer Zeit bringen, wie Jesus es tat zu seiner. So lange Tradition dazu gebraucht wird, den Fußstapfen unserer Vergangenheit zu folgen, statt den Geist Christi in der Gegenwart zu erhalten, dann ist es unwahrscheinlich, daß wir mehr erhalten, als eine leere Schale, die Schale der Kirche.

Das Bewußtsein von der Universalität der Menschheit über alle Verschiedenheit hinweg ist zum Faden geworden, der die Welt zusammenhält, in einem globalen Zeitalter. Was einst als Hierarchie der Menschheit verstanden wurde, wird immer mehr erkannt als was es wirklich ist: als die Unterdrückung der Menschheit. Für die meisten in der Welt ist die Kolonisation der Frauen so unannehmbar heute, wie die koloniale Unterdrückung Afrikas, die Kreuzzüge gegen Türken, die Versklavung der Schwarzen und die Vernichtung der Indianer im Namen Gottes.

In Asien, fordern buddhistische Frauen die Ordination und das Recht, die heiligen Mandalas zu machen. In Indien fangen Frauen an, die heilige Tänze zu tanzen und die heiligen Feuer zu zünden. Im Judentum studieren Frauen die Torah und tragen die Schriftrollen, und lesen die Schriften, und leiten die Gemeinden. Nur in den am meisten zurückgebliebenen, legalistischen, primitivsten aller Kulturen werden Frauen unsichtbar gemacht, unnütz, zu weniger als voll menschlich, weniger als voll geistig degradiert.

Die Vermenschlichung des menschlichen Geschlechts ist unser Auftrag. Die Frage, die sich stellt, ist, ob die Vermenschlichung des Menschengeschlechts auch zur Christianisierung der christlichen Kirche führen wird. Sonst wird Nachfolge aussterben und die Integrität der Kirche mit ihr.

Wir müssen die Nachfolge ernst nehmen oder wir werden der Zukunft eine Kirche hinterlassen mit Beamten, aber ohne Jüngerinnen und Jüngern. Christentum lebt in Christinnen und Christen, nicht in Büchern, nicht Dokumenten, die als "endgültig" bezeichnet werden, um die Tatsache zu vertuschen, dass sie bestenfalls zeitgebunden sind. Nicht in Plattitüden über "besondere Berufungen", nicht in alten Irrtümern, die als Tradition aufgewertet werden. Die neue Lebenstatsache ist, daß Jüngerinnenschaft für Frauen und Jüngerinnenschaft von Frauen der Schlüssel für die Jüngerinnenschaft und Jüngerschaft des Restes der Kirche ist. Die Fragen sind eindeutig. Die Antwort ist dunkel und unbestimmt, aber grundlegend für die Zukunft einer Kirche, die behauptet, ewig zu sein.

Eine Gruppe wie diese, Ihr, in einer Zeit wie diese - ein priesterliches Volk in einer priesterlosen Zeit - muß die Gesamtsicht klar im Auge behalten. Aber wir müssen auch die Aufgaben der Gegenwart klar im Griff behalten: Und die Aufgabe der Gegenwart ist nicht die Vorbereitung auf die Ordination in einer Kirche, die die Überzeugungsmacht der Wahrheit bezweifelt -- oder fürchtet - und daher das Recht verweigert, die gärende Frage zu diskutieren, ob Frauen am Sakrament der Weihe teilhaben können. Das wäre verfrüht, bestenfalls, wenn nicht geradezu schädlich. Nein, die Aufgabe der Gegenwart, in einer Zeit wie der unsrigen, besteht darin, jede Organisation, zu der wir gehören dazu zu benutzen, eine Theologie der Kirche zu entwickeln, bis der Punkt der kritischen Masse erreicht wird.

Wir brauchen eine Gruppe, die frei ist von Mandaten, die Seminare organisiert, öffentliche Debatten im Stile der großen mittelalterlichen Streitgespräche über die volle Menschheit der Indianer, die Teach-ins hält, Veröffentlichungen fördert, Bücher schreibt und Diskussionsgruppen zusammenführt über die Themen der Unfehlbarkeit der Unfehlbarkeit und des Sensus fidelium. Die Aufgabe der Gegenwart besteht sicherlich darin, daß Gruppen wie diese,die Infragestellung des klaren Ausschlusses der Frauen von der Wiederbelebung des ständigen Diakonats - einer offiziellen Art der Nachfolge, welche die Theologie, die Geschichte, das Ritual, die Liturgie und die Tradition, bestimmt, voll und klar auf ihrer Seite hat.

Die Zeit ist reif, die Diskussionen ans Tageslicht zu bringen, die hinter jeder Kirchentür hervor lugen, in jedem suchenden Herzen. Wenn, wie der Vatikan sagt, das Priesteramt erfordere Predigen, Opfer und Gemeindeaufbau, dann möge das Predigen, Gestalten und Entwerfen einer neuen Idee von Priesteramt und Diakonat - wie hoch auch immer die Kosten für uns sein mögen - der größte priesterliche Dienst sein von allen sein, jetzt.

So müssen wir weiterhin uns drehen und drehen und drehen in die Richtung der Nachfolge - wie Frauen es immer getan haben ... aber auf unterschiedliche Weise. Denn, wie Basho sagt, wir versuchen nicht, den Fußstapfen unsrer Vorgänger zu folgen. Wir suchen die Dinge, die sie suchten. Wir versuchen nicht zu tun, was sie wirklich brauchen. Wir brauchen viel mehr als das. Wir müssen tun, was sie wirklich, wirklich brauchen.

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